Seuzach

Unter der Dusche fehlt ihm die Zeit zum Singen

Am Samstag, 9. März, trifft sich der Chorverband Winterthur-Weinland zur Delegiertenversammlung in Seuzach. Verbandspräsident Hanspeter Wegmüller entdeckte seine Singstimme erst spät.

Zuerst war der Sport: Hanspeter Wegmüller war früher im Vorstand eines Turnvereins. Heute ist er ­Präsident des Chorverbands Winterthur-Weinland. Foto: Marc Dahinden

Zuerst war der Sport: Hanspeter Wegmüller war früher im Vorstand eines Turnvereins. Heute ist er ­Präsident des Chorverbands Winterthur-Weinland. Foto: Marc Dahinden

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Hanspeter Wegmüller, als Präsident des Chorverbands Winterthur-Weinland singen Sie bestimmt auch unter der Dusche, oder?
Nein, dafür habe ich keine Zeit. Das geht bei mir ziemlich schnell.

Singen Sie denn überhaupt ausserhalb der Chorproben?
Ich habe einen Hund, mit dem ich häufig durch den Wald spaziere. Dann singe ich gerne Lieder vor mich hin. 

In welchem Chor singen Sie?
Momentan bin ich Mitglied im Männerchor Seen und singe dort im zweiten Bass. Vor über 30 Jahren habe ich mich zum ersten Mal einem Chor angeschlossen.

Wo waren Sie zuvor?
Als Erstes war ich für 13 Jahre Präsident vom Männerchor in Iberg, dann habe ich zum Sängerbund Töss gewechselt und jetzt bin seit drei Jahren in Seen dabei.

«Meine Leidenschaft fürs Singen habe ich erst mit 45 entdeckt.»

Warum diese Wechsel?
Der Männerchor in Iberg hat aufgrund vieler Todesfällen Mitglieder verloren und wurde aufgelöst. Von Töss bin ich dann nach Seen, weil ich meine früheren Kollegen vermisst habe. Die haben eben von Iberg nach Seen gewechselt.

Das sind alles Männerchöre. Hatten Sie nie die Idee, in einem gemischten Chor zu singen?
Das ist schwierig zu sagen. Eigentlich nicht, mir gefallen die Männerchöre einfach besser. Das heisst, ich höre vor allem die männlichen Stimmen gerne. Gruppen mit Frauen und Männern haben sicher auch ihre Vorteile. Aber weil ich schon von Beginn an in einem Chor war, in dem ausschliesslich Männer sangen, bin ich es mir wohl auch gewohnt. Gemischte Chöre gibt es zudem immer weniger. Allgemein haben wir ein Problem, genügend Neue zu gewinnen.

Sind es denn eher ältere Sängerinnen und Sänger, die sich in einem Chor engagieren?
Tendenziell schon, die Jüngsten sind jeweils um die 60, von da an ist es nach oben offen. Nur dank Zusammenschlüssen können einige Chöre überhaupt überleben. Der Männerchor Seen ist beispielsweise einer davon. Darum bin ich froh, dass in unseren Proben wenigstens immer um die 20 Teilnehmer anwesend sind.

Heute gibt es ja viele musikalische Castingshows im Fernsehen. Denken Sie, dass dadurch mehr Junge zum Singen animiert werden?
Wohl eher nicht. Diese Kandidaten wollen bekannt werden. Denn die Shows sind jeweils vor allem auf Personen bezogen. Wenn man in einem Chor singt, dann muss es einem wirklich ums Singen gehen, da wird man nicht berühmt.

Gibt es denn Möglichkeiten, mehr Junge ins Boot zu holen?
Es gibt in unserem Chorverband ein paar Jugendchöre. Aber die 16-Jährigen haben einfach andere Interessen. Besonders die jungen Männer steigen dann aus, bei den Frauen gibt es noch eher Einzelne, die weitersingen.

Könnte die Songauswahl ein Grund für das Ausbleiben der Jugendlichen sein?
Das könnte schon sein. In unserem Männerchor singen wir spezielle Lieder, auch viele aus früheren Zeiten. Das gefällt oder eben nicht. Jedoch sind ebenso aktuellere Stücke darunter, beispielsweise von Udo Jürgens.

Sind Sie schon als junger Sänger bei einem Chor dabei gewesen?
Meine Leidenschaft fürs Singen habe ich erst mit 45 entdeckt. Vorher war ich in einem Turnverein sehr involviert. Zuerst dachte ich, dass ich überhaupt nicht singen kann.

Wie kamen Sie zu der Annahme?
Auf Wanderung mit dem Turnverein haben wir jeweils Lieder gesungen. Ich hatte das Gefühl, dass dann sogar die Vögel davonflogen. (lacht) 

Muss man besondere Anforderungen erfüllen, um in Ihrem Chor dabei zu sein?
Nein, das Wichtigste ist die Freunde am Singen. Auch wenn man anfangs denkt, man sei weniger talentiert, kann man den Gesang erlernen. Von den Kollegen, die neben einem stehen und schon mehr Erfahrung haben, kann man sich einiges abschauen. Und zum Glück haben wir auch einen Dirigenten, der uns jeweils hilft.

Was singen Sie am liebsten?
Ich habe die traditionellen Stücke sehr gerne, aber auch die neuen mag ich. Ein guter Mix aus beidem ist gut. Mein Lieblingslied heisst «Glocken der Heimat», das singen wir aber zurzeit leider nicht.

Wie viele Songs hat ein Chor denn so im aktiven Repertoire?
Im Jahr kommen so um die 15 Stücke dazu. Dann sind da noch etwa 30 Lieder, die wir ebenfalls regelmässig singen. Bei den Proben feilen wir an den neuen. Zum Schluss proben wir aber immer auch das Altbekannte.

Erstellt: 07.03.2019, 16:38 Uhr

Versammlung mit Gesangund Ehrung

Zur Delegiertenversammlung am Samstag, 9. März, in Seuzach sind Vertreter der 32 Chöre des Verbands Winterthur-Weinland angekündigt. Die Veranstaltung findet im Zentrum Oberwis statt. Unter den teilnehmenden Chören sind sechs gemischte Gruppen, zwölf Männer-, acht Frauen und sechs Jugendchöre. Zu Beginn und am Ende der Chorversammlung singen die Anwesenden gemeinsam. Am Nachmittag um 15 Uhr findet die Ehrung von langjährigen Chormitgliedern statt. Diese ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Neun Sängerinnen und Sänger sind bereits seit 25 Jahren dabei. Besonders speziell wird der Anlass für ein Mitglied des Sängerbunds Töss: Bereits seit 50 Jahren singt Willi Im Hof dort mit und wird dafür ausgezeichnet. (elw) 

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