Zell

Kuhns letzter Wunsch

Der Buchautor und langjährige Rikon-Patron Jacques Kuhn wünschte sich kurz vor seinem Tod, dass die Lesung am vergangenen Freitag in Rikon auch ohne ihn stattfinden soll. Für seine Frau und Co-Autorin Roswitha Kuhn war es kein leichter Abend.

Roswitha Kuhn signiert nach der Lesung in der Zehntenscheune der Kuhn Rikon AG Bücher, die sie zusammen mit Jacques Kuhn geschrieben hat.

Roswitha Kuhn signiert nach der Lesung in der Zehntenscheune der Kuhn Rikon AG Bücher, die sie zusammen mit Jacques Kuhn geschrieben hat. Bild: Madeleine Schoder

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«Der Polizist liegt im Bett. Er schläft aber nicht, er ist tot.» Mit diesen Sätzen beginnt der dritte Tösstal-Krimi Fusslos. Und mit diesen Worten eröffnete SRF-Sprecher Egon Fässler am vergangenen Freitag in Rikon die Lesung. Es war für alle, die dort waren, ein spezieller Anlass.

Denn Jacques und Roswitha Kuhn haben den Krimi gemeinsam geschrieben. Als unzertrennliches Duo haben sie die Sätze ausgefeilt, ausgiebig über Formulierungen gestritten und vielerorts im Tösstal zusammen die Details recherchiert.

Nun blieb der Stuhl am Freitag neben Roswitha Kuhn leer. Jacques Kuhn, der langjährige Patron der Pfannenfabrik Rikon, ist Ende Dezember 97-jährig gestorben. Einer seiner letzten Wünsche war es gewesen, dass die Lesung am Freitag auch ohne ihn stattfinden sollte. Es war nicht die einzige Aufgabe, die er seiner Frau mit auf den Weg gegeben hat, wie Martin Lüdin, Vorsteher der Kulturkommission, in seiner Ansprache sagte.

So habe sich Kuhn zusätzlich gewünscht, dass seine Frau den bereits begonnenen vierten Tösstal-Krimi beenden soll. Zudem wünschte er sich in Rikon eine festliche, fröhliche Lesung, an der Egon Fässler auch noch besonders schön lesen soll.

Abtauchen in Noldis Welt

Und man kann sagen Egon Fässler hat besonders schön gelesen. Er sass an einem Holztischchen, eine Tischlampe leuchtete auf die Text-Auszüge vor ihm. Die rund 40 Hörer tauchten mit seiner Stimme im Ohr rasch ab in ein anderes Tösstal, das Tösstal von Noldi Oberholzer, dem Polizisten, der in Sternenberg widerwillig einen Mord aufklären muss. Bald wurde klar, dass es sich um ein politisches Tatmotiv handeln muss. Denn der Getötete wollte sich gegen eine Fusion Sternenbergs mit der Nachbargemeinde Bauma wehren.

In der Geschichte kommen immer wieder Orte und Personen vor, die es so oder so ähnlich tatsächlich gibt, etwa manche Gäste im Restaurant Sternen, das Ende Dezember abgebrannt ist: «Viele Leute im Krimi kommen mir bekannt vor», sagte Sternen-Wirtin Marianne Brühwiler, in der Fragerunde nach der Lesung. Sie sei im «Sternen» oft auf das Buch angesprochen worden.

Fusionsdebatte als Inspiration

Tatsächlich sind die Kuhns aufgrund der Fusionsdebatte vor einigen Jahren auf die Idee gekommen, über Sternenberg zu schreiben. «Wir fanden die Fusion schade», sagte Roswitha Kuhn. Sie seien gerne und oft in Sternenberg gewesen. Bereitwillig beantwortete sie alle Fragen aus dem Publikum und taute jeweils dann auf, wenn sie über die Zeit mit Jacques Kuhn sprechen konnte. Sie hätten sich immer Geschichten erzählt, auf Spaziergängen, und nach dem Aufwachen am Morgen. «Er hatte sehr viele Ideen.» Sie habe diese dann in den Computer getippt. Das Schlimmste sei das Korrekturlesen gewesen: «Wir haben heftig diskutiert.» Beim (noch) unvollendeten vierten Band, der vor allem in Wildberg spielt, seien sie sich zunächst über den Beginn der Geschichte nicht einig gewesen: Soll das Buch mit dem Fund einer Leiche starten oder mit einem Brand?

Als eine Frau eine Frage zum krummen Hirschgeweih in Fusslos stellte, antwortete ihr Roswitha Kuhn: «Da müssten wir jetzt Jacques fragen.»

Erstellt: 29.01.2017, 14:11 Uhr

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