Seuzach-Thurtal

Ein Profi verwaltet die Kirchgemeinde

Noch ist die Fusion nicht vollzogen, aber der Verwaltungschef steht fest: Andreas Caluori hatte am Freitag seinen ersten Arbeitstag als Schreiber der neuen Kirchgemeinde Seuzach-Thurtal.

Andreas Caluori ist neu Gemeindeschreiber für die Kirche Seuzach-Thurtal. Foto: Madeleine Schoder

Andreas Caluori ist neu Gemeindeschreiber für die Kirche Seuzach-Thurtal. Foto: Madeleine Schoder

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Per 1. Januar schliessen sich die reformierten Kirchgemeinden Altikon-Thalheim-Ellikon, Dinhard, Rickenbach sowie Seuzach zu einer grossen Kirchgemeinde zusammen.

Das neue Gesicht der Verwaltung ist bereits bekannt: Andreas Caluori amtet seit dem 1. November als Schreiber der Kirchgemeinde Seuzach-Thurtal. Der 45-Jährige arbeitete bisher als Sozialdiakon der Kirchgemeinde Seuzach, in Zukunft leitet er die professionelle Verwaltung.

Zwar müssen Reformierte aus den umliegenden Gemeinden künftig nach Seuzach kommen, wenn sie etwas mit der Verwaltung zu klären haben. «Dafür sind wir aber jeden Tag erreichbar», sagt Caluori. Das sei in den kleinen Kirchgemeinden bisher nicht der Fall gewesen.

Kein Bewerbungsbonus

Die Stelle des Kirchgemeindeschreibers wurde neu geschaffen. Caluori hat sich in einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren gegen 21 andere durchgesetzt. «Ich hatte keinen Bonus, weil ich schon bei der Kirchgemeinde gearbeitet habe», versichert er.

«Mit dem Gedanken der Fusion musste ich mich auch erst identifizieren.» 

Bis zuletzt habe er nur hoffen können, dass er die Stelle bekommt. Geschenkt wurde ihm nichts. Allerdings hatte er den Vorteil, dass er den Fusionsprozess bereits von Beginn an mitgestaltet hat. «Für mich braucht es sicher wenig Einarbeitungszeit, weil ich alle Personen und Strukturen schon kenne.»

Vor drei Jahren trat Caluori seine Stelle in Seuzach an. Etwa ein Jahr später begannen die Gespräche über das Projekt Kirchgemeinde plus der Landeskirche. Caluori beteiligte sich als Diakon in verschiedenen Arbeitsgruppen.

Zudem agierte er als Beisitzer in der Kirchenpflege. «Dort habe viele neue Projekte angestossen, respektive die Offenheit für neue Ideen und neue Wege gefördert», sagt er. Ob es eine Fusion sein soll, war offen. «Mit diesem Gedanken musste ich mich auch erst identifizieren.»

Denkbar war auch eine stärkere Zusammenarbeit mit den Nachbarn. Nach vielen Gesprächen und Abklärungen entschieden dann aber alle Kirchgemeinden vor einem Jahr, dass sie sich zusammenschliessen möchten. Seuzach hätte gut eigenständig bleiben können. «Aber wir wollten solidarisch mit kleineren Gemeinden sein, den Prozess mitgestalten und ebenfalls von den Vorteilen, die für unsere Mitglieder entstehen, profitieren.»

Zeit für Strategie

Caluori ist überzeugt, dass sich die Kirche wandeln muss und dass dieser Wandel mit der Fusion keinesfalls abgeschlossen ist. «Es fängt jetzt erst richtig an.» Mit dem Zusammenschluss sei der äussere Rahmen nun geschaffen. Jetzt müsse sich die Gemeinde innen weiterentwickeln, bei und mit den Menschen.

Die Behörden seien bisher mit viel Administration und operativen Aufgaben beschäftigt gewesen. Die professionelle Verwaltung bringe nun Entlastung, sodass die Behörde wieder Zeit für die Strategie habe.

«Unsere Kirchen sind nah bei den Menschen», sagt Caluori. Das sei eine Stärke, die es zu nutzen gelte. Man müsse aber auch zeigen, was die Kirche alles für die Menschen leiste. «Mein Ziel ist, dass die Leute beim Wort Kirche nicht an ein Gebäude denken, sondern an bunte Veranstaltungen und die Leistungen, welche die Gemeinde erbringe. «Da müssen wir auch mehr Marketing betreiben», sagt Caluori.

Die Kirche müsse ihre Relevanz steigern und den Mitgliedern zeigen, dass ihre Steuergelder sinnvoll eingesetzt werden. Für die Mitglieder der neuen Kirchgemeinde vergrössert sich das Angebot. Sie können in allen Dörfern Anlässe besuchen. Einen Spareffekt habe die Fusion schon, sagt Caluori.

Es gibt neu nur eine Behörde, eine Verwaltung, in der zum Beispiel nur ein Archiv gepflegt werden muss, und so weiter. Dafür konnten die Diakoniestellen bereits aufgestockt werden. Die Gemeinden und Menschen müssten sich nun vernetzten und zu einer grossen Gemeinde werden. «Aber das braucht Zeit.»

Weltliche Aufgaben

Der Glaube ist Andreas Caluori wichtig. Er wuchs in Amriswil auf und kam über die Jungschar zur Kirche. «Erst musste ich hin, weil meine Eltern es so wollten.» Doch ab dem ersten Tag hätte für ihn jeden Tag Jungschar sein können.

Er blieb bis zu seiner Lehre als Bauzeichner im Verein aktiv. Nach der Lehre arbeitete er wenige Jahre in der Baubranche, dann macht er seine Ausbildung zum Sozialdiakon. «Ich wollte mehr mit Menschen machen.» Viele Aufgaben, die nun auf Caluoris To-Do-Liste stehen, sind jedoch weltlich: Eine Liegenschaftsstrategie zum Beispiel, für die 20 Gebäude, die zur fusionierten Gemeinde gehören

Verwaltungs- und Führungsaufgaben hätten ihm schon immer gefallen. Darum bildete er sich stetig in diese Richtung weiter. Derzeit absolviert er den Lehrgang «Verwaltungsleitung in der Kirche», den er im Frühling 2020 abschliessen wird.

Erstellt: 01.11.2019, 17:09 Uhr

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