Wirtschaft

Regionale KMU drängen auf mehr Englisch in der Schule

Die Abstimmung darüber, ob in der Zürcher Primarschule eine Fremdsprache gestrichen wird, birgt mehr Brisanz, als es bisher den Anschein machte. Bei einem Ja könnte es zum Sprachenstreit zwischen Politik und Wirtschaft kommen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am 21. Mai kommt die Fremdspracheninitiative zur Abstimmung. Sie verlangt, dass in der Primarschule nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird. Welche Sprache die Primarschüler lernen sollen, lässt die Initiative allerdings offen. Die Entscheidung zwischen Französisch und Englisch birgt Zündstoff. Das zeigt sich, wenn man sich unter den KMU in der Region Winterthur umhört.

Bei vielen Dienstleistern und Produktionsbetrieben findet Französisch kaum Verwendung. Dafür steigt die Bedeutung von Englisch; zum Teil rasant. Das gilt selbst für handwerkliche Berufe, bei denen bis vor wenigen Jahren kaum Fremdsprachen verlangt wurden. Bei einem Ja zur Initiative dürfte dennoch kaum das Frühfranzösisch zugunsten von Frühenglisch gestrichen werden. Den Ausschlag dabei geben staatspolitische Überlegungen.

«Englisch sollte schon vom Kindergarten an und Französisch nur noch als Freifach unterrichtet werden»Dominik Büsser, Präsident Gewerbeverein Thurtal

Der Zürcher Regierungsrat sagt klar: «Frühfranzösisch bleibt.» Gleich, wie die Abstimmung ausgeht. Würde nämlich der wirtschaftlich stärkste Kanton Frühfranzösisch streichen, bliebe politisch betrachtet ein Scherbenhaufen zurück. Zürich wird in der Westschweiz ganz anderes wahr­genommen als etwa der Thurgau.

Radikale Vorstellungen

Massgeblich mitgetragen wird die Fremdspracheninitiative vom Zürcher Lehrerverband.

Die Verbandspräsidentin Lilo Lätzsch geht ebenfalls davon aus, dass bei der Annahme der Initiative eher das Frühenglisch über die Klinge springen müsste. Dafür würde der Englischunterricht auf der Sekundarstufe gestärkt. «Bei Schulabschluss werden die Schülerinnen und Schüler beide Fremdsprachen gleich gut beherrschen», glaubt Lätzsch.

Mit dem Wegfall von Frühenglisch aus politischen Gründen wäre aber das regionale Gewerbe überhaupt nicht einverstanden: «Englisch sollte schon vom Kindergarten an und Französisch nur noch als Freifach unterrichtet werden», findet zum Beispiel Dominik Büsser, Präsident des Gewerbevereins Thurtal. Was den Fremdsprachenunterricht an sich betrifft, existieren bei den KMU inzwischen radikale Vorstellungen, die staatspolitischen Erwägungen aus Zürich und Bundes­bern diametral entgegen­laufen. (Der Landbote)

Erstellt: 25.04.2017, 20:35 Uhr

Artikel zum Thema

KMU verlangen immer mehr Englisch

Wirtschaft Der «Land­bote» hat mehrere KMU zur Fremdspracheninitiative befragt. Statt Französisch in der Primarschule verlangen die meisten Unternehmen in der Region mehr Englisch. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Ein Abschied, der Spuren hinterliess

Unfruchtbar und plötzlich doch schwanger

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!