Elsau

Kanton zwingt Züchter, seine Ställe abzureissen

Geflügelzüchter Paul Fässler räumt mit seinen Appenzeller Spitzhauben einen nationalen Preis nach dem andern ab. Doch nun verlangt der Kanton, dass er mehrere Ställe und Zäune in Schottikon zurückbaut.

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Vor einem Jahr gelang Paul Fässler der grösste Coup: Die Appenzeller-Spitzhauben-Henne des Züchters aus Rümikon holte an der Schweizerischen Kleintierausstellung in Fribourg den Preis als schönstes Huhn der Schweiz. Es hatte sich gegen 1810 Gegnerinnen durchgesetzt. Fässler, der seit 1990 an nationalen Geflügelausstellungen teilnimmt, hatte diesen Titel noch nie errungen.

Im Dezember feierte er erneut einen grossen Erfolg: Ein Hahn, Sohn des Fribourger Meister-Huhns, holt an der Schweizerischen Hähneschau in Frauenfeld den Schweizer Meistertitel. «Mit 97 Punkten, mehr sind gar nicht möglich», sagt Fässler. In der Fachsprache der Jury gilt ein Hahn mit dieser Punktzahl als V-Tier. V steht für vorzüglich.

Vom Nachbarn angeschwärzt

Weniger vorzüglich ist die Zukunft des Zuchtbetriebs in Schottikon. Der Kanton hat Fässler aufgefordert, mehrere Ställe und Zäune zurückzubauen, nachträgliche Bewilligungen lehnte der Kanton zuvor ab. Vor zwei Jahren habe ihn ein Nachbar angeschwärzt, sagt Fässler. Die Ställe, im Schnitt rund jeweils vier Quadratmeter gross, benötigt Fässler, damit er mehrere kleine Zuchtstämme aufziehen kann. «Das bedeutet, dass ich nur ein Huhn und einen Hahn zusammenbringe. Wenn ich einen Hahn auf zehn Hühner loslassen würde, wüsste ich später ja nicht mehr, von welchem Huhn welches Ei stammt.»

So professionell und erfolgreich seine Zucht auch ist, Fässler betreibt sie nur als Hobby. Das ist eines der Probleme: Die Geflügelzucht in der Landwirtschaftszone gilt genau deshalb nicht als Landwirtschaftbetrieb. Er schlachtet die weniger schönen Hühner zwar jeweils selbst, braucht sie aber einzig für den Eigengebrauch.

Noch einmal anders sieht es bei den Zäunen aus: Diese sind zwei Meter hoch und befinden sich teilweise auf dem Grundstück des Kantons und zu nahe bei der Waltensteiner Eulach, die zwischen Bauernhof und Ställen durchfliesst. Darin tummeln sich Gänse und Enten, die Fässler ebenfalls züchtet. Gemäss Kanton haben die Zäune auf diesem Grundstück nichts verloren. Ebenfalls weg sollen die Zäune auf Fässlers Land, sie würden sich «nur ungenügend in die Landschaft einordnen».

Fässler widerspricht: «Es gab eine Abmachung mit dem Kanton.» Bevor sie vor dreissig Jahren mit der Zucht begannen, habe der Kanton die Waltensteiner Eulach korrigiert. «Mein Bruder musste Land abtreten. Im Gegenzug war uns versprochen worden, dass wir den Bereich beim Bach weiterhin nutzen dürfen.» Als die Arbeiten für den unterirdischen Entlastungskanal in die Eulach abgeschlossen waren, habe es eine kleine Feier gegeben, ein Kirschbaum sei gepflanzt worden. «Mein Zaun stand damals bereits, niemand beschwerte sich», sagt Fässler. Allerdings besitzt er die damalige Abmachung mit dem Kanton nicht schriftlich. Zudem ist Fässlers Bruder mittlerweile verstorben.

«Traurige Sache»

Der Elsauer Bauvorsteher Ueli Renggli kann sich noch gut an Fässlers Siegerhuhn vor einem Jahr erinnern. Er sagt: «Ich bin schon ein wenig stolz, dass diese Zucht in unserer Gemeinde liegt.» Die Gemeinde habe um die spezielle Situation gewusst, und immer wieder Gespräche mit Fässler geführt: «Wir waren eher eine Ermöglichungs- statt eine Verhinderungsbehörde.» Dass der Kanton nun den Rückbau fordert, ist für ihn eine traurige Sache, aber «es ist rechtsstaatlich nicht mehr tolerierbar».

Die Gemeinde muss die Vorgaben des Kantons nun in den nächsten Monaten umsetzen. Dabei hat sie einen gewissen Ermessensspielraum. Auf unbestimmte Dauer stehen bleiben darf am Ende einzig das Hauptgebäude der Zucht, eine Volière, die 1987 bewilligt wurde.

Heute hat Fässler darin nebst einigen Spitzhaubenhühnern auch Papageien. Theoretisch hätte er gegen den Entscheid des Kantons rekurrieren können. «Aber das hätte es gemäss meinem Anwalt höchstens hinausgezögert», sagt Fässler. Nun will er sich mit der Gemeinde treffen und herausfinden, wie es mit seiner Zucht in Zukunft weitergehen soll. (Landbote)

Erstellt: 13.02.2019, 16:21 Uhr

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