Seuzach

Alterszentrum wehrt Hackerattacke ab

Ein Hackerangriff legt derzeit die Informatik des Alterszentrums im Geeren lahm. Dank der schnellen Reaktion von Mitarbeitenden konnte Schlimmeres verhindert werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind laut Geschäftsführer Urs Müller nicht betroffen.

Elvira Danuser und Urs Müller am Empfang des Alterszentrums, wo es derzeit trotz des Versprechens kein WLAN gibt. Foto: Madeleine Schoder

Elvira Danuser und Urs Müller am Empfang des Alterszentrums, wo es derzeit trotz des Versprechens kein WLAN gibt. Foto: Madeleine Schoder

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1500 Blatt Papier hat Bea Josting am Dienstagabend ausgedruckt. Die grosse Papierflut hat sie produziert, weil das Alterszentrum im Geeren (Azig) momentan ohne Computer auskommen muss. Ein Virus hat das Informatiksystem lahmgelegt. Die Daten der Bewohnerinnen und Bewohner mussten gesichert werden. Bea Josting hat das Haus an diesem Tag erst um 22 Uhr verlassen. Dafür waren die Datenblätter, Medikamentenlisten und Pflegepläne in Sicherheit.

Was war geschehen? Als Elvira Danuser vom Empfang des Azig Anfang der Woche ihren PC aufstarten wollte, klappte dies nicht richtig. «Es poppte etwas Komisches auf», erinnert sie sich. Sie fotografierte die Nachricht und informierte unverzüglich den Technischen Leiter im Haus. Roland Bucher (36) reagierte sofort. Er stoppte den Server, zog alle Stecker und bot die Spezialisten der Firma Vitodata in Oberohringen auf, die das Informatiksystem im Azig betreut.

Erpresservirus Emotet

Laut Geschäftsleiter Urs Müller wurde das Azig von einer Schadensoftware namens Emotet heimgesucht. «Wir konnten es aber dank der schnellen Reaktion von unseren beiden Mitarbeitenden abfangen, bevor es unsere Daten verschlüsseln konnte», sagt er. «Hätten wir nicht sofort reagiert, wäre damit zu rechnen gewesen, dass wir erpresst werden.» Das Virus sei vermutlich via einem Bewerbungsmail und seinem Anhang ins Informatiksystem gelangt.

«Unser Betrieb ist durch den Zusammenbruch der Informatik überhaupt nicht gefährdet.»Urs Müller Geschäftsführer Alterszentrum im Geeren

Auf solche Notfälle sei man im Azig natürlich vorbereitet, sagt Müller. «Wir können bei Bedarf sofort auf die Arbeit mit Papier umstellen, was jetzt auch getan wurde.» Die Pflege im Azig sei in keiner Weise vom Zusammenbruch der Informatik betroffen. «Unser Betrieb ist dadurch überhaupt nicht gefährdet.»

Die IT-Spezialisten von Vitodata haben in den letzten Tagen alle Daten gesichert und arbeiten laut Müller derzeit auf Hochtouren daran, den Schaden zu analysieren. «Dazu führen sie Tests auf den verschiedenen Servern des Alterszentrums durch.» Es gehe darum, von jedem Bestandteil zu wissen, ob er betroffen sei. «Was nicht befallen ist, wird systematisch wieder in Betrieb genommen.»

Müller rechnet damit, dass ab Freitag alle Daten wieder zugänglich sein werden. Wegen allfälliger Kosten macht ihm der Hackerangriff keine Sorgen. «Wir sind dagegen versichert.» Mühsam sei aber, dass alle Daten, die sich während des voraussichtlich einwöchigen Systemausfalls ansammeln würden, elektronisch nachgetragen werden müssten.

Neue Server geplant

Die Delegiertenversammlung, die am gleichen Abend tagte, als die Daten gesichert wurden, erhielt die Informationen über den Hackerangriff vom Präsidenten der Delegiertenversammlung, Jürg Allenspach, aus erster Hand. Die Powerpoint-Präsentation wurde dank Geschäftsleitungs-Assistentin Andrea Fatzer trotz des WLAN-Ausfalles über private Kanäle ermöglicht. Die 18 anwesenden Delegierten aus den Zweckverbandsgemeinden haben alle Traktanden einstimmig genehmigt (siehe Box).

Als erstes Geschäft hatten sie das Budget 2020 zu verabschieden, das bei einem Gesamtaufwand von rund 16 Millionen Franken ein Defizit von 684100 Franken vorsieht. Ohne die Restabschreibung auf den Erweiterungsbauten würde gar ein kleines Plus resultieren, wie Marcel Knecht von der Betriebskommission sagte. Die Einsicht, dass nächstes Jahr unter anderem für 150000 Franken neue Server und für nochmals gleichviel Geld eine neue Telefonanlage angeschafft werden sollen, leuchtete wohl noch selten so ein, wie an diesem Abend.

Erstellt: 20.11.2019, 18:01 Uhr

Und dann waren es nur noch elf

Die Delegiertenversammlung verabschiedete am Dienstag unter anderem neue Statuten, über welche die Zweckverbandsgemeinden am 17. Mai 2020 abstimmen werden. Die Überarbeitung ist nötig, weil Ellikon an der Thur per Ende dieses Jahres aus dem Zweckverband austritt und wegen dem neuen Gemeindegesetz, das seit 2018 in Kraft ist.

Inhaltlich beschränken sich die Änderungen darauf, dass der Zweckverband künftig nur noch aus elf Gemeinden besteht, dass die Amtsdauer von Betriebskommission und Rechnungsprüfungskommission neu am 1. Januar nach dem Wahljahr beginnen und am 31. Dezember nach dem vierten Amtsjahr enden soll. Bis anhin fiel sie mit derjenigen der Gemeindebehörden zusammen.

Weiter soll die Zusammensetzung der Betriebskommission dahingehend geändert werden, dass nicht mehr zwingend vier Vertreter einer Gemeindebehörde angehören müssen, sondern dass sie sich selbst konstituieren kann – mit Ausnahme des Präsidenten. Angenommen wurden auch die neuen Taxen bei der Betreuung, die sich neu aus Grundtaxe und einem Zuschlag für reduzierte Kognition zusammensetzen.

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