Wiesendangen

Hundegebell ist laut Experte tragbar

Das Tierheim in Gundetswil ist bewilligt. Doch der befürchtete Hundelärm macht den Anwohnern weiter Sorgen. Sie prüfen deshalb rechtliche Schritte.

Der Bauernhof Grundstein auf der Anhöhe, im Vordergrund liegt das Gundetswiler Wohnquartier.

Der Bauernhof Grundstein auf der Anhöhe, im Vordergrund liegt das Gundetswiler Wohnquartier. Bild: Marc Dahinden

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Ein Gänseschrittchen näher am Ziel ist der Tierschutzverein Winterthur und Umgebung, Letzte Woche hat der Verein nach 18 Monaten die Bewilligung von Kanton und Gemeinde für den Bau eines Tierheims in Gundetswil bei Wiesendangen erhalten. Aktuar Thuri Bänziger beurteilt die Auflagen im 40-seitigen Dokument als machbar.

Maximal 25 Hunde erlaubt

In einem Fachgutachten beurteilt ein Akustiker den Lärm des Gebells als tragbar: «In der Landwirtschaftszone sind Geräusche wie jene eines Heugebläses oder einer landwirtschaftlichen Tierzucht zu tolerieren. Kämen solche Geräusche hier vor, würden die Hundelaute in diesen zonengemässen Geräuschen aufgehen.» Sprich: Ein Heugebläse ist zonenkonform und mindestens so laut wie Hundegebell. Der Kanton erlaubt dem Verein deshalb maximal 25 Hunde in Gundetswil halten zu dürfen.

Allerdings müsse der Verein darauf achten, die Hundezwinger so anzuordnen, dass möglichst wenig Lärm entsteht. In der Nacht müssen die Hunde zudem im Innern des Heims gehalten werden. Die Gemeinde Wiesendangen behält sich in ihrer Bewilligung zudem das Recht vor, zu einem späteren Zeitpunkt weitere Lärmbegrenzungen zu verordnen, falls es Beschwerden gibt.

Eine Lärmschutzwand genehmigte der Kanton nicht. «Diese ist aufgrund der Lage in der Landwirtschaftszone nicht bewilligt worden», sagt Bänziger. Stattdessen wird ein sogenannter Lebhag, also eine Hecke, den Lärm abhalten. Weitere Bepflanzungen mit einheimischen und standortgerechten Holzgewächsen sollen ebenfalls zur Ruhe beitragen. «Laut den Akustikern dämmt diese Massnahme den Lärm nur um 0,5 Dezibel weniger stark als eine Lärmschutzwand.»

«In der  Landwirtschaftszone sind Geräusche wie jene eines Heugebläses oder einer  landwirtschaftlichen Tierzucht zu  tolerieren.»Aus dem Fachgutachten des Akustik-Experten

Jakob Enz, direkter Anwohner des Bauernhofs Grundstein, will nun rechtliche Schritte abklären lassen. Er fürchtet, dass durch das Hundegebell sein Haus an Wert verlieren könnte. «Fünf bis zehn Hunde wären vielleicht noch gegangen, aber 25 Hunde sind doch nicht normal», sagt er. Enz befürchtet, dass er während 365 Tagen im Jahr keine Ruhe mehr hat.

Im Quartier nordwestlich des geplanten Tierheims lautet der Tenor ähnlich. Ein Anwohner sagt: «Die Problematik ist immer noch die gleiche. Ein paar Bäume hinzustellen ist doch noch kein Lärmschutz.»

Anwohnerin Rebekka Hugger will sich ebenfalls gegen den Umbau wehren und Rekurs gegen die Bewilligung einlegen. «Man wird die Hunde mit hundertprozentiger Sicherheit bellen hören.» Am Bauernhof führt ein Spazierweg vorbei. «Hunde hören extrem gut und wenn einer zu bellen beginnt, lärmen die 24 anderen ebenfalls.»

Igelstation ab Frühjahr

Kommt dazu: Im Nordosten Gundetswils beim Heligsbüel wird bereits eine Hühnerfarm betrieben. Mehrere Anwohner berichten, dass sie im Sommer je nach Windrichtung nicht mehr draussen essen könnten, weil es «derartig» stinke. «Wir finden, es reicht jetzt langsam», sagt Hugger und fügt an, dass etliche Leute im Quartier gebe, die so denken würden. Sie weist auch darauf hin, dass im Tierheim eine Voliere geplant ist. «Ein Heugebläse ist aber lauter als zwitschernde Vögel», sagt Aktuar Bänziger.

Für ihn und den Tierschutzverein geht es nun darum, Geld für den Umbau aufzutreiben: «Mit einem breit abgestützten Patronatskomitee werden wir mehrheitlich Stiftungen anschreiben.» Wichtig ist für Bänziger auch, dass das Provisorium in der Garage des Bauernhofes genehmigt worden ist. «Darin sollen Katzen und Kleintiere bis zur Inbetriebnahme des Tierschutzbetriebs aufgenommen werden.» Ab diesem Frühjahr sollen zudem die Tiere der Igelstation Winterthur von Erika Heller in den Grundstein nach Gundetswil ziehen. Heller will die Station nach 50 Jahren schliessen. «Der Tierschutzverein kann sich damit endlich seinem eigentlichen Zweck, der Betreuung der Tiere, zuwenden», sagt Bänziger. Ob das Provisorium auch gebaut werden kann, wenn Rekurse gegen das gesamte Projekt eintreffen, ist aber noch unklar. (Landbote)

Erstellt: 18.01.2018, 17:44 Uhr

Das Tierheim liegt oberhalb eines Quartiers. Quelle: red/©swisstopo (JM100004), Grafik mk

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