Zierfische

Vertrauen ist gut, Kontrolle oft nur begrenzt möglich

Ob Zierfisch-Halter und -Verkäufer sich an die Gesetze halten, ist schwierig zur überprüfen.

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Davide Rizzo ist wütend: «Vielen geht es nur ums Geld und nicht um die Tiere. Das stört mich extrem», sagt der Inhaber von Sea Planet in Seuzach. Er sieht grosse Mängel im Verkauf von Zierfischen.

In der Schweiz dürfen lebende Tiere etwa nicht per Paket versandt werden. Über Online-Bestellungen würden so aber trotzdem Tausende ins Land geschickt, sagt Rizzo: «Oft kommen sie tot hier an.» Auch Schweizer Händler foutierten sich teilweise um das Verbot, ist er überzeugt.

Mona Neidhart vom Zürcher Veterinäramt antwortet auf Anfrage: «Bei Kontrollen im Zoofachhandel kann nur erfragt, nicht aber überprüft werden, wie Transporte ausgeführt werden.» Der Jahresbericht des Veterinäramts Zürich zeigt, dass vor allem Verstösse von «Dritten» geahndet wurden. Fälle also, in denen nicht die jeweiligen Fischhalterinnen selbst beschuldigt wurden, sondern Drittpersonen wie beispielsweise Händler. 2017 kam es im Kanton zu 23 Verurteilungen, 2018 waren es 27.

«Zahlreiche Mängel»

«Die meisten Transporte finden via Flugverkehr statt. In diesem Bereich gibt es zahlreiche Mängel», schreibt Mona Neidhart vom Veterinäramt. Dafür sei jedoch der grenztierärztliche Dienst zuständig. In dessen Bericht heisst es, dass 2017 an den Flughäfen Genf und Zürich von 1520 kontrollierten gewerblichen Sendungen mit lebenden Tieren, die für die Schweiz oder die EU bestimmt waren, 804 Fische enthielten.

Oft würden Zucht- und Ziertiere gemischt. Von den insgesamt 778 Sendungen mit lebenden Tieren die für die Schweiz bestimmt waren, wurden 33 beanstandet und 10 zurückgewiesen oder vernichtet.

«Die meisten Leute informieren sich heute im Internet, da kommt es ganz auf die Quelle an.»

Hans Gonella, Vorstandsmitglied des Vereins Aquarium Zürich macht Schätzungen, auf welche sich auch der Verein Fair-Fish bezieht (siehe Interview) bezieht: «Wir gehen davon aus, dass jedes Jahr ungefähr so viele Fische in die Schweiz geliefert werden, wie das Land Einwohner hat.» Vor zehn Jahren sei man deshalb von rund sechs Millionen Zierfischen ausgegangen.

Deutsche Grossisten hätten ihre Zahlen damals publiziert und der Verein habe sie auf die Schweiz runtergerechnet. «Wir können nicht mit Sicherheit sagen, was mit den Fischen passiert, aber wir gehen davon aus, dass ein Grossteil stirbt.» Da Zierfische zwischen zwei und zehn Jahren alt würden, sei das die naheliegendste Vermutung, wenn man die Liefermenge anschaue.

Im Moment seien es wohl zwischen vier und sechs Millionen Fische, die im Jahr geliefert werden, sagt Gonella. Der Aquarium-Trend habe in der Schweiz etwas abgenommen. Die vermutete Sterberate lastet er aber nicht nur an den Händlern an: «Oft genug stirbt neuen Haltern der erste Satz Fische weg.» Der Hauptgrund sei, dass oft zu viele Arten auf zu kleinem Raum gehalten würden.

«Zur Nachfrage verpflichtet»

Händler sind verpflichtet, abzuklären, ob ein Halter oder eine Halterin den Tieren eine geeignete Umgebung bieten kann. «Seriöse Händler stellen Fragen, bevor sie Fische verkaufen», sagt Davide Rizzo. Man diskutiere Aquariengrösse, Unverträglichkeiten und welche Fische welche Korallen frässen. Im Grundsatz gelte «weniger ist mehr». «Habe ich kein gutes Gefühl, verkaufe ich kein Tier», sagt Rizzo.

Roland Haller, Präsident des Aquarienvereins Winterthur, sagt hingegen, man müsse aufpassen mit pauschalen Aussagen betreffend Halterinnen und Haltern: «Die meisten Leute informieren sich heute im Internet, da kommt es ganz auf die Quelle an.» Die Winterthurer Vereinsmitglieder seien, was das Wissen anbelange, aber auf Vordermann. Einen grossen Teil der Zierfisch-Nachfrage deckten die Schweizer Züchter zudem selbst.

Rolf Boffa vom grössten Schweizer Händler Qualipet, sagt: «Fische haben sehr unterschiedliche Lebensalter, die im Aquarium bei guter Haltung sogar jene in der Natur klar übertreffen.» Allerdings sei es immer die Entscheidung des Kunden, mit den Leuten an der Verkaufsfront ehrlich zu sein, und deren Rat zu befolgen. Sei jemand beratungsresistent und probiere es im nächsten Geschäft einfach wieder, nütze auch die gesetzlich vorgeschriebene Informationspflicht nichts.

Erstellt: 19.09.2019, 15:34 Uhr

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