Brütten

Durch Skepsis zusätzlich angespornt

Karin Hedinger arbeitet als eine von wenigen Frauen als Hufschmiedin. Sie lernte sich durchzusetzen – und schloss als Jahrgangsbeste ab.

Von wegen zu schwach fürs heisse Eisen: Karin Hediger hat ihre Ausbildung zur Hufschmiedin mit Bravour bestanden.

Von wegen zu schwach fürs heisse Eisen: Karin Hediger hat ihre Ausbildung zur Hufschmiedin mit Bravour bestanden. Bild: Enzo Lopardo

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Karin Hedinger ist ein freiheitsliebender Mensch. «Nach meiner ersten Ausbildung zur Tierarztgehilfin in Flurlingen hatte ich zwar auch mit Tieren zu tun, aber ich war quasi immer drinnen in der Praxis.» Die heute 28-Jährige, die im schaffhausischen Wilchingen auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und mit ihrem Freund im Brüttemer Weiler Eich lebt, begann eine Zweitausbildung zur Hufschmiedin.

Steter Balanceakt des Gegensätzlichen

Der Beruf ist eine Mischung aus Feingefühl gegenüber dem Tier und Kraft gegenüber dem Eisen. Es ist ein steter Balanceakt des Gegensätzlichen. «Pferde sind sehr sensible Tiere, man braucht eine ruhige Art, um mit ihnen klarzukommen», sagt Hedinger. Etwa alle acht Wochen muss ein Pferd neu beschlagen werden, zuerst muss jeweils das unregelmässig nachgewachsene Horn unter dem Hufeisen wieder abgeraspelt werden. «Es ist wie eine Beziehung, die man mit dem Tier langsam aufbaut.» Einige Pferde mögen es beispielsweise nicht, wenn es stark windet und irgendwo ein Plastiksack raschelt. Drei bis vier Millimeter dick ist die weisse Linie am Huf des Pferdes. Dort, und nur dort, dürfen die Nägel fürs Hufeisen befestigt werden: «Schlägt man zu weit ins Innere des Hufs, in den durchbluteten Teil, lahmt das Pferd danach.» Entsprechend muss das Eisen dem Huf des Pferdes angepasst - geschmiedet - werden. Jeden Tag fährt Hedinger mit ihrer mobilen Werkstatt zu den Pferden, um ihnen neue «Eisensohlen» zu verpassen. «Es ist körperlich sehr anstrengend, am Abend spürt man die Arbeit», sagt Hedinger.

«Dann wollte ich erst recht eine super Arbeit abliefern»Karin Hedinger

Die Liebe zu Pferden flammte schon früh auf, als Achtjährige sass sie zum ersten Mal auf einem Pferd. Danach hatte sie fast immer einen Hof in der Nähe, bei dem sie reiten durfte. Auch als sie in Sargans als Tierarztgehilfin in einer Klinik arbeitete, die auf exotische Tiere wie Schlangen und Echsen spezialisiert ist. Nur als sie für mehrere Monate nach Ecuador und Island verreiste, mussten die Pferde ohne sie auskommen.

Viele zweifelten an der körperlicher Stärke

Als Hedinger ihre Lehre zur Hufschmiedin begann, war sie eine von gerade einmal vier Frauen. Nebst den Mitschülern begegneten ihr auch Kursleiter und Lehrer mit Skepsis. «Viele fanden, eine Frau sei körperlich zu schwach für diesen Beruf. Das war eigentlich noch erstaunlich.» Hedinger schöpfte aus der Skepsis aber zusätzlichen Ansporn: «Dann wollte ich erst recht eine super Arbeit abliefern.» Ihre Lehre schloss sie vor zwei Jahren mit der Gesamtnote 5,3 ab und war damit Jahrgangsbeste. Die Zürcher Zunft zur Schmiden lud sie deshalb im letzten Jahr ans Sechseläuten ein, von einer Berner Schmiedezunft erhielt sie als Zeichen der Wertschätzung einen Schmiedehammer.

Im Alltag zieht Hedinger viel Freude daraus, das Ergebnis ihrer Arbeit zu betrachten: «Nach etwa einer Stunde zu sehen, dass das Pferd wieder gerade dasteht, ist etwas Tolles.» Weniger toll findet sie es, wenn sie unter Zeitdruck steht, einen Termin nach dem anderen abarbeiten muss und somit auch weniger auf die Eigenheiten des Tieres eingehen kann: «Dann lässt die Konzentration automatisch nach.» Auch die teilweise langen Autofahrten zu den Kunden gehören nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen.

Eine alte Kunst

Seit über 2000 Jahren existieren die Hufeisen bereits. Die Kelten waren laut Historikern die ersten, die Römer übernahmen diese Erfindung später. «Es gibt aber auch zunehmend den Trend für huffreie Pferde oder Hufschuhe aus Gummi.» Letztere sind weicher als Eisen und sollen die Schläge auf die Gelenke der Pferde besser abfedern. «Allerdings ist der Nachteil, dass man dieses Gummi kaum dem Huf anpassen kann, ganz anders als beim Eisen.» (Der Landbote)

Erstellt: 22.04.2019, 20:04 Uhr

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