Pfungen/Neftenbach

«Jedes Auto war lauter als die Gassenschau»

Die Gemeinderäte von Pfungen und Neftenbach wollen bezüglich «Karl’s kühner Gassenschau» enger zusammenarbeiten. Eine gemeinsame Delegation war kürzlich in Olten, wo sie die Lärm- und Verkehrssituation untersuchte.

Karl’s kühne Gassenschau, hier bei der Pfungemer Infoveranstaltung Ende März, will ab 2021 in der Deponie Bruni auftreten.

Karl’s kühne Gassenschau, hier bei der Pfungemer Infoveranstaltung Ende März, will ab 2021 in der Deponie Bruni auftreten. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zwischen 40 bis 45 Dezibel habe das Messgerät an den drei exponiertesten Stellen im Oltner Wohnquartier neben Karl's kühner Gassenschau (KKG) maximal angezeigt, sagt Urs Wuffli (FDP), Neftenbacher Gemeindepräsident ad interim. «Und das nur während wenigen Minuten.»

Das ist in etwa so leise wie ein zwanzig Meter entferntes Gespräch. «Jedes Auto, das an uns vorbeifuhr, war lauter als die Gassenschau», sagt Wuffli.

Am 5. Juli besuchte Wuffli zusammen mit weiteren Gemeinderäten aus Neftenbach und Pfungen in Olten eine Vorstellung der Gassenschau. Dabei hatte die Delegation nebst Messgeräten auch «einen Katalog voll Fragen» dabei und nahm so die Lärm- und Verkehrssituation unter die Lupe.

Denn in zwei Jahren will das landesweit bekannte Theater-Ensemble in der Deponie Bruni in Pfungen auftreten. Für die Gemeinde ist es eine grosse Chance, sich als Kulturort zu positionieren. Die Deponie befindet sich im Süden des Neftenbacher Tössallmend-Quartiers. Dort befürchten Anwohner Lärm und Mehrverkehr, durch die täglich bis zu 1400 Besucher.

In Pfungen gebe es im Gegensatz dazu «kaum bis gar keine Besorgnis», wie Gemeindepräsident Max Rütimann (SVP) sagt. «Die Bevölkerung steht im Grossen und Ganzen hinter dem Projekt und freut sich darauf.»

Stärkere Zusammenarbeit

Durch diese spezielle, gemeindeübergreifende Situation wollen die beiden Behörden «künftig stärker zusammenarbeiten», wie Rütimann sagt. Wuffli ergänzt: «Wenn rundherum alle wütend sind, hat niemand gewonnen. Man kann nicht irgendetwas gegen den Willen der Bevölkerung durchwürgen.» Die Gassenschau sei aber nicht der Anfang einer Fusion, man möchte einfach gutnachbarschaftlich zusammenarbeiten. Bei einer ersten Informationsveranstaltung Ende März war noch keiner der Neftenbacher Gemeinderäte anwesend gewesen.

Transparenz ist ein Wort, das oft fällt. Gassenschau-Projektleiter Thomas Kraft, der Ende Monat das Baugesuch in Pfungen einreichen will, stimmt zu: «Wir wollen unsere Sache gut machen. Es soll nichts unter den Tisch gekehrt werden.» Voraussichtlich ab Mitte August wird das Gesuch öffentlich aufliegen, am 22. August findet in der Neftenbacher Auenrain-Halle eine Informationsveranstaltung der beiden Gemeinden inklusive KKG-Vertretern statt.

«Eine idealere Situation haben wir noch nie erlebt.»Thomas Kraft, Projektleiter Gassenschau

Damit die Gassenschau wirklich in Pfungen auftreten kann, werden aber auch Sonder- und Ausnahmebewilligungen seitens des Kantons nötig sein. Dazu muss die Standortgebundenheit von KKG belegt werden. Sprich: Die Gassenschau muss aufzeigen, weshalb der Platz in Pfungen für ihr Vorhaben ideal geeignet ist. Das ist ein Unterschied zur Stadt Winterthur, die in gewissen Bereichen eine grössere Autonomie besitzt. Kraft sagt angesichts des nahegelegenen Bahnhofs und dem Parkplatz ausserhalb der Wohnquartiere: «Eine idealere Situation haben wir noch nie erlebt.»

