Bezirksgericht

Nötigungsvorwurf mit Vorgeschichte

Ein Mann wollte über den Balkon in die Wohnung seiner Partnerin eindringen. Nun wehrte er sich vor Gericht gegen die Vorwürfe, teilweise erfolgreich.

Am Mittwoch musste sich ein Mann aus der Region wegen Nötigung verantworten.

Am Mittwoch musste sich ein Mann aus der Region wegen Nötigung verantworten. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Fall ereignete sich vor bald einem Jahr in einer Regionsgemeinde. Ein Mann versuchte damals an zwei Abenden hintereinander über den Balkon in die Wohnung seiner damaligen Partnerin einzudringen. Beim zweiten Versuch machte er derart viel Lärm, dass ihm die Frau die Balkontür öffnete. Als sie ihn später zum gehen aufforderte, verpasste er ihr eine Ohrfeige. Er konsumierte damals fast täglich Kokain.

Vorwürfe unbestritten

Diese Vorwürfe gegen den nur teilweise arbeitstätigen IV-Bezüger wurden am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Winterthur verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wollte gegen ihn unter anderem ein Urteil wegen Nötigung erreichen. Doch die eigentlichen Vorwürfe aus den beiden Tatnächten kamen nur kurz zur Sprache, sie wurden vom Beschuldigten auch nicht grundsätzlich bestritten. Vielmehr versuchte dieser den Fokus des Einzelrichters auch auf seine Ex-Partnerin zu lenken.

«Sie war genauso
schuld wie ich.»
Der Beschuldigte

Die Beziehung zur Frau, die vor Gericht nicht anwesend war, sei von Anfang an problematisch gewesen, erzählte der Beschuldigte. Dies habe viel mit dem früheren Drogenkonsum, aber auch mit Untreue zu tun. «Sie war genauso schuld wie ich», sagte er beispielsweise. Das provisorisch gegen ihn verhängte Kontaktverbot zur Frau kommentierte er sarkastisch: «Von mir aus kann das für die nächsten 99 Jahre gelten.»

Mehrere Vorstrafen

Der Mann gab zudem an, mittlerweile Stabilität in seinem Leben geschaffen zu haben. Er habe eine neue Partnerin, seine «Beziehungsfähigkeit» sei gewachsen, er habe nur einmal im Monat einen Kokain-Rückfall und zahle seine Schulden ab. Doch statt auf die Argumente des Mannes fokussierte der Richter auf dessen strafrechtliches Vorleben. Wegen einer Auseinandersetzung mit seiner Ex-Partnerin stand er 2017 nämlich schon einmal vor Gericht, und verbrachte sieben Monate in Haft.

Weitere Urteile aus den Vorjahren betrafen Diebstahl, Drohung oder den illegalen Kauf einer Schusswaffe. Der Richter führte auch aus, dass dem Beschuldigten einst eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde – «Die wurde mir angedichtet», lautete die rasche Replik.

«So gut werden
sie in einem weiteren 
Verfahren nicht mehr
wegkommen.»
Der Richter

Emotional wurde der Mann, als ihm eine Genuugtuungsforderung seiner Ex-Partnerin in Höhe von 3000 Franken eröffnet wurde: «Das zahle ich erst wenn der letzte Tropen Blut aus meinem Körper raus ist, da werde ich kämpfen dagegen.»

Die Ausführungen des Mannes verschafften ihm schliesslich bei der Urteilseröffnung einen Teilerfolg. Der Richter sprach ihm vom zentralen Vorwurf der Nötigung frei. Zum einen sei der Straftatbestand der Nötigung von der Staatsanwaltschaft ungenügend beschrieben worden, zum anderen habe die Frau ausgesagt, die Balkontür im Affekt geöffnet zu haben: «So können wir nicht davon ausgehen, dass sie die Frau wirklich genötigt haben.»

Mahnung des Richters

Verurteilt wurde der Mann allerdings wegen Hausfriedensbruch, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Er muss eine Geldstrafe in Höhe von 2800 Franken und eine Busse von 800 Franken bezahlen. Die Genugtuung reduzierte das Gericht auf 300 Franken. Der Verurteilte sei wohl auf dem richtigen Weg im Leben, erläuterte der Richter. In der heutigen Beziehung sei kein Gewaltpotential erkennbar. Aber er mahnte auch: «So gut werden sie in einem weiteren Verfahren nicht mehr wegkommen.» (Landbote)

Erstellt: 13.03.2019, 18:04 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!