Ossingen

Neuer Grabstein für ertrunkenen Serben

Am Husemersee weihte die Gemeinschaft der Serben ein saniertes Grabmal für einen ertrunkenen Landsmann ein. Er war vor 70 Jahren im Lager Wehri interniert gewesen.

Vor kurzem wiederentdeckt und von der Gemeinschaft der Serben saniert: Das Grabmal für einen im Husemersee ertrunkenen Serben.

Vor kurzem wiederentdeckt und von der Gemeinschaft der Serben saniert: Das Grabmal für einen im Husemersee ertrunkenen Serben. Bild: Barbara Truninger

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Im Jahr 1942, während des Zweiten Weltkriegs, waren die Bauern und Gemeinden von Ossingen und Umgebung überfordert mit den aufwendigen Rodungen und Ackerarbeiten. Da viele einheimische Arbeitskräfte im aktiven Militärdienst waren, wurde schliesslich das Interniertenlager Wehri eröffnet. Das Lager diente 120 Jugoslawen und 30 Russen als Unterkunft. Die Internierten wurden unter anderem für das Torfstechen beim Husemersee eingesetzt. Am 26. August 1943 ereignete sich dort ein tragischer Unfall: Der Serbe Marko Orlovic sprang überhitzt ins Wasser und verlor dabei sein Leben.

Damals wurde für ihn ein Grabmal errichtet. Letztes Jahr hat die Gemeinschaft der Serben beschlossen, das Grabmal zu sanieren und zu verschönern. Am Wochenende kamen nun 40 Personen zusammen, um des Verstorbenen sowie aller Beteiligten zu gedenken. Dragan Gavric, Präsident der Gemeinschaft, eröffnete am Samstagmittag die Gedenkfeier am Husemersee und gewährte einen Einblick in die Geschichte von Marko Orlovic. Er erzählte, wie sich vor rund 70 Jahren die zwei Kulturen kennen lernten und versuchten, sich die Sprache des jeweils anderen anzueignen.

Alles, was es braucht

Die Gemeindepräsidenten der beteiligten Gemeinden, Martin Günthardt (Ossingen) und Peter Stoll (Kleinandelfingen), waren ebenfalls anwesend. Günthardt richtete sich mit ein paar Worten an die Anwesenden. Er sang das Lied «All’s was bruuchsch uf dr Wält, das isch Liebi, frohi Stunde und ä guete Fründ» und begleitete sich dabei selbst auf der Handorgel. Liebe, frohe Stunden und gute Freunde seien wichtige Dinge, die man auch in diesem Fall wiederfinde: Gute Freunde haben vor 70 Jahren ein Grabmal errichtet, die Liebe findet über Gemeinde- und Landesgrenzen hinaus statt und frohe Stunden werde man heute verbringen, indem man sinnlich zusammenkommt und Danke sagt.

«Wir können hier und heute die Liebe pflegen, die dann auf Ewigkeit Bestand hat», sagte Martin Günthardt. Er hoffe auch in Zukunft auf viel Geselligkeit und dass man erneut zusammenkomme.

Anekdoten und Erinnerung

Anschliessend erklärte Werner Stegemann vom Heimatkundlichen Archiv Andelfingen, was sich vor über 70 Jahren genau zugetragen hat. Aufgrund alter Bilder fühlte man sich in die Vergangenheit zurückversetzt und konnte sich in die Historie hineindenken. Nach einem Gebet von Miroslav Simijonovic löste sich die Feier langsam auf, und die Besucher kamen untereinander ins Gespräch.

Sie erzählten sich gegenseitig Anekdoten zu den Geschehnissen, die sie entweder selbst erlebt oder von Familienmitgliedern erzählt bekommen hatten. Als die Sommerhitze immer drückender wurde, wechselte man ins Schützenhaus Riet, wo man den Anlass ausklingen liess. (Landbote)

Erstellt: 05.07.2015, 20:35 Uhr

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