Hagenbuch

Ein unkompliziertes Kunst-Projekt

Sieben Holzfiguren des Schweizer Künstlers Peter Leisinger sitzen derzeit am Strassenrand in Hagenbuch. Dorthin gekommen sind sie nur dank eines Zufalls.

Peter Leisingers Bauarbeiter erholen sich beim Egghof.

Peter Leisingers Bauarbeiter erholen sich beim Egghof. Bild: Madeleine Schoder

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Der Egghof in Hagenbuch ist weder für Kunstausstellungen noch für kulturellen Veranstaltungen bekannt. Doch derzeit ist dort eine Gruppe Holzfiguren anzutreffen, die vom Künstler Peter Leisinger geschaffen wurden. Die sechs Bauarbeiter sitzen vor dem Haus am Strassenrand und gönnen sich eine Pause. Sie sind aus Holz geschnitzt, beziehungsweise gesägt, und mit Leuchtwesten ausgestattet. Der Planer mit Krawatte liegt im Liegestuhl.

«Wir sind zufällig auf die Skulpturen gestossen», sagt Sylvia Steinemann. Auf einem Ausflug im Bündnerischen Malans haben sie und ihr Mann Hansjakob die Figurengruppe von Peter Leisinger entdeckt. «Wir kamen mit dem Künstler ins Gespräch», erzählt Steinemann. Dabei war den beiden gar nicht bewusst, dass Leisinger ein bekannter Schweizer Künstler ist, dem etwa die Kultur-Zeitschrift «du» seine ganze April-Nummer widmete. «Mein Mann fragte aus dem Bauch heraus, ob er die Figuren ausleihen dürfe.» Der Künstler zeigte sich unkompliziert und gab das Ok - unter der Voraussetzung, dass die Steinemanns die Bauarbeiter selber abholen und zurückbringen würden. Im Juni fand der Transport von Graubünden nach Hagenbuch statt. «Die Figuren stehen voraussichtlich bis Ende Oktober hier.»

Esel-Weide für Skulpturen

Das Landwirte-Ehepaar Steinemann ist pensioniert; heute führt der Neffe den Egghof. Die Steinemanns wohnen in einem Haus, das zum Weiler Egghof gehört. Auf ihrem privaten Grundstück, auf dem früher die Kühe weideten, haben sie für die Skulpturen eine Ecke abgetrennt. Die Weide ist sehr gross und dient heute als Auslauf für Esel. Leisinger hat die Bauarbeiter 2016 für die Schaffhauser Ausstellung «Das Leben ist eine Baustelle» geschaffen. Zwei der Figuren sind allerdings nicht nach Hagenbuch gezügelt. «Der Künstler sagte uns, wir können so viele Bauarbeiter mitnehmen, wie es Platz im Anhänger hat», erzählt Sylvia Steinemann. Zwar habe sich das Ehepaar über allfällige Versicherungen der Kunstobjekte informiert, doch Leisinger selber war sehr unkompliziert. «Er war überzeugt, dass der Transport gut gehen würde.»

Hansjakob Steinemann will mit seinem neuen Skulpturengarten auch die Arbeit der Bauarbeiter im Allgemeinen wertschätzen. Derzeit sind Arbeiten an einem nahen Veloweg in Gang. Auch deshalb war er so begeistert von Leisingers Skulpturen. Und das Echo ist gross: «Viele Leute melden sich bei uns und fotografieren», sagt Sylvia Steinemann. «Die ‹echten› Bauarbeiter fahren an der Holzgruppe vorbei und halten dabei den Daumen hoch.» Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» berichtete ausführlich. Und zwei «Landbote»-Leser haben Fotos der Bauarbeiter an die Redaktion geschickt. «Das freut uns natürlich», sagt Sylvia Steinemann.

Erstellt: 14.07.2019, 16:25 Uhr

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