Unterstammheim

«Wir machen weiter»

Dschané haben sich nach dem Tod ihres Sängers Andrea Tsoro Panitz neu orientiert. Auf der Hirschenbühne lassen sie seine Roma-Lieder aufleben, präsentieren aber auch traditionelle Balkan-Musik und neue Kompositionen.

Dschané sind (v. l.): Ilsi Muna Ferrer, David Aebli, Igor Bogoev, Lucinka Novotná, Marc Bantelli und Kaspar Fries.

Dschané sind (v. l.): Ilsi Muna Ferrer, David Aebli, Igor Bogoev, Lucinka Novotná, Marc Bantelli und Kaspar Fries. Bild: Hilde Eberhard

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Caspar Fries, mit Ihrer Frau Ilsi Muna Ferrer betreiben Sie nicht nur den Sternenkeller in Rüti, Sie singen und spielen auch beide in der Folkgruppe Dschané. Was bedeutet Dschané?
Caspar Fries: Der Name ist aus zwei Wörtern in Romanes, «Dschanav», wissen, und «Dschav», gehen, abgeleitet und bedeutet: Gehen wir! Machen wir uns auf den Weg!

Wie muss man heutzutage mit dem Begriff Zigeuner umgehen?
Die Roma untereinander reden auch von Zigeunern, Tsigany oder Gipsy. Von aussen ist eher der Begriff Roma angesagt; wichtig ist, wie man mit ihnen umgeht. Romanes ist ihre gemeinsame Sprache, sie wird bereichert durch Wörter aus der Sprache des jeweiligen Landes in dem sie leben. Als Andrea Tsoro Panitz auf seinen Reisen einmal nach Indien kam, wunderte er sich, denn da stand «Tato pani» an den Hotels. Das heisst «heisses Wasser» auf Romanes. Aber so war es: Die Häuser hatten heisse Duschen! Viele Romanes-Wörter kommen aus dem Hindi, wo die Wurzeln der Roma liegen.

Ihr charismatischer Sänger und Gitarrist ist im September 2016 gestorben. Sie führen ihn aber
immer noch als Bandmitglied auf der Webseite.
Auf der Webseite ist er, weil er Dschané gegründet und geprägt hat. Wir mussten seinen Verlust lange verarbeiten und dachten erst, Dschané sei mit ihm auch gestorben. Als aber wieder Anfragen kamen, mussten wir uns eingestehen, dass uns die Lieder der Roma am Herzen liegen und wir gerne zusammen musizieren, also probten wir wieder. Ein wunderbarer Musiker, David Aebli an Saiteninstrumenten, ist dafür zu uns zurückgekehrt. Igor Bogoev aus Mazedonien belebt mit seiner energiegeladenen Perkussion die Rhythmen. Im Vordergrund stehen die Stimmen von Ilsi Muna Ferrer und Lucinka Novotná. Neu übernimmt der Multiinstrumentalist Marc Bantelli einen Gesangspart.

Was hat sich verändert?
In unser neues Programm haben wir die Lieblingslieder aus bald 20 Jahren Dschané aufgenommen. Traditionelle Roma-Lieder aus Ungarn, Tschechien, Mazedonien, auch Swing Manouche und weiterhin Kompositionen von Andrea Tsoro Panitz und von Dschané. Unser erstes Konzert spielten wir an der Lenzburgiade. Es wurde ein toller Erfolg mit Standing Ovations. Das hat uns ermutigt, weiterzumachen.

In der Hirschenbühne treffen Sie auf eine andere Atmosphäre. Die rund 70 Zuschauer geniessen ein Dinner bevor sie sich in den Saal begeben. Traditionell haben Adlige auch Fahrende geholt, um sich nach dem Essen unterhalten zu lassen; für ein paar Münzen und eine Flasche Wein für die Musiker.
Wir spielen für Zuhörer, die unsere Musik mögen; in diesem Fall für das Publikum, das die Hirschenbühne besucht. Das Ohrenschmausticket zu 60 Franken für Essen und Konzert spricht sicher nicht nur eine gutbetuchte Elite an. Wir haben auch schon Strassenmusik gemacht.

Sind Sie heute noch in Kontakt mit Fahrenden?
Wir haben mit einzelnen Musikern Kontakt, zum Beispiel beim Roma-Treffen, zuletzt im GZ Buchegg in Zürich. Da waren Konzerte, Workshops und Tanz. Es ging um die Integration der Roma, sie sind ein verstreutes Volk. Allein in Europa leben acht Millionen und 80 000 in der Schweiz. Man hört aber immer nur von einem ganz kleinen Teil der Roma in der Presse: von Skandalen, Prostitution, Kriminalität. Die meisten leben aber wie du und ich.

Wurden Sie von den Roma künstlerisch akzeptiert?
Wir kennen Musiker, mit denen wir gemeinsam spielen und die uns auch akzeptieren. Aber es gibt sicher einen Teil, der sagt: Was wollen die jetzt? Die nehmen uns unsere Musik weg. Wir finden eher, dass es eine wunderschöne Musik ist, die man weiter verbreiten soll und darf.

Dschané: Donnerstag, 14. Juni, 20 Uhr (Buffet ab 18.30 Uhr). Hirschenbühne Oberstammheim. www.hirschenbuehne.ch (Landbote)

Erstellt: 11.06.2018, 14:28 Uhr

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