Gachnang

Am Anfang zu grob und zu tief geschätzt

Der Kredit für ein neues Schulareal in Islikon ist von 17 auf 26 Millionen Franken angewachsen. An einer Infoveranstaltung fragten die Stimmbürger deshalb ganz genau nach.

Eine neue Doppelturnhalle (links) und ein neues Schulgebäude (rechts) sollen das bestehende Schulhaus (Mitte) in Islikon ergänzen. Dazu kommt ein neuer Doppelkindergarten.

Eine neue Doppelturnhalle (links) und ein neues Schulgebäude (rechts) sollen das bestehende Schulhaus (Mitte) in Islikon ergänzen. Dazu kommt ein neuer Doppelkindergarten. Bild: pd

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Rund 26 Millionen Franken will die Primarschulpflege Gachnang in ein neues Schulhausareal in Islikon investieren. Am 24. Februar muss die Schulgemeindeversammlung darüber befinden, ob sie ein neues Schulhaus mit acht Klassenzimmern, einen Doppelkindergarten und eine Doppelturnhalle will.

Rund 100 Personen fanden sich am Donnerstagabend in Gachnang zu einer Informationsveranstaltung ein. Bereits im Vorfeld hatten Stimmbürger Fragen eingereicht und das Projekt als «nicht verhältnismässig und zu teuer» für die Gemeinde bezeichnet.

«Wie kommt es, dass sich die Kosten um über 50 % erhöht haben?»Die Gachnanger fordern Antworten

Schulpräsident Sven Bürgi präsentierte zuerst die Gründe für das Projekt: Das bestehende Schulhaus sei zu klein, es fehlten Gruppenräume und die Schülerzahlen würden weiter steigen. Der Schulhausanbau ist energetisch schlecht, die Lehrerin müsse im Winter jeweils in der Jacke unterrichten. Die Turnhalle stosse an die Grenzen ihrer Kapazität und sei nach Wasserschäden in einem schlechten Zustand. «Dass Handlungsbedarf besteht, da sind wir uns, glaube ich, alle einig», schloss Bürgi.

«Nicht nachvollziehbar»

Architektin Jasmin Zarali von Jessenvollenweider präsentierte ausführlich das Bauprojekt und Bauleiter Urs Laib zeigte die zeitliche Planung auf: Bis im Sommer 2020 will man die neuen Gebäude fertig gebaut und bis im Frühling 2021 alle alten Gebäude abgebrochen haben. Danach stellten sich die drei auf der Bühne den Fragen aus dem Publikum.

Wie es komme, dass im Mai 2015 noch mit 17 Millionen Franken gerechnet wurde und sich nun die Kosten um über 50 Prozent erhöht hätten? Damals habe man lediglich eine Grobkostenschätzung gemacht, antwortete Laib. Es habe sich noch nicht um ein spezifisches Projekt gehandelt und gerne vergesse man bei solchen Schätzungen Nebenräume wie Schutz- oder Technikräume.

«Ich finde auch nicht alles nachvollziehbar», sagte Laib, der damals noch nicht in das Projekt involviert war. Im Januar 2016 rechnete man bereits mit 23,5 Millionen Franken, allerdings hätten dort auch noch die Kosten für Umgebungs- und Abbrucharbeiten gefehlt. Seit Dezember 2017 liege nun ein genauer Kostenvoranschlag über 26,15 Millionen Franken vor.

Mehr budgetiert als gebraucht

Diese Zahl sei als «worst case scenario» betitelt worden, was denn passiere, wenn sie überschritten werde, lautete eine weitere Frage. «Wir haben einen sehr erfahrenen Bauleiter. Wenn eine Kreditüberschreitung droht, würden sofort Gegenmassnahmen geprüft», versicherte Bürgi. Jemand wollte wissen, wieso die Schule eine Doppelhalle bauen wolle, eine einfache Turnhalle reiche doch für die jetzigen Klassen aus.

Mit steigenden Schülerzahlen sei die Einfachhalle zu klein, antwortete Bürgi. «Ausserdem wäre es fahrlässig, die Bedürfnisse von Vereinen und der Bevölkerung nicht zu berücksichtigen.» Schon heute müssten viele auf Nachbardörfer ausweichen.

«Bevor man die Steuern also erhöht, sollte man sehr genau prüfen, wo gespart werden kann.»

Obwohl das Publikum kritisch und genau fragte, blieb die Stimmung den Abend hindurch ruhig bis auf eine Ausnahme. Nachdem Bürgi erklärt hatte, dass die Schulgemeinde auch mit dem Grossprojekt keine Steuererhöhung in den nächsten Jahren benötige, meldete sich eine Anwesende, um ihren Ärger zu platzieren. Das sei nur möglich, weil die Gemeinde über die letzten Jahre 9 Millionen Franken an Steuern zu viel eingezogen habe.

«Bevor man die Steuern also erhöht, sollte man sehr genau prüfen, wo gespart werden kann.» Bürgi antwortete, dass man dadurch auch weniger Zinsen zahlen müsse und man dürfe auf keinen Fall an der Schulqualität sparen. «Du drehst mir die Worte im Mund um», entgegnete die Anwesende.

Es könne doch nicht sein, dass mehrere Jahre hintereinander so viel Geld zu viel budgetiert werde. «Ich gebe dir recht», sagte Bürgi. Man budgetiere halt lieber vorsichtig und spare dann unter dem Jahr. So habe die Schule beispielsweise 20 Computer im Ausverkauf am Black Friday gekauft.

Grosskredit nicht an Urne

Dass die Gemeindeversammlung über einen so hohen Kredit entscheidet, hat laut Bürgi mit der Gemeindeordnung zu tun: «Wir dürfen gar keine Urnenabstimmung machen.» Das ginge nur, wenn jemand an der Versammlung selbst einen Antrag stellen würde.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.02.2018, 17:56 Uhr

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