Seuzach

Milligramm sind nicht Promille

Wegen Fahren in angetrunkenem Zustand hat das Bezirksgericht Winterthur am Montag einen Mann verurteilt. Für Diskussion sorgte die neue Messeinheit.

Der Atemlufttest zeigte einen Wert von 0.51 Milligramm Alkohol pro Liter an.

Der Atemlufttest zeigte einen Wert von 0.51 Milligramm Alkohol pro Liter an. Bild: Symbolbild/Keystone

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Der Angeklagte war auf dem Heimweg von einer Geburtstagsparty in Winterthur, als er auf der Autobahn bei Seuzach von der Polizei angehalten und auf Alkohol kontrolliert wurde. Das Resultat zeigte 0,51 Milligramm Alkohol pro Liter Atemluft (mg/l) an, die zulässige Menge sind 0,25 mg/l. Am Montag hat das Bezirksgericht Winterthur den Fall behandelt. Der Angeklagte war grundsätzlich geständig. Er habe zwei Bier und einen Gin Tonic getrunken und sei um halb drei Uhr nachts nach Hause gefahren. Er habe nicht gedacht, dass er mit diesen drei Getränken die zulässige Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille bereits überschritten habe, sagte der 190 Zentimeter grosse Mann.

Neue Messmethode seit Herbst 2016

Er habe deshalb, als er nach dem ersten Test die Zahl 0,4 hörte, geglaubt, dass er zwar knapp, aber doch noch unter der zulässigen Promillegrenze lag.

Was der Angeklagte nicht realisierte: Seit Oktober 2016 wird nicht mehr in Promille gemessen, sondern in Milligramm pro Liter Atemluft. Zudem führt die Polizei seither ein zweites, beweissicheres Messgerät mit sich. Dadurch erübrigen sich in vielen Fällen die bislang nötigen, kostspieligen und zeitaufwendigen Blutproben, wenn der erste Test mehr als 0,8 Promille anzeigte.

Zweite Messung statt Blutprobe

Grundsätzlich darf jeder Lenker nach der Messung mit dem ersten Gerät, dem sogenannten Alkohol-Testgerät, weiterhin auf eine Blutprobe bestehen. Mittels seiner Unterschrift kann er bei einer Kontrolle aber darauf verzichten zugunsten eines Tests gleich vor Ort mit dem neuen sogenannten Alkohol-Messgerät.

«Dass der Angeklagte grundsätzlich zu viel Alkohol intus hatte, daran ändert die Messmethode nichts.»Richterin

Der Angeklagte sagte vor Gericht, dass er auf eine Blutprobe bestanden hätte, wenn ihm bewusst gewesen wäre, dass im ersten Test 0,4 Miligramm pro Liter, also rund 0,8 Promille, gemessen worden waren. Sein Anwalt plädierte daraus folgernd auf Freispruch und machte zudem mutmassliche Mängel in der Handhabung des Messgeräts geltend. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass sein Mandant, ein grosser Mann, nach dem Konsum von nur drei alkoholischen Getränken auf diese Menge Alkohol in der Atemluft kommen könne.

Geldstrafe in Höhe von 4500 Franken

Die Richterin folgte aber dem Antrag der Staatsanwaltschaft und befand den Angeklagten für schuldig und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 90 Franken. Das neue Messgerät werde ja genau deshalb eingesetzt, weil es beweissicher sei. Dass der Angeklagte grundsätzlich zu viel Alkohol intus hatte, daran ändere die Messmethode nichts, führte sie weiter aus. Und sie gab zu bedenken, dass sie eher an der Aussage des Angeklagten zweifle, dass er während der sechsstündigen Geburtstagsparty nur drei Getränke konsumiert habe, als dass sie die Genauigkeit eines beweissicheren Messgeräts in Frage stelle. (clp)

Erstellt: 13.02.2018, 15:21 Uhr

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