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Elgg verliert den letzten Blumenladen

Vor zehn Jahren gab es noch drei Blumengeschäfte in Elgg, heute gibt es nur noch eines und dieses schliesst die Türen Ende Mai für immer – die Gründe sind persönlich.

Die Tage ihres Blumengeschäfts sind gezählt: Natalie Rickenmann will künftig ihren Horizont erweitern.

Die Tage ihres Blumengeschäfts sind gezählt: Natalie Rickenmann will künftig ihren Horizont erweitern. Bild: Marc Dahinden

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Sie wolle sich mit 40 nicht fragen müssen: «Warum hast du nie?», sagt Natalie Rickenmann. Heute ist sie 30 Jahre alt und Inhaberin und Geschäftsführerin von Natalie’s Blumengeschäft im Elgger Dorfkern. «Es läuft überhaupt nicht schlecht, es geht um Selbstfindung», erklärt sie. Einen Tag zuvor hatte Rickenmann in der Elgger Facebookgruppe angekündigt, dass sie ihren Laden per Ende Mai schliessen wird. Viele Mitglieder kommentierten das mit Bedauern.

Selbstständig mit 20 Jahren

Sie habe nun zehn Jahre lang diesen Laden aufgebaut und geführt, nun wolle sie ihren Horizont erweitern, sagt Rickenmann. Zuerst plane sie, den Sommer über in den Bergen zu arbeiten, danach wolle sie reisen – vor allem in den Norden. Aufgewachsen ist sie in Thundorf TG, nach einer Lehre als Gärtnerin absolvierte sie eine zweite als Floristin. In Elgg, das sie bis dahin nur von der Fasnacht her gekannt habe, lockte ein gutes Angebot. Mit dem vorherigen Inhaber, der eigentlich nur eine Geschäftsführerin gesucht habe, sei sie sich nicht einig geworden. Kurzerhand überschrieb er ihr daraufhin das ganze Geschäft. «Dann hatte ich also mit 20 Jahren einen eigenen Laden», sagt Rickenmann.

Zu Beginn sei es eine harte Zeit gewesen, als Auswärtige habe sie sich beweisen müssen. Der Ruf des Vorbesitzers sei ausserdem nicht über alle Zweifel erhaben gewesen und sie habe schnell gemerkt, dass sie sich distanzieren müsse. «Ich habe meine eigene Marke aufgebaut und heute schaue ich mit positiven Gefühlen auf diese Zeit zurück.» In den letzten fünf Jahren sei es sehr gut gelaufen. Es sei auch schön, den Rückhalt im Dorf zu spüren. Sei es auf Facebook oder auch im Geschäft selbst. «Seit die Leute wissen, dass ich schliesse, machen viele Alibibesuche, um mit mir zu reden», sagt Rickenmann.

Eigentlich wollte sie ihr Geschäft gar nicht so bald abgeben. Sie habe auf eine Nachfolgelösung gehofft, die es ihr ermöglicht hätte, als Angestellte noch etwas weiter zu arbeiten. «Aber die Vermieter wollten etwas anderes.» So viel sie wisse, sei der Zuschlag an eine Tierärztin gegangen. Ein Blumengeschäft gebe es sicher keines mehr. «Ich muss also nicht auf eine Übergabe hin arbeiten und höre lieber jetzt auf.»

Unmut wegen Schliessung

In Elgg habe das Unmut ausgelöst, sagt Rickenmann, denn ihr Blumenladen war der letzte in der Gemeinde. Vor zehn Jahren habe es noch drei Geschäfte gegeben, die anderen zwei seien aus verschiedenen Gründen zugegangen. Bald müssen die Elgger für den Blumenkauf weitere Wege auf sich nehmen. Je wieder selbstständig zu arbeiten, schliesst Rickenmann nicht aus: «Ich sage immer, mit einer Fünftagewoche wird mir doch langweilig.» Aber es sei schon sehr viel Arbeit gewesen. Zwischendurch beschäftigte sie drei Angestellte, zum Ende hin seien sie noch zu zweit gewesen. Gewohnt habe sie in Ettenhausen – um etwas Abstand vom Geschäft zu haben. Diesen will sie nun noch weiter ausweiten. (Landbote)

Erstellt: 16.05.2018, 16:29 Uhr

Nachtrag der Redaktion

Sag mir, wo die Blumen sind

Schliesst «Natalie’s Blumengeschäft» in der Elgger Vordergasse, so gibt es in der Altstadt keine Blumen mehr. Schnell ­jedoch meldeten Leserinnen und Leser: In Hofstetten befindet sich das «Blumenglück zur Alten Post», und das gehört nun schliesslich auch zu Elgg. Und nur fast in Aadorf liegt die Rupp Gartenbau AG. Da sind die Blumen geblieben. (nid)

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