Seuzach

Seuzemer Steinhauer im Averstal eingeschlossen

Zurzeit versperrt ein Gesteinsbrocken den Weg aus dem Averstal. Eine Gruppe aus Seuzach ist zufällig dort und arbeitet an einem Brunnen. Ob die Gemeindepräsidentin sie besuchen kann, bleibt noch offen. 

In der Gemeinde Avers bearbeitet Martin Tanner (oben rechts) mit Freiwilligen einen Felsbrocken.

In der Gemeinde Avers bearbeitet Martin Tanner (oben rechts) mit Freiwilligen einen Felsbrocken. Bild: PD

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«Wir sind alles Laien hier oben», sagt Martin Tanner am Telefon. Er und acht weitere Freiwillige, darunter zwei Gemeinderäte, sind zurzeit in Seuzachs Partnergemeinde Avers, um aus einem Stein einen Brunnen zu machen. Tanner ist der Präsident des ­Vereins Konfetti, der das Mehlhüsli zu einem Mehrzweckraum umgebaut hat. Im Aussenbereich des 1880 erstellten Hüsli soll ein Trinkbrunnen entstehen. «Die Quellleitung, die durch Seuzach fliesst, endet beim Mehlhüsli», sagt Tanner. Ein Brunnen beim Feuerwehrgebäude und einer beim Gemeindehaus nutzen das Quellwasser bereits seit vielen Jahren.

Während einer Woche machen sich die Seuzacherinnen und Seuzacher daran, aus dem zwei Tonnen schweren Gesteinsbrocken einen Brunnen zu hauen. Kurze Zeit nach dem ersten Telefongespräch meldet sich Tanner erneut: «Nun sind wir die eingeschlossenen Steinhauer», sagt er und lacht in den Hörer.

Die Strasse durchs Averstal ist wegen des Steinschlags wenig befahren. Bild: Jufferien.ch/Webcam

Wegen starker Regenfälle kam es am Montagabend auf der Avnerstrasse bei Innerferrera zu einem Steinschlag. Am Montagmorgen vermeldete Meteonews die Unwetterwarnstufe Rot für viele Gebiete des Bündnerlands, die Gemeinde Avers eingeschlossen. «Niemand kommt hier weg, und niemand kommt zu uns», sagt Tanner. Er und seine Helferinnen und Helfer sehen den Vorfall entspannt: «Wir sind davon kaum betroffen, wir arbeiten ohnehin bis Ende Woche hier.»

«Das passiert ab und zu»

Einzig einige Gäste, die den Brunnenbauern einen Besuch abstatten wollen, können das nun vielleicht nicht tun. Am Dienstagnachmittag war der Weg von und nach Avers noch gesperrt. Einige Gäste, wie beispielsweise die Seuzacher Gemeindepräsidentin Katharina Weibel, hätten geplant, am Donnerstag in die Partnergemeinde zu reisen. «Wir hoffen, dass der Weg bis dahin wieder frei ist», sagt der Vereinspräsident bei einem weiteren Telefonat am Dienstag.

Auf der Gemeindeverwaltung von Avers gibt Gemeindekanzlist Martin Brütsch Auskunft: «Die Strasse könnte womöglich bis zu einer Woche gesperrt sein.» Es befinde sich noch Material oberhalb der Strasse, das eventuell auch auf die Strasse rutschen könnte. «Wir sind dabei, Transporthelikopter zu organisieren», sagt Brütsch. Die Gemeinde Avers sei aber nicht das erste Mal durch einen Steinschlag von der Aussenwelt abgeschnitten. «Das passiert hier ab und zu», sagt der Gemeindekanzlist. Der Gesteinsbrocken auf der Avnerstrasse sei fünf Meter hoch, berichtet die Zeitung «Südostschweiz».

«Die Strasse könnte womöglich bis zu einer Woche gesperrt sein.»Martin Brütsch, 
Gemeindekanzlist von Avers

Der künftige Brunnen ist hingegen nur fünfzig Zentimeter hoch, einen Meter breit und eineinhalb Meter tief. «Vor allem müssen wir ihn aushöhlen und einen Überlauf für das Wasser machen», sagt Martin Tanner. Zum Glück sind die freiwilligen Steinmetze nicht ganz ohne Anleitung bei ihrem Vorhaben. Auf dem Grundstück von Alfred Luzi, der ein Natursteinwerk in Avers hat, können sie den Brocken bearbeiten und die nötigen Werkzeuge nutzen. «Der Profi schaut ab und zu vorbei und gibt uns Tipps», sagt der Vereinspräsident.

Trotz Steinschlag geniesst die Seuzacher Gruppe Lagerstimmung im Bündnerland. «Wir haben hier ein Häuschen gemietet, wo wir gemeinsam kochen», sagt Tanner. In ihrer Partnergemeinde werden sie freundlich aufgenommen. «Den Findling hat Avers extra für uns ausgesucht», sagt er. Das soll am Ende durch eine Plakette mit dem Wappen der Gemeinde ersichtlich sein. In circa einem Monat, schätzt Tanner, könnte das Quellwasser in den Brunnen fliessen. Verzögerungen durch unvorhergesehene Naturereignisse hat er in seinem Zeitplan jedoch noch nicht einberechnet.

Erstellt: 13.08.2019, 19:01 Uhr

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