Illnau-Effretikon

Ansturm auf das Innenleben der Linde

Seit gestern verkauft Wirt Willy Rüegg das gesamte Inventar seines Restaurants in Kyburg. Schon nach wenigen Minuten gingen die besten Stücke über den Ladentisch.

Die Liquidation der Linde lockt viele Schnäppchenjäger an.
Video: neh

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Über 10000 Gegenstände, davon 1000 Flaschen Wein, 30 massive Bistrostühle aus Buchenholz und etwa ebenso viele Tische mit Gusseisenfüssen und Kirschholzplatten: Sie waren besonders begehrt gestern in der Linde im Dörfchen Kyburg.

Das Restaurant ist seit Oktober 2016 zum Verkauf ausgeschrieben, doch bisher liess sich kein Käufer finden, der die Gaststätte weiterbetreiben wollte (siehe Kasten).

«Es macht keinen Sinn, all diese Gegenstände einfach herumstehen zu lassen»

Inhaber und Wirt Willy Rüegg musste den Betrieb vor knapp einem halben Jahr aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Der gelernte Koch hatte ihn fast 40 Jahre lang geführt. Und nun will er das gesamte Inventar verkaufen. «Es macht keinen Sinn, all diese Gegenstände einfach herumstehen zu lassen», sagt er.

Ein Liquidator kümmert sich um den Verkauf, der noch bis Samstag um 15 Uhr andauert. Die Auswahl ist riesig.

Abgesehen von Einrichtungsgegenständen, Küchenutensilien, einem Wickeltisch, Kindersitzen und Gemälden finden Interessierte auch Liebhaberstücke wie etwa ein Wirtshausschild aus Metall oder eine alte Stempeluhr. «Es ist qualitativ sehr gute Ware», verspricht Liquidator Jürg Hoss.

Lange Schlange bildet sich vor dem Restaurant

Noch bevor die Tür der Gaststätte gestern um 9 Uhr erstmals seit Monaten wieder aufging, hatte sich auf der Dorfstrasse eine lange Schlange gebildet. Ein Sicherheitsmann stand am Eingang, ein anderer regelte den Verkehr.

Viele mussten die rund zehn Minuten Fussmarsch auf sich nehmen, weil sie ausserhalb des Dorfes parkieren mussten. Der Parkplatz der Linde war schon vor 9 Uhr voll besetzt.

Acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halfen mit, die Gegenstände zu verkaufen. Es dauerte keine zehn Minuten, bis die ersten «Verkauft»-Schilder an Geschirr, Salz- und Pfefferstreuern oder Weinflaschen prangten. Und um kurz vor 10 Uhr bildete sich vor der Kasse erneut eine Schlange.

Die Leute kamen teilweise von weit her. Etwa Rolf Marty, der das Restaurant des Golfclubs Ybrig in Studen SZ führt. Er hat sich einige sehr gute Flaschen Wein sowie Grappa gesichert. «Die sind aber für mich selbst», sagte er fast entschuldigend.

Dort, wo die Gäste früher dinierten, standen Gläser und Teller zum Verkauf.

Gemeinderätin unterden Käufern

Auch die ehemalige Kyburger Gemeinderätin Ursula Wettstein, die heute für die FDP im Illnau-Effretiker Parlament sitzt, hat sich die Zeit genommen, um nach Gläsern Ausschau zu halten.

Es schwinge auch etwas Wehmut mit, sagt sie. «Wir haben hier das Taufessen unserer Kinder gefeiert.» Am Ende ist sie fündig geworden. In ihren Händen trägt sie aber keine Gläser, sondern ein Bild des Dorfes Kyburg, auf dem das Elternhaus ihres Ehemannes zu sehen ist.

Zwei Mitglieder des Bocciaclubs Effretikon haben zwei grosse Kochtöpfe gekauft und suchen noch nach Messern. «Damit unsere Küche wieder ausgerüstet ist», sagt Paolo de Paulis. Nach diversen Küchenutensilien hielt auch der Stadtzürcher Rolf Schmid Ausschau.

Dafür ist er extra nach Kyburg gefahren. «Ich kann mir die Arbeitszeit frei einteilen», antwortete er auf die Frage, ob er sich für die Liquidation frei genommen habe. Und er koche halt gerne.

«Wir hoffen natürlich, dass bis Samstag alles weg ist», sagt Liquidator Jürg Hoss. Und wenn nicht, könne man mit ihm auch um Preise feilschen, wenn man bereit sei, den Rest oder einen grossen Teil davon mitzunehmen. Wenn dann immer noch Ware übrig sei, «gibt es gemeinnützige Einrichtungen oder beispielsweise Pfadiheime, die sicher froh um ein schönes Geschenk sind».

Erstellt: 11.04.2019, 20:42 Uhr

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Ein Mehrfamilienhausmit fünf Wohnungen

Zum Restaurant zur Linde in Kyburg gehören zusätzlich zwei Wohnungen, vier Personalzimmer, 20 Parkplätze sowie ein Stück Bauland, das sich hinter (östlich) der Gaststätte befindet.

Das Land hat Besitzer und ehemaliger Wirt Willy Rüegg bereits verkauft. Seit Ende Januar baut die Immobilienfirma Orgnet aus Weisslingen dort ein Mehrfamilienhaus mit fünf Eigentumswohnungen. Drei sind schon verkauft. Zwei 4½-Zimmer-Wohnungen sind noch auf dem Markt, für je knapp eine Million Franken. Im kommenden Januar werden die Wohnungen bezugsbereit sein.

Bevor die Bauarbeiten starten konnten, fanden während rund dreier Monate im vergangenen Herbst archäologische Grabungen statt, wie Roland Wettstein, Inhaber von Orgnet und Illnau-Effretiker Gemeinderat, auf Anfrage sagt.

Im 15. oder 16. Jahrhundert soll an der gleichen Stelle in der Kernzone schon einmal ein Haus gestanden haben. Gefunden wurden ein alter Keller, eine alte Feuerstelle, verschiedene Scherben sowie Werkzeuge.

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