Kälteeinbruch

Frost gefährdet Obst und Gemüse

Schnee, Bise und Frost sind diese Woche angesagt. Für Blüten und Pflanzentriebe in der Region Winterthur werden die nächsten Tage kritisch.

Beim Strickhof in Winterthur-Wülflingen stehen Hochstammapfelbäume noch in voller Blüte.

Beim Strickhof in Winterthur-Wülflingen stehen Hochstammapfelbäume noch in voller Blüte. Bild: Heinz Diener

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Bisher war es ein Traumfrühling. Ein Frühling, an den man sich erinnern wird. Kirschbäume, wenig später Birnbäume stehen bei Prachtswetter in Vollblüte, von Bienen umsummt. Kurz darauf öffnen sich die Apfelblüten. Den Obstbauern schlägt das Herz höher. Bis jetzt.

Am Dienstag früh liegt im Tösstal ab gut 700 Metern über Meer Schnee. In Winterthur wirbeln Graupelflocken statt Blütenblätter um die Marktstände. Und es kommt noch härter. Laut Meteo Schweiz ist gegen Ende der Woche Frost zu erwarten. Bei Hagen Thoss in der landwirtschaftichen Schule Strickhof laufen die Telefone heiss. Er ist Fachberater für Obstbau. «Die Landwirte sind nervös», sagt er. Alles blüht und treibt jetzt. Bei den Äpfeln stehen selbst die Spätsorten in der Hauptblüte. Wenn der Frost wirklich kommt, bleibt nichts verschont. Thoss: «Höchstens die spät blühenden Quitten könnten dem Frost entgehen.» Kein Wunder, fällt manchem Bauern das Herz in die Hose.

Frostige Wetteraussichten

Das wäre jetzt der zweite Frühling in Folge, in dem der Frost verheerende Schäden anrichtet. Im letzten Jahr liessen gegen Ende April überraschend tiefe Minustemperaturen viele Nutzpflanzen erfrieren. Dieses Jahr erfolgt der Frost um einiges früher. Doch die Pflanzen sind wegen desguten Wetters dem Fahrplan voraus.

«Die Landwirte sind nervös.»Hagen Thoss, Fachberater Obstbau Strickhof

Laien sehen in diesen Tagen die blühenden Bäume und fürchten um deren Blüten. Dazu Hagen Thoss: «Die Blüten sind lange nicht unsere einzige Sorge.» Auch Fruchtknoten, die sich vor ein paar Wochen gebildet haben, werden bei Frost absterben. Das betrifft Birnen, Pflaumen und Kirschen. Umgekehrt schädigt der Forst auch Triebe, die eine Blüteanlage umschliessen. Das heisst, auch Pflanzen, die noch nicht voll blühen, nehmen Schaden. Das ist derzeit bei den Reben und Kiwipflanzen der Fall.

Wettervorhersagen haben keine hundertprozentige Treffsicherheit. Das gilt vor allem für Frost. So etwa kühlt sich trockene Luft schneller ab als feuchte. Eine Bise aus Nordosten hingegen, wie sie für die zweite Wochenhälfte angesagt wird, würde die Wirkung des Frosts verstärken. Nebel wiederum schützt.

Allgemein gilt folgende Faustregel: «In einer klaren Nacht bei mittlerer Feuchtigkeit sinkt die Temperatur um acht Grad.» In den nun folgenden Nächten wird bestimmt mancher Bauer rund um Winterthur wach bleiben und rechnen.

Widerstandsfähigkeit

Andreas Klöppel, Betriebsleiter Obstbau am Strickhof, ist in Lindau draussen bei den Obstanlagen. «Ein kurzer Frost wäre vielleicht noch zu überstehen», erklärt der Obstbaufachmann. So schlimm wie letztes Jahr muss es laut Klöppel nicht unbedingt kommen. Der Boden hat immer etwas Wärme gespeichert. Und im gesunden Baum steckt ein gewisser Widerstand gegen Frost. So können eine ganze Reihe Kulturpflanzen zwei bis drei Stunden Frost überstehen. Letztes Jahrjedoch war es viel länger kalt und sogar aussergewöhnlich kalt, bis zu minus sieben Grad. Tag für Tag wurden im Frühling 2016 die Schäden grösser.

«Wir holen die Vliese, die wir schon  weggeräumt haben, wieder hervor.»Michael Ballimann, Thurtaler Gemüse AG

Im Strickhof Winterthur stehen derzeit hochstämmige Apfelbäume in voller Blüte. Der Frost bildet in der Regel am Boden eine Kaltluftschicht von ein bis eineinhalb Metern. Daher sind die Hochstammbäume gegen Bodenfrost besser gewappnet. Frostschäden drohen allerdings diese Woche auch von oben. Weitere Schneeschauer sind angesagt. Bei kalten Temperaturen verhindert der Schneefall die Befruchtung der Blüten. Die Bienen fliegen bei solchem Wetter nicht, und es bilden sich keine Blütenpollen.

Mit weniger Ausfällen rechnen die Gemüsebauern. Michael Ballimann von der Thurtaler Gemüse AG: «Wir holen das Vlies, das wir schon weggeräumt haben, wieder hervor.» Vlies schützt das junge Gemüse auf den Feldern. Nur beim Kopfsalat sind laut Ballimann Schäden zu erwarten. Dies dann, wenn das gefrorene Vlies die Salatblätter berühren.

Schutzmassnahmen

Den Obstbauern empfiehlt das Beratungszentrum Strickhof vor allem zwei Schutzmassnahmen gegen Frost. Wenn man Obstbäume während des Frosts beregnet, schützt das gefrierende Wasser die empfindlichen Pflanzenteile. Zudem werden Paraffinkerzen eingesetzt, um Wärme zu erzeugen. Eine ganz neue Massnahme planten die Weinbauern in Freienstein-Teufen. Sie wollten am kommenden Freitag einen Helikopter einsetzen, um warme Luft gegen den Boden zu wirbeln. Die Erfolgsaussichten dafür waren aber zu gering. Der Einsatz wurde abgeblasen. Damit nicht genug, jetzt mit dem Kälteeinbruch drohen die Paraffinkerzen auszugehen. (Landbote)

Erstellt: 19.04.2017, 10:36 Uhr

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