Regionalkultur

Weihnachtsbräuche in Pfungen und weltweit

Das Ortsmuseum in Dättlikon zeigt in seiner neusten Ausstellung alle möglichen Bräuche, wie man Weihnachten oder Advent feiern kann. Der Rundgang beginnt aber in Pfungen, wo der Samichlaus Einblicke in sein geheimes Buch gewährt.

Der langjährige Samichlaus-Darsteller, Hansruedi Schmidhauser, hat dem Ortsmuseum sein Gewand überlassen.Foto: Marc Dahinden

Der langjährige Samichlaus-Darsteller, Hansruedi Schmidhauser, hat dem Ortsmuseum sein Gewand überlassen.Foto: Marc Dahinden

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Als Kind hat man sich ja immer gewundert, woher der Samichlaus so genau wusste, dass man wieder zu wenig gelernt hat. Mit tiefer Stimme las er jeweils aus einem dicken Buch vor, das voller Geheimnisse schien. Im Ortsmuseum Dättlikon ist ein solches Buch ausgestellt. Es gehörte dem ehemaligen Coiffeurmeister Hansruedi Schmidhauser, der in Pfungen fast 50 Jahre lang Samichlaus war und dabei so einiges erfahren hat. So ist im Buch zum Beispiel fein säuberlich notiert, dass Carlo beim Balgen jeweils lustig lache und «ab und zu» sein Zimmer aufräume. Valentina hingegen sei eine gute Turnerin, die tapfer trainiere und Helen helfe in der Küche mit.

Die Seiten sind alle handgeschrieben und mit Zeichnungen verziert. Im Museum ausgestellt ist sogar das Gewand mit Bart, das Hansruedi Schmidhauser bei seinen ersten Besuchen getragen hat. Wer will kann Samichlaus-Sprüche aufschreiben. Eine erste Auswahl ist bereits vorhanden: «Samichlaus i ha die gärn. Aber vom Schmutzli bini Fän.», heisst es da etwa.

Buntes Gefäss in Mexiko

Hinter dem Samichlausgewand fällt ein rosarotes Spielzeugpferd auf. Daneben baumelt ein bunter Schlagstock. Beides stellt einen in Mexiko verbreiteten Brauch dar, wie es auf einem Schild heisst. Bei der «Pinata» wird ein mit Sternen und Figuren dekoriertes Tongefäss, gefüllt mit Früchten oder Süssigkeiten aufgehängt. Mit verbundenen Augen muss das Gefäss zerschlagen werden, um an den Inhalt zu gelangen.

«Samichlaus i ha die gärn. Aber vom Schmutzli bini Fän.»

Im Ortsmuseum Dättlikon sind Bräuche aus circa 40 Ländern beschrieben und mit Gegenständen veranschaulicht. Der Rundgang führt von Lateinamerika über Skandinavien bis nach Japan und China. Sie habe die Länder nicht bewusst ausgewählt, sagt Beatrice Scherer, die das Ortsmuseum leitet. «Ich fand alle Bräuche spannend.»

Der schwedische Weihnachtsbrauch. Bild: mad

Die Ausstellung zu den Weihnachtsbräuchen hätten sie zu viert eingerichtet. Dies im Hinblick auf das Adventsfenster, das alle zwei Jahre stattfindet. An den beiden Öffnungstagen morgen Samstag und übermorgen Sonntag würden im Ortsmuseum zudem Glühmost und Borschtsch serviert. Das ist eine Art Randen-Suppe aus Osteuropa.

Ferienzeit in Australien

Auf die Frage, welcher Weihnachtsbrauch sie am meisten überrascht hat, weiss Beatrice Scherer spontan keine Antwort. Sie führt dann aber zuerst zu einem Koffer, der den Brauch in Australien symbolisieren soll. Dies deshalb, weil dort zur Weihnachtszeit die meisten in ihren Sommerurlaub fahren. Traditionell geniesse man dort am 24. Dezember Putenbraten, heisst es auf einem Schild.

Fest der Liebe in Japan

Gefeiert werde zudem auch in China. Jüngere Menschen treffen sich zu Weihnachtspartys und Geschäfte würden mit Lichterketten geschmückt. Und in Japan sei Weihnachten ein Fest der Liebe. Dem Partner soll an diesem Tag gezeigt werden, wie sehr man ihn liebt. Vor allem für jüngere Japaner sei Weihnachten deshalb vergleichbar mit dem Valentinstag.

Ein Weihnachtsbaum aus Singapur. Bild: mad

Auffällig ist die Lichterkönigin, die im Museum von einer Puppe dargestellt wird. Sie wird in Schweden am 13. Dezember gefeiert. Weissgekleidete, mit einem Lichterkranz geschmückte Mädchen ziehen an diesem Tag durch die Strassen. Der Legende nach sei «Lucia» eine christliche Märtyrerin aus Sizilien. Wie der Brauch in den Norden kam, sei unklar, wie es auf einem Schild im Museum weiter heisst.

Helikopter in Brasilien

Eher speziell ist ein Brauch in Brasilien. Dort wurde ein Weihnachtsmann offenbar mit dem Helikopter ins berühmte Stadion Maracanã eingeflogen. Er winkte dabei 75000 feiernden Brasilianerinnen und Brasilianern zu. Viel beschaulicher sind im Vergleich dazu die Weihnachtsbräuche in den Nachbarländern der Schweiz, wo es ähnlich wie bei uns zu und hergeht.

Die Weihnachtsausstellung im Ortsmuseum Dättlikon hat nur an zwei Tagen geöffnet. Für Schulklassen sind in der Adventszeit laut Leiterin Beatrice Scherer auf Anfrage aber auch Führungen möglich.

Weihnachtsbräuche aus aller Welt, Ortsmuseum Dättlikon, Samstag 7. und Sonntag 8. Dezember, von 16 bis 19 Uhr.

Erstellt: 05.12.2019, 12:39 Uhr

Beatrice Scherrer findet alle Weihnachtsbräuche spannend. Bild: mad

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