Zell

Religion trifft auf gehörnte Tiere

Die aktuelle Ausstellung in der Kulturschmitte Zell trägt einmal mehr den Titel «Kleinformatiges». Dabei ist eine Sammlung an Kunstwerken entstanden, die vielfältiger kaum sein könnte.

Ein Künstlerdiskurs zwischen Erwin Schatzmann (l.) und Bernd Steiner in der Kulturschmitte Zell. Bild: Enzo Lopardo

Ein Künstlerdiskurs zwischen Erwin Schatzmann (l.) und Bernd Steiner in der Kulturschmitte Zell. Bild: Enzo Lopardo

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Bernd Steiner steht an einer Wand in der Kulturschmitte Zell. Der leidenschaftliche Dichter und Zeichner betrachtet ein abstraktes Ölgemälde von Simone Monstein. «Die könnte noch weit kommen», hält er fest.

Obwohl das Gemälde auf den ersten Blick nur eine wirre Anordnung blauer und grüner Farbtöne ist, ist sich Steiner sicher: «Da ist Wasser zu erkennen.» Bei der Kunst sei eben nicht der Inhalt entscheidend. Viel wichtiger sei, was beim Betrachter der Kunst im Kopf passiert.

Mondsteins Zeichnungen sind Teil der aktuellen Ausstellung in der Kulturschmitte. Zum Sommerbeginn greifen die Betreiber Tibor von Meiss und Nathalie Buchli auf das bewährte Konzept «Kleinformatiges» zurück.

Dabei haben nebst Mondstein und Steiner auch neun weitere Künstler ihren Beitrag zur Ausstellung geleistet, die am 1. Juni mit einer gut besuchten Vernissage eröffnet wurde. Die meisten dieser Künstler haben ihre Kunst im Kleinformat spezifisch auf die Ausstellung hin erstellt.

Kunst und Recycling

So zum Beispiel Erwin Schatzmann: «Meine Kunstwerke sind normalerweise eher gross. Ich musste erst einmal schauen, was ich überhaupt machen kann.» Der Winterthurer ist beruflich als Holzbildhauer tätig.

«Das Kreuz strebt nach oben, aber die geerdete Schlange bringt es wieder ins Gleichgewicht»

Die vielen kleinen Holzobjekte, die Schatzmann für die Ausstellung erstellt hat, bestehen aus den verschiedensten Materialien. «Ich habe auch Schwemmholz verwendet», sagt er. Es sei ihm wichtig, dass er mit seiner Kunst Recycling und Upcycling betreibe – also die Wiederverwendung oder Aufwertung von Gebrauchtmaterial. Schatzmanns Objekte haben allesamt eine gesellschaftskritische oder religiöse Bedeutung.

Auch spielt er gerne mit gegensätzlichen Aussagen. So ist zum Beispiel auf einem seiner Kunstwerke ein christliches Kreuz abgebildet, dass von einer Schlange umschlungen wird. «Das Kreuz strebt nach oben, aber die geerdete Schlange bringt es wieder ins Gleichgewicht», erklärt er.

Tiere haben auch bei den Ausstellungsobjekten von Sibylle Kessler eine wichtige Bedeutung. Sie beschränkt sich dabei aber auf «Krafttiere mit Hörnern». Nebst dem Zeller Wappentier – der Schnecke – sind das ein Dinosaurier, ein Einhorn, ein Drache, eine Kuh und ein Schwein.

Jedem dieser Tiere hat sie ein gold-, silber- und bronzefarben verziertes Holzwappen gewidmet. «Die Hornkuh-Initiative hat mich auf die Idee gebracht», erklärt sie. Das Horn gehöre ihrer Meinung nach zum Tier, und es sei ihr unverständlich, wieso der Mensch das nicht akzeptieren könne.

Goldene Gemälde

Auch die düsteren Ölgemälde des kürzlich verstorbenen Künstlers Urs Amann sind in der Kulturschmitte noch ein letztes Mal zu betrachten. Hinzu kommen abstrakte Holz- und Pappfiguren, erstellt von Claudia Weber und Ulla Rohr. Guido Vorburger, wie auch Schatzmann Mitglied bei der Künstlergruppe Winterthur, hat in seinen ausgestellten Gemälden sogar echtes Gold verarbeitet.

Dagegen wirken die Zeichnungen von Bernd Steiner schon fast minimalistisch. Er hat sie allesamt mithilfe eines Rapidographen erstellt. «Das ist ein sehr teurer Stift mit unterschiedlich dicken Kanülen, den Architekten und Bauzeichner brauchen, um feine Zeichnungen anzufertigen», erklärt er. Nebst Zeichnungen kreiert Steiner auch Gedichte. Von seinen Fähigkeiten in diesem Bereich können sich Interessierte dann an der Finissage der Ausstellung am 23. Juni überzeugen, die Steiner mit seinen «Literarischen Miniaturen» begleiten wird.

Weitere Ausstellungstermine: Sonntag, 16. Juni, 12 bis 17 Uhr; Finissage am 23. Juni, 12 bis 17 Uhr (ab 15 Uhr «Literarische Miniaturen») (Der Landbote)

Erstellt: 13.06.2019, 18:10 Uhr

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