Region

Hochzeitssaison für kleine Spitex-Vereine

Die immer vielfältigeren Aufgaben und der administrative Aufwand zwingen Spitex-Vereine zur Fusion. Zwei Beispiele aus dem Umland von Winterthur.

Hier soll die Zentrale der fusionierten Spitex werden: Im Büro in Hettlingen.

Hier soll die Zentrale der fusionierten Spitex werden: Im Büro in Hettlingen. Bild: Michele Limina

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Die Spitex gehört heute so selbstverständlich zur Gesundheitsversorgung, dass kaum noch jemand weiss, wofür die Abkürzung eigentlich steht: spitalexterne Pflege. Ihre Wurzeln hat sie am Anfang des 19. Jahrhunderts. Private sprangen damals in die Bresche, weil die Behörden mit sozialen Missständen nicht klar kamen. Frauenvereine boten vor allem grossen Familien ihre Hilfe an. Finanziell unterstützt wurden sie von Kirchen, ihre Leistungen erbrachten sie meist kostenlos.

Professionalisierungsschübe

Seither hat sich die Unterstützung zu Hause stetig weiterentwickelt, ist professioneller geworden und wird heute von immer mehr Personen in Anspruch genommen. Seit 1995 ist die Spitex in einem Schweizweiten Verband organisiert. Die Gründung wurde durch die Einführung des Krankenversicherungsgesetzes im Jahr 1994 mit angestossen. In den letzten zwanzig Jahren wurde der Leistungskatalog laufend erweitert.

Heute sind die Angestellten der meisten Spitex-Vereine in ein Pflege-Team und ein Haushilfe-Team aufgeteilt. Der administrative Aufwand ist enorm – und für kleine Vereine fast nicht mehr zu bewältigen. Deshalb schliessen sich immer mehr Spitex-Vereine zusammen.

Ein eingängigerer Name

Aktuell sind im Umland von Winterthur zwei Fusionen geplant. Die erste betrifft den Spitex-Zweckverband von Altikon, Dinhard, Ellikon an der Thur und Rickenbach (ADER), der mit dem Spitex-Verein von Seuzach, Hettlingen und Dägerlen (SHD) zusammengehen möchte. Die erste Kontaktaufnahme dafür erfolgte vor ein paar Jahren, als der Leistungskatalog der Spitex um Abend- und Nachtdienste erweitert wurde. Anfang 2015 haben die beiden Partner das Projekt einer übergreifenden Spitex nun konkretisiert und die Fusion auf den Weg gebracht – schlicht «Spitex Regio Seuzach» soll sie heissen.

Der Spitex-Verein von Seuzach, Hettlingen und Dägerlen gehört schon heute zu den grösseren Organisationen. Die Zahl der Mitarbeiterinnen wuchs zuletzt auf 40. Im letzten Herbst musste der Verein darum neu strukturiert und eine zusätzliche Hierarchiestufe eingeführt werden. Noch bis Ende 2014 hatte eine Person die 40 SHD-Angestellten geleitet. Jetzt hat der Verein drei Teamleiterinnen. «Zwei Teams für somatische Pflege und eine für psychosoziale Pflege», erläutert Vize-Präsidentin Maria Weber.

Mit der neuen Struktur hat der Verein zudem eine zusätzliche Ausbildungsstelle geschaffen. «Heute ist es nicht einfach, gut qualifiziertes Personal zu finden», sagt Beatrice Dancsecs, die operative Leiterin des Vereins. «Wir möchten deshalb auch vermehrt ausbildend tätig sein.» Sie finde es zudem wichtig, dem Personal ein interessantes Arbeitsumfeld und Perspektiven zu bieten. «Die Arbeit in der Pflege und Betreuung ist anstrengend, da sind gute Rahmenbedingungen umso wichtiger», sagt Dancsecs.

Die Fusion soll per 1. Januar 2017 abgeschlossen sein. Beide Seiten erwarten sich davon Vorteile in der speditiven Bewältigung der Administration. Der grössere Rahmen schafft zudem die Grundlage, Pflege in noch mehr Spezialbereichen anbieten zu können.

Reine Formsache in Illnau

Die zweite Fusion in der Region Winterthur ist zwischen den Spitex-Betrieben Lindau und Illnau-Effretikon geplant. Da sie seit 2011 bereits örtlich vereint sind – im Alterszentrum Bruggwiesen – ist der Zusammenschluss aber hauptsächlich eine Formsache, wie die Präsidentin des Spitex-Vereins Lindau, Claudia Brändli-Bättig, sagt. Die zwei Vereine haben bereits denselben Betriebsleiter und dieselbe Angestellte für Einsatzplanung, Rechnungswesen, Administration und Materialverwaltung. Mit der Fusion, über die im Herbst 2015 abgestimmt wird, würden also Doppelspurigkeiten verschwinden. «Diese kosten nur Geld und bringen weder für Personal noch für Patienten einen Vorteil», sagt Brändli-Bättig.

Erstellt: 24.06.2015, 18:44 Uhr

Spitex Winterthur

Kein Spareffekt
Die sechs Spitex-Zentren der Winterthurer Quartiere sind ­bereits seit Jahren zur Spitex Winterthur zusammengeschlossen. 2007 wurde die Haushilfe in die Spitex integriert; sie wird seither neben der Pflege angeboten. Heute arbeiten in den zwei Bereichen rund 240 Personen, sie teilen sich 120 Vollzeitstellen. «Der Zusammenschluss hat sich bewährt», sagt Heidi Kropf-Walter, ­Zuständige für Unternehmensentwicklung Alter und Pflege bei der Stadt. Allerdings müssten die einzelnen ­Zentren teilweise auch autonom bleiben. Zum Beispiel müsse die Einsatzplanung in den Spitex-Zentren stattfinden, nur dort sei klar, wann welche Leute überhaupt verfügbar seien. Andererseits mache es in Winterthur Sinn, Spezialdienste, wie Wundexpertise oder psychiatrische Versorgung, zentral zu organisieren. Die Spitex Winterthur plane zur Zeit keine weitere Fusionen, sagt Kropf-Walter. Die Zusammenschlüsse im Umland seien nachvollziehbar: «Bei der Administration und den ­internen Dienstleistungen ­profitieren die Gemeinden.» Hingegen könne in der Spitex mit Fusionen kaum ­gespart werden.

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