Neftenbach

Was man mit Hanf alles machen kann

Das Flachs- und Weinbaumuseum kultiviert den Hanfanbau wie zu alten Zeiten. Eine Ausstellung erklärt nun Interessierten wie es geht. Dabei wird nichts ausgelassen.

In der Hanfausstellung befindet sich auch ein informativer

In der Hanfausstellung befindet sich auch ein informativer "Couchtisch". Bild: Johanna Bossart

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Die erste eigene Ernte aus Neftenbach ist schon getrocknet. Zart durftend liegen die zusammengeschrumpften Blätter zur Anschauung in einem Glas. Auf dem TV-Tisch daneben warten die fertig gerollten Joints., daneben ein Hanfbier. Auf Couchkissen kann man es sich im Flachs- und Weinbaumuseum Neftenbach bequem machen und — ein Informationsfilmchen über den Nutzen von Hanf reinziehen. Selten ist einem traditionellen Ortsmuseum so eine einladende und gleichzeitig lehrreiche Ausstellungseröffnung gelungen.

Für die Neugestaltung des Parterres der einstigen Weintrotte zeichnet der Leiter der neunköpfigen Museumskommission, Nilo Schollenberger, verantwortlich. Vor knapp zwei Jahren wurde er vom Gemeinderat ins Amt berufen und hat das Haus seitdem «umgebaut» — man darf auch sagen, aufgeräumt. Damit hat er den von seinem Vorgänger Riccardo Steiner eingeschlagenen Weg, die Sammlung thematisch zuzuspitzen, weiter verfolgt.

«Hanf sollte nach den Eisheiligen ausgesät werden.»Maja Gebendinger, 
Museumskommission 
Neftenbach

Das Ortsmuseum hat sich nicht gescheut, überzählige Exponate an die Stadttrotte von Winterthur abzugeben, wo sie besser präsentiert werden können. «Inzwischen haben wir kaum mehr Potenzial in den Räumen», sagt Schollenberger mit Blick auf den rund vierhundertjährigen Keller (Weinbau), das Erdgeschoss (Hanf) und den Dachstock (Flachs). «Im ersten Stock, wo unser Museumscafé ist, hängt zur ‘Dorfet’ noch eine Patchwork-Sonderausstellung der ’Neftiquilter’.» Das Dorffest unter dem Motto «Retro» findet in diesem Jahr vom 26. — 28. Mai statt.

Freiwillige in Naturkleidung

Dem Museumsteam ist nun hervorragend gelungen, die einstige Bedeutung des Flachs- und Hanfanbaus in der Region zu dokumentieren. Und zwar nicht nur anhand alter Geräte wie Rätschen, Brechbock, Spinnrad und Webstuhl; Maja Gebendinger hat als Mitglied der Museumskommission eine Fotoserie koordiniert, die die Freiwilligengruppe beim Ernte- und Verarbeitungseinsatz in historischer Kleidung zeigt.

Das zeitgenössische Outfit waren natürlich Hemden, Kittel und Hosen aus Leinen, Flachs oder Hanf. Archäologische Funde belegen Hanfkleider bereits um 1000 vor Christus. Überraschend ist auch, dass die ersten Jeans von Levi Strauss 1873 aus Hanf gearbeitet waren. Es ist wärmer und reissfester als Baumwolle.

Steuern mit Hanf bezahlt

Extrem robuste Hanfsehnen dürften von Jägern um 5000 vor Christus an den Bogen gespannt worden sein. Später wurden aus dem wasserabweisenden Hanf 80 Prozent aller Seile und Taue gemacht — und das waren viele, als die grossen Seemächte die Weltmeere bereisten. Kein Wunder, dass man unter Karl dem Grossen seine Steuern auch in Form von Hanfsamen bezahlen konnte!

Die eng mit dem Hopfen verwandte Hanfpflanze wächst in 100 Tagen bis auf vier Meter Höhe. «Nach den Eisheiligen sollte ausgesät werden», erklärt Maja Gebendinger. Nach 100 Tagen wurden die Hanfstengel auch in Neftenbach geerntet und in einer Rottgrube, einem Weiher, zehn Tage lang gewässert, damit sich die Fasern lösen. Dann muss der Hanf geröstet werden, eine Arbeit, die in der Regel die Männer übernehmen, während die Frauen die Stengel durch Hechel ziehen, um die beige Faser spinnbereit zu machen.

All das können private Besucher und Schulklassen in Neftenbach nachvollziehen. Anders geartete Interessenten können sich den Weg sparen. «Unser Fedora-Hanf hat weniger als ein Prozent THC-Gehalt», betont Maja Gebendinger.

Sonderausstellung Hanf Sonntag, 21. Mai, 14 bis 17 Uhr, sowie jeden 1. Sonntag im Monat. Flachs- und Weinbaumuseum, Huebstr. 1, Neftenbach. Eintritt frei. www.museum-neftenbach.ch (Der Landbote)

Erstellt: 05.05.2017, 17:51 Uhr

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