Seuzach

Ein Stück Italien im Dorf

Seit 11 Jahren gehört Yvonne Traber das Pastalädeli in Seuzach. Früher stellte sie Blumensträusse zusammen, heute die passenden Geschenkkörbe.

Yvonne Traber kocht auch Zuhause mit Zutaten aus ihrem Pastalädeli in Seuzach.

Yvonne Traber kocht auch Zuhause mit Zutaten aus ihrem Pastalädeli in Seuzach. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Orecchiette, Tagliatelle, Gemelli, Fusilli oder Conchiglie: In den Regalen des kleinen Ladens an der Winterthurerstrasse in Seuzach stehen Pasta in allen Formen. Die Wände sind in sonnigem Gelb gestrichen, sodass man gleich an den nächsten Urlaub in Italien denken möchte. Im etwa 15 Quadratmeter grossen Pastalädeli empfängt Yvonne Traber seit elf Jahren ihre Kundschaft. 2008 hat sie die Geschäftsführung gemeinsam mit ihrem Mann übernommen.

«Ich bin ins kalte Wasser geschubst worden», sagt die Inhaberin. Denn eigentlich hatte die heute 62-Jährige, die bereits in Seuzach aufgewachsen ist, nie vor, einen eigenen Laden mit italienischen Spezialitäten zu betreiben. «Eines Tages hat dann aber eine Kollegin an meiner Tür geklingelt», sagt Traber. Bei der Kollegin handelte es sich um die damalige Besitzerin des Lädeli, die auch zu dieser Zeit Zutaten für die mediterrane Küche verkaufte. Die Kollegin hatte ein neues Jobangebot und suchte eine Aushilfe, die für einen Tag den Laden schmeissen würde. Da die Seuzacherin ihre Ferien oft in Italien verbringt, wo sie jeweils den südländischen Lebensstil geniesst, trat sie die Stelle an.

Mit der Zeit war Yvonne Traber immer öfters im Laden zu sehen, bis ihre Kollegin das Angebot einer Vollzeitstelle erhielt. Plötzlich stand die heutige Betreiberin vor der Möglichkeit, das Pastalädeli ganz zu übernehmen. «Mit der Entscheidung habe ich mich lange schwer getan», sagt sie. Doch ihr Mann habe sie dabei voll und ganz unterstützt. Bis heute ist er ihre helfende Hand im Hintergrund. «Ich stehe im Laden, und er erledigt den Bürokram.»

Der Ort fürs Spezielle

Als gelernte Floristin liegen der Ladenbetreiberin der Kundenkontakt und das kreative Arbeiten mehr, als mit Zahlen zu jonglieren. «Gerade das Gespräch mit den Kunden schätze ich sehr.» Dabei berät Traber ihre Gäste häufig sitzend, am Tischchen, das sie im Laden platziert hat. Meist sind es Seuzacherinnen und Seuzacher, oft auch Auswärtige aus der Umgebung, die den Weg in ihre «italienische Exklave» finden. «Viele kommen, um Geschenke für spezielle Anlässe zu kaufen.» So stellt sie heute keine Blumensträusse, dafür aber Körbe mit italienischen Köstlichkeiten zusammen.

Im heimischen Garten hat sich Traber ihre Blumen jedoch bewahrt. «Es ist auf jeden Fall kein Gemüsegarten, das ist eher nicht so mein Ding», sagt sie und schüttelt energisch den Kopf. Wenn sie nicht im Laden ist, findet man sie meist auf ihrem grünen Grundstück. «Ich schaue, dass es dort blüht und gedeiht.»

Der Umschwung ums Haus dient ebenso dazu, Gäste zu empfangen. «Manchmal laden wir ganz spontan Leute ein», sagt die Mutter zweier Kinder. Die beiden Söhne seien oft zu Besuch und lassen sich mitsamt Frau und Kindern bekochen. «Es wird auf jeden Fall immer gegessen, was auf den Tisch kommt», sagt Traber über ihre Kochkünste. «Ach was, sie macht das super. Sie kann einfach alles», hört man ihren Mann aus dem hinteren Teil des Ladens rufen.

Dolce für den Sohn

Gerade letztes Wochenende habe es ein kleines Familienfest gegeben, wobei jedoch ihr Mann hinter der Pfanne stand. «Einmal im Jahr machen wir eine richtige Paella direkt über dem Feuer», sagt Traber, die auch mal gerne süss statt salzig isst. Für die Hochzeit ihres Sohnes musste die «Mamma», wie sie sich selbst nennt, gar zwei grosse Töpfe ihres begehrten Beeren-Tiramisus machen. «Obwohl sie schon eine riesige Hochzeitstorte hatten», sagt sie und schüttelt dabei lachend den Kopf. Die Zutaten für ihre eigene Küche findet die Geschäftsfrau in ihrem Laden. «Zurzeit verwende ich gerne ein Basilikumöl für den Tomaten-Mozzarella-Salat.» Was Traber bei ihren Lieferanten bestellt, probiert sie vorab. «Wenn es mir schmeckt, nehme ich es ins Sortiment und schaue, wie es läuft.»

Ihr Pastalädeli in Seuzach werde sie aber nicht mehr allzu lange weiterführen. «Vielleicht mache ich es noch ein, zwei oder drei Jahre, aber irgendwann werde ich aufhören», sagt die Inhaberin. Schon einige hätten ihr Interesse am Lokal Kund getan, jedoch mit anderen Zukunftsplänen als dem Verkauf von Pasta. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, dass bereits in den 60er Jahren ein kleiner italienischer Supermarkt im heutigen Pastalädeli beheimatet war.

Erstellt: 25.08.2019, 15:31 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles