Seuzach

Marroni-Müller sagt Ade

Nach 16 Jahren geben Susi und Steve Greenidge die Müller-Verkaufsstände auf. Im nächsten Winter werden sie keine «heissen Marroni» mehr am Oberen Graben verkaufen.

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Die Marroni-Saison neigt sich dem Ende zu. Doch für Susi und Steve Greenidge ist es dieses Mal kein Abschied auf Zeit, sondern ein endgültiges Ade. Nach 16 Jahren Selbstständigkeit schliessen sie den Familienbetrieb in zweiter Generation. Die letzten Säckli mit «heissen Marroni» verkaufen sie am Samstag, 16. Februar im Oberen Graben in Winterthur.

«Es wäre schön, wenn auch mein Vater dann nochmals dabei wäre», sagt Susi Greenidge. Ihr Vater, Walter Müller hat das Unternehmen der Müller-Verkaufsstände aufgebaut.

«Wir gehen schweren Herzens»

1988 stand er mit seinem ersten Marronistand jeweils am Samstag im Zentrum Töss. Dann  war er auch unter der Woche am Bahnhof in Kloten anzutreffen. Gut zwei Jahre später ergab sich die Möglichkeit, den Stand in Winterthur aufzustellen.

Im Oberen Graben, wo der Marronistand bis heute noch steht, gehört das orange-braun gestreifte Zelt zum gewohnten Erscheinungsbild während der Wintermonate. «Wir gehen schweren Herzens», sagt Susi Greenidge. Manchen ihrer Stammkunden haben sie die traurige Nachricht bereits überbracht, einigen hat sie sogar einen Brief geschrieben.

Höhere Gebühren

Seit etwa zwei Jahren sei es immer wieder schwierig gewesen, mit den Ständen genügend Umsatz einzubringen. Neben dem Marronistand waren die Greenidges auch mit Confisserieständen an Dorffesten und Ausstellungen unterwegs.

«Es kann einfach nicht sein, dass man so viel arbeitet und dann so wenig dabei herauskommt», sagt die Geschäftsfrau. Die Standgebühren seien in den vergangenen Jahren immer wieder gestiegen. Ausserdem hätten sie ständig Neuerungen an ihren Wagen anbringen müssen, was ebenfalls Geld gekostet habe. 

Doch die finanziellen Mittel seien nicht der einzige Grund für das Einstellen des Geschäfts. «Wir hatten immer wenig Zeit für Freunde», sagt Greenidge. Da sie und ihr Mann oft auch an Wochenenden hinter den heissen Marronikesseln gestanden haben, war es schwierig sich mit Leuten zu treffen. «So viele Geburtstage haben wir schon verpasst.» Die Greenidges freuen sich nun auf eine Arbeitswoche von Montag bis Freitag.

Grosses Angebot

Ihr Mann habe bereits eine neue Arbeitstelle, die er im April antreten wird. Die ausgebildete kaufmännische Angestellte ist noch auf der Suche nach einem Teilzeitjob. «Davor habe ich aber keine Angst», sagt Susi Greenidge.

«Ich bin  dankbar für alles, was wir erleben durften.»

Natürlich hoffe sie, rasch eine Stelle zu finden, aber sie könne viel Erfahrung aufweisen. Denn die ganzen Büroarbeiten habe sie neben Haushalt und Kind immer selbst erledigt.

Für Susi Greenidge ist der Abschied besonders schwer, sie ist neben den Marroniofen aufgewachsen. «Ich bin  dankbar für alles, was wir in der Zeit erleben durften.» Da das Angebot an Take-Away Essen so enorm zugenommen habe, ging die Nachfrage aber immer mehr zurück. «Am Anfang gab es nur einen Beck und den Crêpes-Stand in der Marktgasse.»

Als dann auch noch die Stadtverwaltung vom Oberen Graben weggezogen sei, hätten sie das deutlich gespürt- Auch das grosse Shopping-Angebot im Internet ging nicht spurlos an ihnen vorbei. «Die Leute gehen immer weniger in die Stadt, um einzukaufen.» Bei Regenwetter sei es besonders schlimm gewesen.

Jetzt sucht Greenidge nach einem Abnehmer für ihr Inventar. Das bereite ihr besonders viel Kopfzerbrechen, doch ganz alles möchte sie nicht hergeben. «Einige Kessel wollen wir einfach für den Privatgebrauch behalten.» So könnten sie auch einmal ein Marronifest für ihre Freunde und Familie ausrichten. Denn ganz auf die «heissen Marroni» zu verzichten, ist für die Greenidges keine Option.

(Der Landbote)

Erstellt: 12.02.2019, 12:16 Uhr

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