Heraldik

«Wappen können modernisiert werden»

Hans Rüegg ist im Stiftungsrat von «Schweizer Wappen und Fahnen». Der Bürger von Hofstetten spricht über Brände im Mittelalter und Gefahren bei Fusionen.

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Weshalb gibt es Wappen?

Hans Rüegg: Um Freund und Feind voneinander unterscheiden zu können. Als die Ritter in ihren Rüstungen im 12. Jahrhundert nicht mehr erkennbar waren, begannen sie, sich durch Wappen zu kennzeichnen, die sie auf ihren Schildern trugen. Davon stammt die Redewendung «Etwas im Schilde führen», und die Wappen sind heute noch in ihrer ursprünglichen Schildform erhalten.

Wie kamen die Städte zu ihren prägnanten Symbolen?

Die Siegelstempel waren die Unterschriften des Mittelalters, so konnten Geschäfte beglaubigt werden. Als die Städte das Stadtrecht erhielten, das etwa das Marktrecht oder das Recht zum Ausüben von Handwerken beinhaltete, mussten also auch sie prägnante Symbole für ihre Siegel verwenden. Ein Wappen bot sich da natürlich an.

Im Mittelalter besassen die Dörfer kein Stadtrecht. Wieso haben die Gemeinden heute alle trotzdem ein Wappen?

Die Dörfer hatten andere Probleme: Brände. Brannte es in der ­Gegend lichterloh, kamen die um­liegenden Ortschaften mit ihren Wasserkübeln zusammen und ­bildeten eine Wasserkette. Um am Schluss die Eimer wieder den ursprünglichen Besitzern zurückgeben zu können, brachten die Dörfer ihr Zeichen auf den Utensilien an. Das konnte ein Stern, eine Schnecke oder ein Hirsch sein. Aus diesen Dorfzeichen sind die Gemeindewappen entstanden.

Was verraten Wappen alles?

Im Laufe der Zeit habe ich 3441 Wappen nach ihren Motiven ausgewertet. In einem Drittel davon zeigt sich ein Bezug zu einer einstigen Herrschaft, sei es kirchlicher oder weltlicher Natur. Etwa eine Grafschaft oder ein Kloster. Ein knappes Viertel der Wappen übernahm Adels- oder Familienwappen. Jedes fünfte Wappen ist ein sogenannt redendes Wappen, wie etwa Hagenbuch, auf dem ein Hag vor einer Buche zu sehen ist. Immerhin noch jedes sechste Wappen weist Bezüge zur Spiritualität oder zur Natur auf. 13 Prozent der untersuchten Wappen kann ich nicht erklären.

Sind Wappen unveränderbar?

Nein, Wappen können modernisiert werden. Zuletzt geschah dies im Kanton Zürich während der 1960er-Jahre. Die künstlerische Freiheit der Heraldiker führte aller­dings bei den Gemeinden zu Diskussionen. Der «Tages-An­zeiger» schrieb im Mai 1970 etwa, dass eine Gemeinde ihren Wappenvogel lieber «stolz» als «kämpfend» dargestellt haben möchte. In der Heraldik, der Wappenkunde, sind dies allerdings keine Kriterien. Wenn ein Wappen gegen heraldische Regeln verstösst, ­sollte es bereinigt werden. Leider sträuben sich die Einwohner oft gegen eine solche Änderung.

In den letzten Jahrzehnten gab es neue Wappen aufgrund von Fusionen. Ihr Ratschlag?

Die beste Lösung ist die Über­nahme des Wappens und Namens der grössten Gemeinde. Doppel­namen würde ich eher vermeiden, Wildhaus-Alt St. Johann wirkt ­abschreckend und impliziert die Verschmelzung der beiden bisherigen Wappen, was in den meisten Fällen zu schlechten Ergebnissen führt. Wenn ein völlig neues Wappen geschaffen werden soll, sollte jeglicher Bezug zu den bisherigen vermieden werden.

Erstellt: 23.06.2017, 09:29 Uhr

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