Elsau

Heimkinder turnen bald unter Holzgebälk

Mit einer neuen Turnhalle im ehemaligen Stallgebäude schliesst das Pädagogische Zentrum Pestalozzihaus in Räterschen eine grosse Bauetappe für 7,3 Millionen Franken ab.

Das denkmalgeschützte Haus wurde aussen aufgefrischt und innen zur Turnhalle samt Aula ausgebaut.Fotos: Marc Dahinden

Das denkmalgeschützte Haus wurde aussen aufgefrischt und innen zur Turnhalle samt Aula ausgebaut.Fotos: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Unter stetigem Regen passen Bauarbeiter die letzten Holzdielen für die neue Terrasse ein. Diese soll eines der Schmuckstücke der neuen Turnhalle des Pestalozzihauses in Räterschen werden, sagt Heimleiter René Albertin: «Da hätte man eine schöne Aussicht, wenn denn das Wetter schön wäre.» Das Pädagogische Zentrum, das Angebote für Kinder mit psychosozialen Schwierigkeiten bietet, baute in den letzten drei Jahren für rund 7,3 Millionen Franken um und aus. Nach einem neuen Schulhaus und einem neuen Tiertherapiezentrum ist nun im letzten Jahr das ehemalige Stallgebäude in eine Turnhalle umgebaut worden. Sie wird heute mit Reden, Chor- und Musikauftritten sowie einem offiziellen Einweihungsakt eröffnet.

Die neue Turnhalle ist bereits gestuhlt für die Besucher am Wochenende. Bild: mad

Grosszügige Spenden

Das Stallgebäude war 1790 erbaut worden und steht heute unter Denkmalschutz. Während die Fassade ihren historischen Charme behalten hat und frisch gestrichen leuchtet, ist im Inneren moderne Schulstruktur entstanden. Nebst Garderoben, einem Foyer samt kleiner Küche, Betriebs- und Geräteräumen, ist der obere Stock zur Turnhalle ausgebaut worden, die gleichzeitig als Aula dienen soll.

Unter 200-jährigem Originalgebälk können hier Schulheim- und Tagesschulkinder turnen. «Die Kinder sollen einen Bewegungsraum haben, der ihnen immer zur Verfügung steht», sagt Albertin. Die Aula habe nun halt auch einen Turnhallenboden, dafür sei die Akustik in der Halle ziemlich gut. Offizielle Turniere können in Räterschen nicht abgehalten werden, die Halle hat nicht die Masse dafür.

Der Vergleich mit der Vergangenheit: Die Aussenhülle wurde nur leicht verändert. Bilder: mad

Zeitlich und finanziell sei das Bauprojekt sehr gut aufgegangen, sagt Albertin. Nur der zum Zentrum zugehörige Bauernbetrieb habe sich etwas anpassen müssen. Ebenfalls sehr gut funktioniert hat der Spendenaufruf, den das Pestalozzihaus gestartet hatte: 2,15 Millionen Franken wollte man über Stiftungen und Einzelspenden gewinnen. 3 Millionen Franken steuerten Bund und Kanton bei, 2,15 Millionen stammten aus Eigenkapital. «Wir haben am Ende sogar mehr als erhofft erhalten», sagt Albertin. 20 Stiftungen sind dem Aufruf gefolgt und teilweise seien Grossbeträge von bis zu 300000 Franken eingegangen. In Absprache mit den Spendern wird das überschüssige Geld nun für die Sanierung des Oberstufenschulhauses eingesetzt.

Neue Therapieangebote

In zehn bis fünfzehn Jahren steht dem Zentrum die zweite grosse Bauetappe bevor, dann sollen die zwei Wohnhäuser Linden- und Sonnenhof ersetzt werden. «Sie stammen aus den Sechzigerjahren und sind schlecht isoliert», erklärt Albertin. Es gehe darum, die Substanz zu verbessern und nicht, das Schulheim auszubauen: «Es wird nicht mehr Plätze geben.» Allenfalls werde man aber neue Therapieangebote einrichten, die auf die heutigen Bedürfnisse abgestimmt sind. «Kinder sind heute oft in Teilzeit hier. Flexible und kurzfristige Angebote sind hoch im Kurs», sagt Albertin. Dass ein Kind zehn Jahre lang bis zur Lehre im Heim lebe, komme nicht mehr so oft vor. Beliebt seien sogenannte Time-Out-Angebote, in denen Kinder für einige Wochen bis Monate zur Schule gehen können.

Nach wie vor ist das Zentrum sehr gut ausgelastet. «Wir haben jede Woche Anfragen», sagt Albertin. Das liege auch an der Kombination mit dem Landwirtschaftsbetrieb. «Es erstaunt mich immer wieder, wie die Tiere auch städtische Kinder begeistern.»

Erstellt: 08.11.2019, 16:00 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles