Zell

Schlagabtausch mit ungleichen Vorzeichen

Podien zur Selbstbestimmungsinitiative gab es schon unzählige. Dennoch lockte die Veranstaltung am Sonntag in Rikon gegen hundert Zuhörer an. SVP-Nationalrat Roger Köppel kreuzte die Klingen mit dem Jungfreisinnigen Philipp Eng. Köppel hatte das Publikum von Anfang an auf seiner Seite.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Stimmungstest zu Beginn der Veranstaltung war fast erschlagend eindeutig: Nur gerade vier Besucher gaben sich in der Publikumsabstimmung als Gegner der Selbstbestimmungsinitiative (SBI) der SVP zu erkennen. Der Rest der gegen hundert Anwesenden zählte sich zu den Befürwortern der Initiative, über die am nächsten Sonntag abgestimmt wird und die zum Ziel hat, dass künftig die Bundesverfassung über dem internationalen Recht steht, dass also Volksentscheide wichtiger sind als das Völkerrecht. Landauf, landab sind schon unzählige Podien zur Initiative über die Bühne gegangen.

Für Jositsch eingesprungen

Am Sonntag duellierten sich auf Einladung der SVP Bezirk Winterthur in der Schulanlage Rikon SVP-Nationalrat Roger Köppel, Besitzer und Chefredaktor der «Weltwoche», und Philipp Eng, Präsident der Jungfreisinnigen Kanton Solothurn. Ersterer brauchte nicht lange vorgestellt zu werden, wie Moderator Jakob Bächtold, stellvertretender Chefredaktor des «Landboten», bemerkte. Der 53-Jährige weibelt für die SBI, als ginge es um sein Leben. An sicher 30 Anlässen, schätzte Bächtold, habe Köppel schon teilgenommen, worauf dieser erwiderte, er habe nicht mitgezählt. Jedenfalls war er nur zwei Tage zuvor in Feuerthalen aufgetreten, zusammen mit SP-Ständerat Daniel Jositsch aus dem gegnerischen Lager. Dieser war ursprünglich auch für die Veranstaltung in Rikon vorgesehen, er sagte aber kurzfristig ab, weshalb der Solothurner Jungfreisinnige in die Bresche sprang. «Bedenklich», sagte Eng vor Verranstaltungsbeginn, «dass trotz klarer Nein-Parole der FDP keiner unserer Bundesparlamentarier hinstehen wollte.»

Der 25-jährige Student der Rechtswissenschaften hatte, wie unschwer vorauszusehen war, kein leichtes Spiel. Obwohl er sich in der Materie als sattelfest erwies und ebenso wortgewandt auftrat wie sein prominenter und politisch erfahrenerer Gegner. Ein Mann im Publikum schalt ihn sogar für sein Engagement. «Ich bin enttäuscht, dass Sie als Jungfreisinniger die Nein-Parole vertreten«, sagte er und verwies auf die Zürcher Jungfreisinnigen, welche die Ja-Parole gefasst hatten. Nur ein einziges Mal bekam Eng Applaus: Als er festhielt, seine Partei sei weder für den EU-Beitritt noch für die Rahmenverträge. Seinem Kontrahenten dagegen spendete das Publikum laufend Beifall. «Wir gehen in die EU, wenn wir zulassen, dass internationales Recht über unserem Recht steht», warnte Köppel. Heute treffe das Bundesgericht Urteile wie in einem EU-Staat mit Hinweis auf das Völkerrecht. Deshalb müsse die Rechtssicherheit, die 2012 vom Bundesgericht ausgehebelt worden sei, wieder hergestellt werden. Eng hingegen vertrat die Ansicht, die SBI schaffe Rechtsunsicherheit, was der Verlässlichkeit der Schweiz als Handelspartnerin schade.

Kein Meinungsumschwung

Und weiter ging die Diskussion hin und her. An Argumenten wurde nichts Neues zutage gefördert. Zu einem Meinungsumschwung im Publikum kam es ebenfalls nicht, wie am Schluss der Veranstaltung eine zweite Abstimmung ergab: Niemand hatte seine Meinung geändert. Im Widerspruch zum Resultat der Publikumsabstimmung stehen die jüngsten Umfragen der SRG mit 61 Prozent Nein- und 37 Prozent Ja-Stimmen und der Tamedia mit 59 Prozent Nein- und 40 Prozent Ja-Stimmen. «Aber wer glaubt schon Umfragen?», sagte Bächtold. «Wie es wirklich herauskommt, sehen wir in einer Woche.»

Erstellt: 18.11.2018, 18:10 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles