Elsau/Schlatt

Kritik am Stopp der Schulsanierung

Die Schulpflege schiebt die Sanierung der übervollen Primarschule Elsau zugunsten eines Neubaus auf. An einer Infoveranstaltung waren darüber längst nicht alle glücklich.

Die Primarschule in Elsau ist eigentlich heute schon zu klein für alle Klassen.

Die Primarschule in Elsau ist eigentlich heute schon zu klein für alle Klassen. Bild: Archiv: Johanna Bossart

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«Darauf kann ich ihnen noch keine Antwort geben», war die meist gehörte Antwort am Dienstagabend in Elsau.Immer wieder betonten die Mitglieder der Schulpflege Elsau-Schlatt, es handle sich erst um eine Projektskizze und die Planung des eigentlichen Projekts folge später. Rund 40 Personen waren gekommen, um sich die Ausbaupläne für die Primarschule Elsau anzuhören. Im März werden die Stimmberechtigten an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung über einen Planungskredit von 740000 Franken befinden.

Pavillons im Sommer

Die Schülerzahlen stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich und fielen meistens höher aus, als die Schätzungen es voraussagten. Dazu kommt die geplante Siedlung auf der Rietwiesen, die voraussichtlich weitere 90 Schulkinder beitragen wird. Schon heute wird im Primarschulhaus Elsau teilweise im Flur unterrichtet, was zu Konflikten unter den Kindern führe, erklärte Schulpfleger Thomas Keller. Bereits im nächsten Sommer braucht es einen Pavillon für eine weitere Klasse, die nicht mehr in den bestehenden Gebäude untergebracht werden kann. Im Jahr danach folgt voraussichtlich ein zweiter Pavillon. «Ich habe vorsichtig nachgefragt, man kann bis zu vier aufeinander stapeln», kommentierte Keller halbernst.

Gebäude nicht regelkonform

Die Schulpflege entschied sich im Frühling per Planerwahlverfahren für die Architekten Moos Giuliani Herrmann aus Andelfingen, die ihre Ideen für einen Ausbau und eine Sanierung eingereicht hatten. Bis vor einigen Wochen war die Rede von einem Neubau plus Sanierung der bestehenden Gebäude für 13 bis 14 Millionen Franken. Denn das Primarschulhaus Elsau hat eine Auffrischung dringend nötig, die Gebäude erfüllen diverse Vorgaben nicht mehr. In den letzten Jahren sei nicht mehr viel gemacht worden, weil man auf eine baldige Sanierung gehofft habe, erklärte die Schulpflege.

«In die Bibliothek wurde kein Franken investiert.»Besucherin, 
Infoveranstaltung Schule Elsau-Schlatt

Doch Rechnungsprüfungskommission und Gemeinderat signalisierten der Schulpflege, dass 14 Millionen Franken zu viel für Elsau seien. Sie musste ihre Pläne anpassen und will nun erst einmal einen Neubau für rund 7,4 Millionen Franken erstellen lassen, die Sanierung muss warten. «Ein Gesamtprojekt wäre ehrlicher gewesen, aber der Betrag war unrealistisch», sagt Keller.Mit mehreren Mitarbeiterinnen gut vertreten war an diesem Abend die Schulbibliothek, die sich in der alten Turnhalle befindet. «Seit Jahren heisst es, wir werden einen adäquaten Raum erhalten und jetzt kommt die Bibliothek wieder nicht vor in diesen Plänen?», fragte eine von ihnen. Das Mobiliar sei 30 Jahre alt, der Zugang viel zu schmal und all die neuen Schüler müssen man ja auch bedienen können.

Keller antwortete, dass der Schulraum im Moment zentral sei, die Bibliothek aber nicht vergessen worden sei. «Wir sind überrascht, weil wir auf eine bessere Lösung gehofft haben», sagte eine weitere Bibliotheksmitarbeiterin. Seit langem sei kein Franken investiert worden.

Bis zu sieben neue Zimmer

Viele Fragen drehten sich um die Schätzungen der Schülerzahlen. Keller erklärte, dass die Schulpflege das Projekt deshalb erweiterbar plant. «Wir nennen es ‹Solitär 5 + 2›, weil wir fünf Klassenzimmer bauen und um zwei aufstocken könnten.» Die Erweiterung sei dann quasi während den Sommerferien möglich. Es könne aber auch sein, dass die Schülerzahlen ab einem gewissen Punkt stagnierten: «Wir können es einfach nicht wissen.»

Auf die Primarschule Schlatt auszuweichen sei keine Option, diese sei ebenfalls voll, sagte Keller. Die Elsauer Turnhalle biete dafür gerade noch genug Platz, um die Schüler aus dem Neubau ebenfalls aufzunehmen. Dasselbe gelte für den Pausenplatz. Noch nicht geklärt sei momentan, wo die Pavillons und der Neubau auf dem Schulareal genau hinkommen werden. «Das wird angeschaut, sobald der Planungskredit gesprochen ist», sagte Keller.

Marco Dütsch, zuständig für die Finanzen, erklärte den Anwesenden, dass bei einem Baukredit von 7,4 Millionen Franken mit einer Steuererhöhung um 3 Prozentpunkte zu rechnen sei. Der Steuerfuss der Schule Elsau-Schlatt beträgt heute 68 Prozent.

«Stehen hinterm Projekt»

«Das ist ja nicht ihr Lieblingsprojekt und unter Druck entstanden», warf ein Anwesender ein: «Haben wir jetzt zehn Jahre lang eine Baustelle und am Ende kostet es mehr, als wenn wir alles jetzt machen würden?» Keller antwortete: «Die Schulpflege steht hinter diesen Plänen.» Die Sanierung für das bestehende Schulhaus müsse man erst einmal schätzen und danach «homöopathisch verteilen».

Erstellt: 04.12.2019, 16:43 Uhr

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