Aadorf

«Über ein Argument muss ich erst zwei Wochen nachdenken»

50 Prozent von «Ohne Rolf» treten am Samstag auf: Christof Wolfisberg ist solo ein «Abschweifer».

Die Hälfte von ohne Rolf: Christof Wolfisberg. Foto: B. Allgaier.

Die Hälfte von ohne Rolf: Christof Wolfisberg. Foto: B. Allgaier.

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Herr Wolfisberg, mit ihrem ersten Soloprogramm, einer Art Lesung, haben sie durchwachsene Kritiken geerntet. Teilweise wird das Publikum einbezogen, was manchen Zuschauern unangenehm war.
In «Abschweifer» geht es unter anderem um Scham. Ich schreibe über die Gedanken der Leute und viele fühlen sich ertappt. Ich reflektiere das Publikum und das spaltet – aber es passiert alles im Kopf der Zuschauer. Für mich ist der Grundrespekt zum Zuschauer oberstes Gebot.

Sie haben Auszüge bereits in der SRF-Satireendung «Deville» präsentiert, das nahm teilweise bizarre Formen an.
Ja, was als Lesung beginnt, wird immer stärker von absurden Gedanken torpediert. Eigentlich ist alles vorgeschrieben, was passieren soll, aber es entwickelt eine Eigendynamik. Das hat Verwandtschaft mit «Ohne Rolf», wir machen das seit über zwanzig Jahren, die Prägung ist nicht wegzudiskutieren. Andererseits zaubere ich auch, was ich schon als Schüler bei Alex Porter gelernt habe. Das unterwandert gewisse Erwartungen und überrascht das Publikum.

Sie nennen es auch Meta-Theater, was ist das?
Was ich mache, ist selbstreferentiell. Ich baue mit dem Publikum die Wirklichkeit. Es bezieht sich auf alles, was passiert, und reflektiert, was reflektiert wird. Das wird der Bezeichnung Wirklichkeitskonstruktion gerecht.

Manche Kritiker vergleichen es mit dem Film «Being John Malkovich», der Reise ins Hirn eines anderen.
Da fühle ich mich gebauchpinselt.

Es klingt ein bisschen intellektuell. Wen haben Sie als Publikum vor Augen, wenn Sie solch ein Programm entwickeln – und sitzt das dann wirklich in den Reihen?
Kleinkunstpublikum ist interessant, weil da alles Mögliche versammelt ist. Mein Ziel ist, das Zirkusphänomen zu bedienen, das heisst, altersmässig so breitgefächert wie möglich. «Abschweifer» ist jedoch erst ab 14 Jahren geeignet. Mein Stück hat einen banalen Aspekt, man kann es aber auch weiterdenken. Das einzig Anspruchsvolle: Es geht schnell, es passiert viel, man muss bei der Sache bleiben.

Wo nehmen Sie die Inspiration her?
Aus dem Leben, aus dem Alltag, ich lese sehr viel. Das Buch passt sich meinem Tempo an. Ich gehe auch Kollegen anschauen, um zu erkunden, was kann man mit Theater überhaupt machen. Oder ich schaue Serien, die einem aufzeigen, was gute Dialoge sind.

Bisher gibt es vier «Ohne Rolf»-Programme. Nächstes Jahr soll ein neues kommen. Im gewohnten Stil?
Ja, da sind wir intensiv am Reden, was es werden soll. Konzeptionell bleiben wir den Plakaten treu. Wir haben uns eine Form geschaffen, mit der man die Welt erzählen kann. Es ist unser Alleinstellungsmerkmal.

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, politisches Kabarett zu machen?
Ich habe mich gefragt, muss ich direkter gesellschaftskritisch sein. Denn mit meinem Bühnenpartner Jonas Anderhub unterhalten wir uns oft darüber, was uns berührt. Aber wir sind ja nicht politisch, das können andere besser. Wenn jemand ein Argument bringt, muss ich mich zwei Wochen zurückziehen und darüber nachdenken.

Sie sind 1976 in Locarno geboren, in der Innerschweiz Schweizerdeutsch-französischsprachig aufgewachsen und haben, wie viele Kleinkünstler, zunächst eine Primarlehrerausbildung gemacht.
Und war dabei schon als freischaffender Zauberkünstler tätig. Parallel besuchte ich die Hochschule für Musik und Theater in Zürich. Während ich in der Schule in einer Theater-Bubble lebte, verdiente ich als Kontrast dazu meinen Lebensunterhalt als Zauberer an Privatanlässen. Ich ging dort zaubernd von Tisch zu Tisch und lernte dadurch mein Publikum aus nächster Nähe kennen. Zauberer sollten mutig sein.

Christof Wolfisberg «Abschweifer»: Samstag, 15. Februar, 20 Uhr. Theater Alti Fabrik, Wesenplatz 4, Flaach. Tickets: 35 Fr./Lehrl. 18 Fr.. Telefon 078 637 71 83. www.altifabrik.ch.

Erstellt: 10.02.2020, 15:19 Uhr

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