Neftenbach

«Ich würde die Steuern moderat senken»

Er sagt gern «Punkt. Ende der Stange» am Ende einer Antwort. Jörg Maier verrät im Interview aber auch, weshalb seine Kandidatur für das Gemeindepräsidium erst kurz vor Ablauf der Frist erfolgte und warum er die Steuern reduzieren würde.

Trägt gern Landhausmode: Jörg Maier, dessen Vater aus der Steiermark in die Schweiz kam.

Trägt gern Landhausmode: Jörg Maier, dessen Vater aus der Steiermark in die Schweiz kam. Bild: Madeleine Schoder

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Sie haben Ihre Kandidatur für das Gemeindepräsidium am letzten Tag der Frist bekanntgegeben, weshalb so spät?
Jörg Maier: Das hat eine Vorgeschichte. Eigentlich wollte meine Partei, die FDP, dass die Wahlen für das Gemeindepräsidium und den freien Sitz still über die Bühne gehen: Die bisherige Gemeinderätin Maja Reding Vestner sollte Gemeindepräsidentin werden und ich den Sitz im Gemeinderat erben. Als dann aber die Freien Wähler den Grünliberalen Peter Meier als Herausforderer präsentierten, haben wir uns dazu entschlossen, auch für das Präsidium zu kandidieren.

Sie hätten sich ursprünglich mit dem Gemeinderatsamt begnügt?
Ja, ursprünglich. Heute aber streben wir das Präsidialamt an.

Und falls Sie am 1. September nur in den Gemeinderat, nicht aber als Präsident gewählt werden?
Dann wäre ich halt einfach ein Mitglied des Gemeinderates. Punkt. Ende der Stange.

Sich einer Frau als Präsidentin unterzuordnen würde Ihnen keine Mühe bereiten?
Nein, damit hätte ich überhaupt keine Schwierigkeiten. So ein Alphatier bin ich nicht.

Es könnte aber auch der um­gekehrte Fall eintreten: Maja Reding Vestner bleibt Gemeinderätin und Sie werden Gemeindepräsident. Für wie wahrscheinlich halten Sie das?
Wenn ich einen Blick in die Glaskugel werfe, habe ich auf jeden Fall das Gefühl, punkto Wahlchancen gut unterwegs zu sein.

Was reizt Sie am Präsidium?
Die neue Aufgabe und Herausforderung. Meines Erachtens gilt es, die hohe Lebensqualität in unserer Gemeinde zu erhalten und weiterzutreiben. Oder anders gesagt: Verbesserungen zu erzielen, wo man sie sieht.

Und wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?
Zum Beispiel bei den Steuern und beim Öffentlichen Verkehr.

Ist Ihnen der Steuerfuss von Neftenbach, aktuell 109 Prozent, zu hoch oder zu tief?
Ich würde mich dafür einsetzen, ihn moderat zu senken.

Sie waren als Vorstandsmitglied der FDP aber miteinbezogen, als der Gemeinderat unter «Ihrem» Gemeindepräsidenten Martin Huber die schrittweise Steuererhöhung von 101 auf 109 Prozent vorgeschlagen und durchgesetzt hat?
Durchaus, aber die Abschlüsse in letzter Zeit waren so gut, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern tendenziell etwas davon zurückgeben sollten.

Kampfwahl ums Präsidium
Jörg Maier (FDP) und Maja Reding Vestner (Freie Wähler) kämpfen um das Gemeindepräsidium von Neftenbach, über das am 1. September an der Urne abgestimmt wird. Das Interview mit Gemeinderätin Reding folgt morgen.(dt)

Von welcher Seite erhalten Sie für Ihre Präsidiumskandidatur Unterstützung?
Die SVP und der Gewerbeverein Neftenbach unterstützen mich.

