Problempflanzen

«Eine Töss ohne Japanknöterich müssten wir ganz neu bauen»

Im ganzen Kanton werden invasive Pflanzen bekämpft, die hier nicht heimisch sind. Morgen Samstag finden in vielen Gemeinden Aktionstage gegen solche Neophyten statt.

Seit drei Jahren werden invasive Wucherpflanzen entlang der Töss gezielt bekämpft. Foto: Madeleine Schoder

Seit drei Jahren werden invasive Wucherpflanzen entlang der Töss gezielt bekämpft. Foto: Madeleine Schoder

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Goldrute klingt edel, Berufkraut geschäftig, Kirschlorbeer irgendwie süss, Sommerflieder hübsch und das Greiskraut weise. Aber so nett, wie sie klingen, sind diese Pflanzen nicht. Sie reihen sich mit dem weniger schön klingenden Knöterich oder dem Drüsigen Springkraut in die Liste der Problempflanzen ein.

Denn all dieses Kraut breitet sich auch hier in der Region invasiv aus und nimmt heimischen Pflanzen den Lebensraum. Einige davon, wie die Ambrosia, der Riesenbärenklau oder das Schmalblättrige Greiskraut sind sogar gesundheitsschädlich.

Derzeit haben die Eindringlinge wieder Hochsaison. Denn viele von ihnen blühen, was das Zeug hält, und verbreiten Tausende Samen über Wind, Wasser, Vögel und Verkehrswege in neue Gebiete.

Freiwillige Helfer gesucht

Ihre Bekämpfung ist oft nur mit viel Menschenkraft möglich, weshalb dieses Wochenende viele Naturschutzvereine und Gemeinden einen Aktionstag gegen Neophyten durchführen.

Auch in Rickenbach wird der Naturschutzverein zusammen mit dem Familien- und dem Dorfverein am Samstag gegen die Problempflanzen aktiv. «Wir werden uns vor allem um die Goldrute, das Berufkraut und das Drüsige Springkraut kümmern», sagt Regula Philipp, Präsidentin des Naturschutzvereins. Diese invasiven Pflanzen würden sich teils stark ausbreiten. «Und sie sind mit Ausreissen relativ gut einzudämmen.»

«Im Wald entsorgtes Grüngut ist ein grosses Problem.»

Die Holzschläge wegen Borkenkäfern oder Sturmschäden würden den Druck der Problempflanzen erhöhen. Denn wo es lichten, unbewachsenen Boden gibt, breiten sich diese noch schneller aus. Allerdings braucht es für die Beseitigung der fremden Pflanzen möglichst viele Hände, um etwas erreichen zu können. Darum setzen die Verein auf die Hilfe der Bevölkerung. «Wir haben vom Verein aus auch schon eine Blitzaktion gegen das Springkraut im Gebiet Oberholz durchgeführt», sagt Philipp. Aber mit einer grösseren Anzahl Leute könne man noch mehr schaffen.

Der Naturschützerin ist es wichtig, die Bevölkerung auf das Thema aufmerksam zu machen. «Im Wald entsorgtes Grüngut zum Beispiel ist ein grosses Problem.» Denn so würden sich exotische Zierpflanzen aus den Privatgärten in freier Natur verbreiten. Privatgärtner sollten sich bewusst sein, dass Sommerflieder oder Goldrute zwar hübsch aussehen, aber eine Gefahr für die heimische Natur sein können.

Privatgärtner informieren

Private Grundbesitzer sind auch für Andreas Keller Ansprechpartner. Er leitet das Projekt «Gemeinsam gegen Neophyten an der Töss», welches das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) vor drei Jahren lanciert hat.

«Wir haben keine rechtliche Handhabe, wenn es um Privatgrund geht», sagt Keller. Darum versuche er es mit Informationen und Gesprächen. «Es bringt nämlich wenig, wenn wir dem Ufer entlang alle Neophyten jäten und einige Meter weiter alles wuchert.» Auch mit den Gemeinden entlang der Töss ist Keller stetig in Kontakt. «Einige davon arbeiten vorbildlich», sagt er. Denn auch darauf ist der Erfolg des Töss-Projekts angewiesen. Wenn nämlich die Problempflanzen in kleineren Seitengewässern der Töss einfach wuchern, dann werden sie auch immer wieder in den Fluss geschwemmt.

«Es ist wichtig, dass in den Gemeinden der politische Wille da ist und dass Geld dafür im Budget steht», sagt Keller. Dann könne man gegen die Pflanzeninvasion viel erreichen. Und die Zahlen geben ihm recht. Seit drei Jahren wird das Tössufer regelmässig von Fachleuten und Zivildienstleistenden auf problematische Pflanzen hin abgesucht.

Jedes Jahr muss weniger Biomasse, sprich ausgerissene Neophyten, entsorgt werden. Und auch die Kosten sinken. Das fünfjährige Projekt startete mit einem Gesamtkredit von 750000 Franken. 2016 wurden 150000 Franken verbraucht. 2017 waren es noch 135000 Franken und im letzten Jahr noch 95000 Franken.

Der Schlimmste am Fluss

Die Bekämpfung der invasiven Pflanzen sei nicht aussichtslos, findet Keller. «Aber man muss konsequent dranbleiben.» Während das Springkraut oder die Goldrute noch als beherrschbar gelten, ist der Japanische Staudenknöterich entlang Gewässern der schädlichste invasive Neophyt. Er wurde ursprünglich als Zierpflanze in Gärten gepflegt. Nun wuchert er und macht praktisch weltweit Probleme.

«Um einen Knöterich zu entfernen, muss man die gesamten Wurzeln minutiös ausbaggern und das Erdreich teuer entsorgen», sagt Keller. Denn schon kleinste Pflanzenstücke können neu austreiben. «Eine Töss ohne Japanknöterich müssten wir ganz neu bauen.»

(Der Landbote)

Erstellt: 14.06.2019, 10:56 Uhr

Hier geht es den fremden Pflanzen an die Wurzeln

Neophyten werden heute und morgen unter anderem in folgenden Gemeinden ausgerissen: Neftenbach, Rickenbach, Dinhard oder Dachsen.

Die Liste ist nicht vollständig. Einige Gemeinden führen auch später Aktionstage durch. Details sind auf den Websites der Gemeinden oder der örtlichen Naturschutzvereine zu finden.

In Aadorf gastiert vom 24. bis 30. Juni auf dem Gemeindeplatz eine Ausstellung über Neophyten, und am Dienstag, 25. Juni, um 19 Uhr gibt es einen Infoabend im Gemeindesaal.

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