Gestaffelte Ankunft

Der Besuch der Delegation in Olten verlief positiv. Nebst Lärm sei auch der Verkehr mit Strassenschildern vom angrenzenden Quartier mit 400 Wohnungen ferngehalten worden, sagt Wuffli und zeigt Handyfotos. «An diesem Abend hatte es in den Quartieren keine Falschparkierer», sagt Wuffli. Auf dem offiziellen Parkplatz sei sehr effizient eingewiesen worden. «Es ist nicht so, dass 50 Autos in einer Kolonne stehen.»

Dank einer von der Gassenschau aufgebaute Gartenbeiz mit rund 700 Plätzen würden viele bereits früher eintreffen und dort etwas trinken oder essen. «Dadurch treffen die Besucher gestaffelt ein», sagt Wuffli. Ein solche Beiz plant KKG auch in Pfungen. «Diese wäre öffentlich zugänglich, erst für die Tribüne braucht es ein Billett», sagt Geschäftsführerin Miriam Frei. Zudem weisen Plakate die Leute an, auf dem Nachhauseweg leise zu sein. «Es wäre ja auch ein kulturinteressiertes, zivilisiertes Publikum, das nicht sofort lärmend nach Hause fährt», sagt Rütimann. Gemäss Konzept sind in Pfungen 300 Besucherparkplätze nordwestlich des Industriegebiets Wani vorgesehen. Für die Durchfahrtsgemeinde Pfungen entspräche das einer Verkehrszunahme von 1,5 Prozent, wie Projektleiter Kraft ausgerechnet hat.

Programm noch unbekannt

Trotz der positiven Erfahrungen in Olten ist ein Vergleich mit Pfungen schwierig. «Jeder Situation ist anders», sagt Geschäftsführerin Frei. So unterscheidet sich etwa die Topografie. «Allerdings ist die Modellierung der Deponie noch nicht fertiggestellt», sagt Rütimann. Zwischen der Tössallmend und dem Spielort soll noch ein Hügel aufgeschüttet werden, der als Lärmwall dient. «Aktuell sieht man also noch nicht die Ausgangslage», sagt Rütimann. Und im Vergleich zum Nachtlärm der Eberhard AG vor zwei Wochen sei der Standort praktisch doppelt so weit vom Wohnquartier entfernt. Noch weiss das Ensemble nicht, mit welchem Thema sie in zwei Jahren auftreten werden. «Wann es wie laut wird, ist also noch offen», sagt Geschäftsführerin Frei.

Nachträgliche Massnahmen

Auf der Bühne in Olten lärmte es in der letzten halben Stunde durchschnittlich 80 bis 85 Dezibel laut. Vor allem, wenn die Schauspieler mit Töffli herumtuckerten und die Musik entsprechend lauter sein musste.

Die Gemeinde Pfungen will im Falle einer Bewilligung vor den ersten Aufführungen Lärmmessungen vor Ort durchführen. «Erst wenn alles steht, können wir mit Messungen die optimalen Lösungen finden», sagt Rütimann. Laut KKG-Geschäftsführerin Frei spielen auch Wetter und Wind eine grosse Rolle: «Unserer Erfahrung nach ist Akustik sehr komplex und muss vor Ort eins zu eins geprüft werden.» Eine Möglichkeit wäre laut Wuffli auch, an der Quelle anzusetzen und den Ton herunterzufahren.

Grundsätzlich glauben die Behörden an eine optimale Lösung. «Wenn die Gassenschau nicht immer wieder Rücksicht auf die Bedürfnisse der Anwohner genommen hätte, würde sie kaum seit 35 Jahren existieren», sagt Projektleiter Kraft.

Erstellt: 12.07.2019, 14:09 Uhr

Artikel zum Thema

«Der Nachtlärm war ein Vorgeschmack»

Neftenbach Der Nachtlärm, den das Tössallmend-Quartier letzthin von der Deoponie Bruni ertragen musste, macht Anwohnerinnen und Anwohner skeptisch auf das, was sie bei Karl's kühner Gassenschau erwarten könnte. Mehr...

Pfungen sei kühn!

Analyse Karl’s kühne Gassenschau will ab 2021 in Pfungen eine grosse Show aufführen. Das sollte nicht an Details scheitern. Mehr...

Ein erster Austausch mit der Gassenschau

Pfungen Karl’s kühne Gassenschau informierte am Samstag zusammen mit der Gemeinde erstmals öffentlich über die Pläne, ab 2021 in der Deponie Bruni aufzutreten. Das Interesse war gross, Anwohner sorgen sich vor allem um Verkehr und Lärm. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles