Landwirtschaft

Bauern setzen sich für ihr Gemüse ein

Food-Waste sei die Folge der Ansprüche der Händler, sagt der höchste Zürcher Bauer Ferdi Hodel.

Wer den Detailhandel beliefert, bleibt auf einem Teil seiner Ernte sitzen.

Wer den Detailhandel beliefert, bleibt auf einem Teil seiner Ernte sitzen. Bild: Keystone

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Herbstzeit ist Erntezeit. Natürlich wünscht sich jeder Bauer einen üppigen Feldertrag. Für diejenigen, die den Detailhandel beliefern, bedeutet das aber, dass sie auf einem Teil ihrer Ernte sitzen bleiben. Einige versuchen, ihre überschüssige Ware über die sozialen Medien loszuwerden – und scheinen damit den Zeitgeist zu treffen. Die Facebook-Gruppe «Rettet die Ernte vor dem Müll» hat über 16000 Mitglieder.

Solche Aktionen zur Food-Waste-Verminderung seien zwar begrüssenswert, sagt der oberste Winterthurer Bauer Marc Peter; er ist Bezirkspräsident von Winterthur beim Zürcher Bauernverband. «Aber sie regen mich manchmal auf.» Denn sie änderten nichts an einem grundsätzlichen Problem: den Qualitätsanforderungen der Detaillisten und Konsumenten, die zu Überproduktion führen.

«Wir produzieren eigentlich immer ein wenig zu viel», sagt Peter. Nur so gelange genug qualitätsgerechte Ware in den Handel. Auf Überschüssen bleiben die Bauern sitzen.

Detaillisten haben reagiert

Die Überproduktion sei von den Detaillisten allerdings gewollt, sagt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands. «So können sie den Preis drücken.» Den Bauern würde es bereits helfen, wenn die Detaillisten nicht «stur» ihre Qualitätsnormen durchdrückten. «Aber die Händler verstecken sich hinter dem Konsumenten», sagt Hodel. Dieser sei gefordert, sein Einkaufsverhalten anzupassen. Hohe Auflagen für die Bauern und günstige Importprodukte passten nicht zusammen.

Laut Coop-Sprecher Urs Meier geschieht das bereits. Im letzten Jahr verkaufte Coop fast 900000 Kilogramm Gemüse und Früchte, die nicht der Norm entsprechen. Der Detaillist betreibt seit 2013 eine entsprechende Eigenmarke. «Wir stellen von Jahr zu Jahr eine steigende Nachfrage fest.» Beim übrigen Sortiment halte man sich an Branchenstandards. Diese würden in gemeinsamen Gremien mit den Produzenten definiert, sagt Migros-Sprecher Patrick Stöpper. «Es ist also keinesfalls so, dass die Spezifikationen einseitig von den Detailhändlern bestimmt werden.» Auch Migros biete nicht normgerechte Ware in der hauseigenen Tiefpreislinie an, ergänzt Stöpper.

In Winterthur versucht eine Genossenschaft indes, mit dem Gmüesabo ein alternatives Landwirtschaftsmodell aufzubauen. (siehe Artikel zum Thema)

Erstellt: 12.10.2019, 08:44 Uhr

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