Wildtiere

Warnhinweis für gefährliche Zäune

Weidezaunnetze können für Wildtiere zu tödlichen Fallen werden. Jetzt kündigt die Landi an, auf die Gefährlichkeit der netzartigen Zäune in Zukunft hinweisen zu wollen.

Schlechtes Beispiel: Dieses Weidezaunnetz ist kaum gespannt und damit eine Gefahr für Wildtiere.

Schlechtes Beispiel: Dieses Weidezaunnetz ist kaum gespannt und damit eine Gefahr für Wildtiere. Bild: Marc Dahinden

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Die Argumentation der kantonalen Baudirektion ist seit Jahren die gleiche: Wenn man die mobilen Weidenetze sachgemäss und zeitlich begrenzt aufstelle, dann entstünden kaum Schwierigkeiten. Tatsache ist aber, dass die Probleme mit derartigen Zäunen zunehmen. Zwischen April 2015 und Januar 2016 sind im Kanton Zürich schätzungsweise zehn Wildtiere in den netzartigen Weidezäunen qualvoll verendet – das sind aber bloss die bekannten, weil gemeldeten Fälle. Die problematischen Zäune bestehen aus Schnüren, die zu einem Netz geknotet sind. Bleibt zum Beispiel ein Reh mit einem Bein darin hängen, gerät es in Panik und verheddert sich. «Dieses Zaunsystem wirkt wie ein Fangnetz», schreibt der Schweizer Tierschutz. Ein sich im Netz verfangenes Tier habe keine Chance mehr, sich selber zu befreien.

Bald ein Fall fürs Obergericht

Und auch die Justiz hat sich schon mit den Weidenetzen beschäftigen müssen. Die Staats­anwaltschaft Winterthur/Unterland bestrafte einen Schafhirten wegen vorsätzlicher Tierquälerei. Im Frühling 2017 hatte sich ein Rehbock im Bezirk Winterthur in einem nicht mehr benutzten Weidenetz so hoffnungslos verheddert, dass der Jagdaufseher das Tier erschiessen musste. Der Schafhalter akzeptierte den Strafbefehl gegen sich. Anders letzten August vor dem Bezirksgericht Andelfingen: Ein Weinländer hatte Himbeerpflanzen mit einem Weidenetz vor Wildfrass schützen wollen.

«Dieses Zaunsystem wirkt wie ein Fangnetz.»Schweizer Tierschutz

Eine Rehgeiss verfing sich im Netz und wurde daraufhin ebenfalls von einem Jäger erschossen. Das Gericht verurteilte den Mann wegen fahrlässiger Tierquälerei. Noch im Gerichtssaal legte dieser Berufung ein, sodass der Fall vor das Zürcher Obergericht kommen wird. Durchsucht man die Entscheide des Ober- und Bundesgerichts, so finden sich noch keine Urteile zu derartigen Fällen. Auch dem Bezirksgericht Andelfingen ist auf Anfrage bislang kein solcher Fall bekannt, mit Ausnahme des erwähnten im Bezirk Winterthur.

Verkauf ohne Hinweis

Vor dem Andelfinger Bezirksgericht wies der Verurteilte darauf hin, dass der Handel damit werbe, dass man die Weidenetze auch zum Schutz von landwirtschaftlichen Kulturen verwenden könne. Solche mobilen Zäune sind eigentlich nur dafür gedacht, Nutztiere wie etwa Schafe vor­übergehend einzuzäunen. Dass aber auch für andere Verwendungszwecke geworben wird, das trifft tatsächlich zu. In der Landi beispielsweise heisst es auf der Verpackung der hauseigenen Marke Agraro: «Aber auch zum Schutz von Kulturen u. ä.».

Für die Zweckentfremdung des Netzes gegen Wildschäden wird sogar geworben. Bild: Markus Brupbacher

«Bis jetzt erhielten wir noch keine Informationen darüber, dass sich Tiere in solchen Netzen verhedderten und daran starben», schreibt eine Landi-Mediensprecherin auf Anfrage. Aber offensichtlich ist der Landi die Problematik trotzdem bekannt: «Zurzeit sind wir daran, in Absprache mit dem Schweizer Tierschutz einen entsprechenden Warnhinweis auf das Produkte-Merkblatt der Weidezäune zu platzieren.» Sobald dieses Blatt von beiden Seiten abgesegnet sei, werde es dem Artikel beigelegt.

Verbot in Waltalingen

Eine Pionierrolle nimmt die Stammertaler Gemeinde Waltalingen ein. Dort ist die Zweckentfremdung von Weidenetzen zum Schutz vor Wildschäden seit 2016 verboten. Das Verbot in der neuen Polizeiverordnung geht auf eine Initiative der Jagdgesellschaft Guntalingen zurück, die von der Gemeindeversammlung im Januar 2016 bei nur einer Gegenstimme gutgeheissen wurde. Nur: Waltalingen gehört ab dem 1. Januar zur neuen, fusionierten Gemeinde Stammheim. Laut Auskunft des künftigen Gemeindeschreibers wird es dann Sache des neuen Gemeinderates sein, eine neue Polizeiverordnung zu erarbeiten. Dann wird sich zeigen, ob das Waltalinger Verbot eine Mehrheit im ganzen Tal findet. Bis dahin gelten die bisherigen Polizeiverordnungen in den einzelnen Gemeindeteilen.

«Bis jetzt erhielten wir noch keine Informationen darüber, dass sich Tiere in solchen Netzen verhedderten und daran starben.»Mediensprecherin Landi

Überall sonst ist es zwar nach wie vor nicht verboten, solche Weidezaunnetze auch gegen Wildschäden aufzustellen. Wer es aber tut, der sollte eine ganze Reihe von Dingen beachten. Das Netz sollte nur für kleine Flächen und zeitlich begrenzt verwendet, gut gespannt, mit blauen Warnbändern markiert und täglich kontrolliert werden. Das Netz soll zudem nicht entlang von Waldrändern, Gewässern oder in der Nähe von häufigen Wildwechseln oder Verkehrswegen aufgestellt werden. Um das Netz besser spannen zu können, sind zusätzliche Pfähle hilfreich – die dünnen Stäbe reichen dafür kaum.

Erstellt: 15.10.2018, 16:07 Uhr

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