Wie wurden Sie politisch geprägt?
Mein Vater war politisch überhaupt nicht tätig und Politik interessierte mich in jungen Jahren überhaupt nicht. Tendenziell bin ich eher rechts angesiedelt und könnte theoretisch auch in der SVP sein. Es passt einem in jeder Partei etwas und anderes nicht. Die liberal gesinnte FDP ist für mich als Unternehmer aber der richtige Ort.

Worin unterscheiden Sie sich von Ihrer Kontrahentin?
Ich glaube, ich besitze mehr Führungsstärke.

Sie wissen aber schon, dass Ihre Mitbewerberin Mediatorin ist und als solche auf Verhandlungsführung, Interkulturalität und die Ausbildung von Führungskräften spezialisiert ist?
Ja, aber das ist mehr theoretisch.

Wo liegt Ihre Praxiserfahrung im Führungsbereich?
Neben meiner Selbständigkeit als Unternehmensberater bin ich seit über 20 Jahren Geschäftsführer der Vereinigung Detailfachgeschäfte Winterthur und Umgebung und bin überdies als Friedensrichter tätig, was Verhandlungsgeschick erfordert.

Ihre Meinung zur Gleich­stellung der Frau? Wo stehen wir und wohin soll sich die Gesellschaft entwickeln?
Gleichstellung ist für mich selbstverständlich. Die totale Gleichstellung von Mann und Frau auf allen Ebenen ist meines Erachtens heute aber noch nicht möglich. Weil sich Frauen heutzutage oft immer noch nicht gleich gut verkaufen können wie Männer. Am Frauenstreik haben mich die Sprayereien sehr geärgert. Sie von der Fassade meines Büros in der Altstadt zu entfernen, kostet mich einige Tausend Franken.

Jörg Maier (FDP) ist 61 Jahre alt und seit 27 Jahren selbstständig als Unternehmensberater und Treuhänder tätig. Gleich lang ist er Geschäftsführer der Vereinigung Detailfachgeschäfte Winterthur und Umgebung und ist aktuell im Vorstand der Familien-Ausgleichskasse. Der Vater eines erwachsenen Sohnes lebt mit seiner Frau seit 1985 in Neftenbach. Gelernt hat er Maler und Polier auf dem Elternhof in Luzern. Später absolvierte er die Höhere Wirtschafts- und Verwaltungsschule. Seit über 20 Jahren ist er als Friedensrichter tätig. Behördenerfahrung hat er in der Kirchenpflege der katholischen Kirchgemeinde Pfungen-Neftenbach, in deren RPK und als Präsident der Fürsorgebehörde gesammelt.

Erstellt: 14.08.2019, 17:53 Uhr

Auch um den vakanten Gemeinderatssitz wird gekämpft

Meier gegen Maier

Um den Sitz im Gemeinderat von Neftenbach, der durch den Rücktritt von Gemeindepräsident Martin Huber (FDP) frei geworden ist, buhlt neben Jörg Maier (FDP), der ebenso für das Präsidium kandidiert, auch Peter Meier (GLP). Meier ist 58 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern und Geschäftsführer einer Informatikfirma. Er lebt seit 42 Jahren in Neftenbach, wo er dem Handbballclub als Ehrenmitglied angehört und gut vernetzt ist. Meier ist Mitglied der Grünliberalen Partei und wird für seine Kandidatur von den Freien Wählern unterstützt. «Ich möchte in Neftenbach eine erste grünliberale Note setzen», sagt der Mitbegründer der Energiewendegenossenschaft Winterthur. Im Gemeinderat würde er sich unter anderem für die Förderung von erneuerbaren Energien und lokalen Arbeitsplätzen einsetzen wollen, wie auch für ein «zeitgemässes Verkehrsregime». Zur Frage einer möglichen Steuersenkung sagt Peter Meier: «Darüber kann man nachdenken.» Grundsätzlich solle aber die Devise gelten, dass die Gemeinde weder Schuldenwirtschaft noch grosse Depotbildung betreibe. (dt)

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