Turbenthal

«Auch Hauswirtschaft gehört zur Spitex»

Erich Pfäffli, gerade als im Kantonalverband als Spitex-Präsident bestätigt, plädiert für Spitex-Zusammenschlüsse. Von einem Subventionsabbau rät er dringend ab.

«Wir müssen uns klar darüber werden, was es braucht, dass ein 
Patient zuhause leben kann»: Erich Pfäffli.

«Wir müssen uns klar darüber werden, was es braucht, dass ein Patient zuhause leben kann»: Erich Pfäffli.

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Eine hängige parlamentarische Initiative verlangt, dass die Haushaltshilfe der Spitex nicht mehr zwingend subventioniert werden soll. Was halten Sie davon?
Erich Pfäffli: Heute werden 50 Prozent der nichtpflegerischen und pflegerischen Leistungen subventioniert. Wir sind der Meinung, dass dies angesichts des Credos «ambulant vor stationär» eine gute Lösung ist. Was nützt dem Patienten die Pflege, wenn er beispielsweise nichts zu Essen besorgen kann? Wir müssen uns darüber klar werden, was dazu gehört, dass jemand nicht ins Krankenhaus oder Pflegeheim muss und dafür zuhause leben kann.

Wie reagiert der Spitexverband Zürich auf den Vorstoss, der von freisinnigen und grünliberalen Parlamentariern eingereicht wurde und mehr Freiraum in der Finanzierung spitalexterner Leistungen fordert?
Wir glauben, dass die Initiative in die falsche Richtung führt und bereiten momentan ein Argumentarium dagegen vor. Daraus geht hervor, dass wir natürlich auch der Meinung sind, dass die Spitex im nichtpflegerischen Bereich nur das leisten soll, was unbedingt notwendig ist. Wir bieten keinen Hotelbetrieb an.

Würde die geforderte Änderung des Gesundheitsgesetzes die Grundidee der Spitex bedrohen?
Nein, die ursprünglichen Spitex­idee wäre dadurch nicht gefährdet. Ein ambulantes Angebot aus einer Hand ohne hauswirtschaftliche und betreuerische Leistungen ist jedoch schwierig umzusetzen. Sollte die Subvention für nichtpflegerische Leistungen aufgehoben werden, besteht ausserdem die Gefahr, dass viele Patienten auf diese Leistungen verzichten müssen.

Wieviel kostet den Patienten eine Spitexstunde?
Hier müssen wir unterscheiden zwischen pflegerischer und nichtpflegerischer Leistung. Bei erster zahlt der Patient eine Gebühr von acht Franken pro Tag. Den Rest teilen sich Versicherer und öffentliche Hand. Die nichtpflegerische Leistung bestreiten Patient und öffentlicher Hand je zur Hälfte. Die Kosten für die öffentliche Hand sind von den Vollkosten der beauftragten Organisation abhängig. Im Mittleren Tösstal richten wir uns beispielsweise nach dem mittleren Wert aller kantonalen Spitexvereine.

Wieso empfehlen Sie Spitexvereinen, sich zu grösseren Einheiten zusammenzuschliessen?
Viele Spitexorganisationen sind als Vereine organisiert und haben eine Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde. Im Kanton Zürich sind das ausschliesslich Non-Profit-Organisationen, die laut Auftrag von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends während 365 Tagen im Jahr verfügbar sein müssen. Eine enorme Herausforderung. Im Gegensatz zu kommerziellen Spitexangeboten, von denen es je länger je mehr gibt, dürfen diese nichtgewinnorientierten Spitexvereine beispielsweise keine Patienten ablehnen. Sie müssen einen ständig zunehmenden Leistungsumfang bewältigen und sind dabei auf genügend grosse Personalkörper angewiesen. Das ist erst ab einer gewissen Grösse möglich.

Was ist die ideale Grösse für einen Spitex-Verein?
Das ist individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Einwohnerzahl und den geografischen Gegebenheiten. Es gibt Leute, die sagen, 15'000 Einwohner wären ideal. Aber ich finde es schwierig, eine Zahl zu nennen. Ein Spitexverein kann sich übrigens nicht nur mit anderen Spitexvereinen zusammenschliessen. Denkbar ist auch eine Fusion mit einem Pflegeheim.

Macht die Spitex heute alles selbst?
Es sind nicht mehr alle Organisationen in der Lage, das ganze Spektrum der spitalexternen Pflege abzudecken. Heute muss man vernetzt sein, sonst kann man den Auftrag mit den vielfältigen Aufgaben nicht erfüllen. Spitexvereine kaufen im Kanton Zürich zum Teil Leistungen in der Psychiatrie und Onkologie ein. Die Spitex Mittleres Tösstal, die ich präsidiere, arbeitet beispielsweise mit der Gesundheitsorganisation OnPaC in Wila zusammen.

Hat sich das Credo der Spitex seit ihrem Ursprung verändert?
Die Spitex Mittleres Tösstal zum Beispiel wurde vor elf Jahren gegründet und ging aus der Spitex Wila und dem Hauspflegeverein Turbenthal hervor. Die Idee war es immer schon, Patienten so zu betreuen, dass sie zu Hause bleiben können. Dazu gehören auch nichtpflegerische Leistungen. Diese werden aber nur subsidiär erbracht. Das heisst: wenn der Patient etwas Lebensnotwendiges selbst nicht ausführen kann.

Liegen Spitex-Fusionen im Trend?
Am Zürichsee haben zwei Organisationen fusioniert und im Zürcher Oberland gründen vier Spitexvereine zusammen die gemeinnützige Spitex Bachtel AG. Wir haben im Kanton heute etwa 90 nicht-kommerzielle Spitexvereine. Vor fünf Jahren waren es noch 20 mehr.

Wir gut ist der Spitexverband Zürich für die Zukunft aufgestellt?
Laut einer neuen Bevölkerungsstudie wird sich die Anzahl Rentner bis in 30 Jahren verdoppeln. Das bedeutet auch, dass der Leistungsumfang für die Spitexdienste künftig noch mehr zunimmt. Für uns heisst dies: Wir müssen die guten Rahmenbedingungen beibehalten und ständig überprüfen. Die kantonale Politik hat dazu Positives beigetragen, so dass wir heute sehr gut unterwegs sind. (landbote.ch)

Erstellt: 24.06.2015, 18:44 Uhr

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Zur Person

Viele Hüte: Erich Pfäffli präsidiert den Spitex Verband Kanton Zürich und ist Mitglied des Zentralvorstandes Spitex Schweiz. Der 67-Jährige ist ferner Gemeinderat in Turbenthal und Präsident der Spitex Mittleres Tösstal.

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