Wiesendangen

Wenn zwei Musikerinnen Geschichten erzählen

Janine Allenspach und Daniela Baumann sind schon lange ein «Paar». Ihren Flöte- und Piano-Interpretationen hauchen sie aber immer wieder frisches Leben ein.

Janine Allenspach und Daniela Baumann sind das Duo Flautastico. Bild: PD

Janine Allenspach und Daniela Baumann sind das Duo Flautastico. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie kennen sich seit Kindertagen und ihre Wege verlaufen bis heute parallel: Janine Allenspach aus Wiesendangen und Daniela Baumann aus Neftenbach sind das Duo Flautastico. Die beiden 23-Jährigen treten regelmässig in Winterthur und Umgebung auf und gastieren am Sonntag im Unterland – auf Einladung von Klassik Bülach, einer Initiative der Lesegesellschaft Bülach. Dort präsentieren sie Bekanntes und Unbekannteres aus der Flötenliteratur mit Klavierbegleitung. Die Undine Sonate von Carl Reinecke gehört zu den häufiger gehörten Stücken. Janine Allenspach verbindet damit die Erinnerung, bereits als Jugendliche gemeinsam mit Daniela Baumann im Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb eine Finalplatzierung errungen zu haben. «Die Geschichte von der Nixe ist spannend», sagt sie, «abstrahiert für die Flöte, kann man sie richtig mitfühlen». Das romantische Kunstmärchen von Friedrich de la Motte Fouqué beschreibt einen weiblichen Wassergeist, der den Ritter Huldebrand heiratet, um eine menschliche Seele zu erhalten.

Französische Schule versus deutsche

Die junge Flötistin hat aber noch mehr Storys auf Lager. Im «französischen Teil» des Abends präsentiert sie die berühmte Sonate für Flöte und Klavier von Francis Poulenc. «Poulenc hat beide Weltkriege erlebt. Man merkt, dass bei ihm nicht alles schön ist, sondern eher traurig. Er soll zwei Persönlichkeiten gehabt haben, was auch an seiner verdeckten Homosexualität gelegen haben kann.» In der Tat ist die Sonate ist leichtfüssiger als andere Kompositionen Poulencs, doch nicht ohne Ernsthaftigkeit. Mit dem eingängigen einleitenden Motiv soll der Franzose die Gäste des Hotels, wo er das Stück schrieb, pfeifend begrüsst haben, weiss Janine Allenspach. Aus der französischen Schule, die etwas behänder klingt als die klassische deutsche, ertönt zudem «Cantabile et Presto» von George Enescu. Solche Kompositionen wurden durch die neuen technischen Möglichkeiten der metallenen Böhm-Flöte angeregt.

Als weitere Beispiele aus der Neuzeit der Flöte werden Karg-Elerts Sinfonische Kanzone sowie Martins Ballade zu hören sein, auch dies ein ehemaliges Wettbewerbs-Gewinnerstück des Duos. Ein Rondo des Mozartsohns Franz Xaver setzt einen Kontrapunkt in diesem modernen, aber melodiösen Programm. «Unsere Eltern werden auch dieses Mal wieder dabei sein», sagt Janine Allenspach, «auch wenn sie die Stücke schon 1000 Mal gehört haben». In einer musikalischen Familie sei sie nicht wirklich aufgewachsen, immerhin gingen auch ihre beiden Geschwister an die Jugendmusikschule Winterthur, was ihr erste Ensembleerfahrungen verschaffte. Den Bachelor an ihrem Instrument hat sie – wie ihre Kollegin – an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen. Nun studieren beide im Master Pädagogik. Zudem hat es sich ergeben, dass jede von ihnen Schüler an der Musikschule Weinfelden unterrichtet.

Piccolo und andere Flöten

Als Extra erlaubt sich Janine Allenspach Piccolo-Unterricht bei der Tonhalle-Orchestermusikerin Haika Lübcke. «Die Piccolo-Flöte ist vom Ansatz her anders, alles ist viel kleiner, es ist noch mehr Millimeterarbeit.» Da müsse man immer neu finden, wo die Luft hindurch muss, lacht sie. Für ihr Bachelor-Projekt hatte sie sich bereits mit Alt-, Bass-, Piccolo-und C-Flöte vorgestellt. «Es ist ein guter Zusatz, vor allem, wenn man im Orchester spielt, gehört es zusammen.» Aber auch für die vielen Aktiven in den Blasmusikformationen der Region hat sie Respekt: «Für die Schüler ist es toll, zusammen mit anderen zu spielen.» Da helfe die gegenseitige Motivation, wenn der Nachbar das Stück schon könne, gehe man nach Hause, um weiter zu üben. «Das ist gerade für Kinder wichtig.»

Ansonsten hält sie ihr Instrument für etwas unterschätzt: «Ich weiss nicht, ob alle Leute die Flöte immer ernst nehmen», sagt sie. Sprüche über «das piepsige Instrument» sei sie gewohnt, dabei habe man so viele Klangfarben und könne viel damit machen. Die Motivation sei noch grösser, wenn die Finger funktionierten und man die verschiedenen Ausdrucksformen suchen könne. «Wir reden im Unterricht viel über Bilder, die man umsetzen möchte. Es gibt dunkle, helle, glitzerige Farben. Das ist die spannende Arbeit. Daran kann man sehr lang schaffen.» Deshalb seien sie und Daniela Baumann immer an einem anderen Punkt, wenn sie manche Stücke nach Jahren wieder aufnehmen und sich neu darüber austauschen. Das Konzert in Bülach bietet Gelegenheit dazu.

Duo Flautastico Sonntag, 17. November, 17 Uhr. Flügelsaal, Schützenmattstrasse 16, Bülach. Karten: Fr. 40/35 (erm.). www.duo-flautastico.ch/konzerte.

Erstellt: 11.11.2019, 15:15 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.