Neftenbach

«Ich will keinen Parteiparolen folgen»

Sie erklärt mit feiner Stimme, dass es bei der Wahl ums Gemeindepräsidium mehr auf die Person und weniger auf die Partei ankomme. Im Interview verrät Maja Reding Vestner ausserdem, warum sie den Steuerfuss momentan beibehalten würde.

Hier im Businesslook, sonst aber auch gern sportlich unterwegs: Maja Reding Vestner. Foto: Madeleine Schoder

Hier im Businesslook, sonst aber auch gern sportlich unterwegs: Maja Reding Vestner. Foto: Madeleine Schoder

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Sie sind seit einem Jahr Gemeinderätin, wann haben Sie sich entschlossen als Gemeindepräsidentin zu kandidieren?
Maja Reding Vestner: Nicht sofort. Etwa eine Woche nach Martin Hubers Bekanntgabe seines Rücktritts im Gemeinderat. Wir waren von dieser Mitteilung sehr überrascht. Es entstand zunächst ein Vakuum und erst allmählich kam die Frage auf, wer sich vorstellen könnte, fürs Präsidium zu kandidieren. Ich klärte ab, wie das Gemeinderatskollegium, meine Familie und der Vorstand der Freien Wähler zu meiner allfälligen Kandidatur stehen würden. Und kam dann zum Schluss, es zu tun.

Was reizt Sie am Präsidium?
Ich habe ja schon verschiedenen Vereinen und Institutionen vorgestanden, zum Beispiel habe ich die Fachgruppe Kommunikation des Schweizerischen Dachverbandes Mediation präsidiert. Ich bin gern strategisch unterwegs und es reizt mich, etwas mitzugestalten. Ich arbeite auch sehr gern in Teams. Der heutige Gemeinderat pflegt eine herausragende Kommunikationskultur auf einem hohen kollegialen Niveau. Parteien spielen hierbei überhaupt keine Rolle. Das erleichterte meinen Entscheid.

«Das Restaurant meiner Eltern war eine politische Hochburg. Dort waren politische Meinungen von schwarz bis rot vertreten.»

Woher erhalten Sie Unterstützung?
Von Leuten, die unabhängige Kandidatinnen und Kandidaten unterstützen und solchen, die mich kennen. Bei Gemeindewahlen kommt es mehr auf die Person als auf die Partei an.

Wenn Sie sich aber politisch verorten müssen, wo wäre das?
Von meiner Prägung und vom Elternhaus her bin ich ganz klar bürgerlich. Ich stamme aus einer Gastrofamilie in Wohlen (AG). Das Restaurant Bahnhofbuffet meiner Eltern war insofern eine politische Hochburg, als dort politische Meinungen von schwarz bis rot vertreten waren, also von der CVP bis zu den Sozialdemokraten. Im Restaurant standen neben kleineren zwei lange Tische: An einem sassen die Unternehmer und am anderen die Arbeiterinnen und Arbeiter. Wir, respektive mein Vater war aber ganz klar freisinnig. Aber er war auch ein grosser Philantrop, also ein Menschenfreund. Das hat mich beeinflusst.

Die FDP Neftenbach präsentierte Jörg Maier mit den Worten, man sei bestrebt, die nachhaltige bürgerliche Politik in Neftenbach fortzusetzen. Worin unterscheiden Sie sich von Ihrem Kontrahenten?
Die Kontinuität der bürgerlichen Politik ist so oder so gegeben. Ich will aber keinen Parteiparolen folgen und meine Kompetenzen unabhängig zum Wohl der Gemeinde einbringen. Die Kollegialität, respektive dass man sich im Gemeinderat gut versteht, ist meines Erachtens wichtiger als die politische Ausrichtung.

«Die Kollegialität ist wichtiger als die politische Ausrichtung.»

Sie waren bei der FDP zu einem Hearing eingeladen. Wurde dort eine Diskrepanz sichtbar?
Beim Thema Steuern gab ich wohl nicht die erwartete Antwort. Ich sagte sinngemäss, dass ich es im Moment angesichts bevorstehender Investitionen wie dem Schulhausbau nicht klug finden würde, den Steuerfuss zu reduzieren. Ich bin aber nicht generell gegen Steuersenkungen. Ich würde die Steuern jedoch zu diesem Zeitpunkt auch nicht erhöhen wollen, wie es einem Gerücht zufolge im Dorf hiess. Abgesehen davon, dass man auch als Präsidentin die Steuern nicht einfach allein erhöhen oder senken kann.

Neftenbach hatte mit Cornélia Amacker schon einmal eine Gemeindepräsidentin. Wie würden Sie Ihre Chancen einstufen?
Nach einem Jahr als Gemeinderätin habe ich es wohl einfacher, als mein Mitbewerber, der von ausserhalb des Gemeinderates kommt. Ich muss aber sagen, dass ich mir eine Wahl gewünscht habe. Die Legitimation für das Amt ist dadurch grösser.

Ihre Meinung zum Thema Gleichstellung? Wo stehen wir?
Meines Erachtens wurde schon vieles erreicht. Aber es braucht immer noch Anstrengungen, etwa in Sachen Lohngleichheit. Auf unserer Gemeindeverwaltung ist sie aber umgesetzt. Bei der Rekrutierung lege ich Wert darauf. Im Endeffekt muss ich aber für alle schauen, für die Mitarbeiterinnen wie auch für die Mitarbeiter. Die Männer als schlecht zu pauschalisieren, lehne ich ab. Es kommt immer auf die einzelne Person an.

Erstellt: 15.08.2019, 18:04 Uhr

Zur Person

Maja Reding Vestner ist 53 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines 17-Jährigen Sohnes. Seit 2009 lebt sie mit ihrer Familie im Quartier Chlimberg.

Beruflich berät die selbständige Mediatorin Firmen in der Privatwirtschaft wie auch öffentliche Verwaltungen. Sie ist auf Verhandlungsführung, Interkulturalität und die Ausbildung von Führungskräften spezialisiert.

Als Mitglied der Freien Wähler wurde sie vor einem Jahr in den Gemeinderat gewählt, wo sie seither für die Ressorts Liegenschaften, Sport, Sportanlagen und Schulhäuser zuständig ist.

Sie präsidierte die Fachgruppe Kommunikation des Schweizerischen Dachverbands für Mediation und bis letztes Jahr auch Soroptimist International Winterthur, einen Zweig des weltweit grössten Service-Clubs für Frauen in verantwortlichen Positionen im Berufsleben..


Kampfwahl ums Präsidium

Maja Reding Vestner (Freie Wähler) und Jörg Maier (FDP) kämpfen um das Gemeindepräsidium von Neftenbach, über das am 1. September an der Urne abgestimmt wird. Das Interview mit Jörg Maier erschien gestern.

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