Pfungen/Winterthur

Ungleiche Komplizen knebelten Schlafende

Zwei Männer brachen nach einem Casino­besuch in ein Haus ein. Dort schlief eine Frau. Sie fesselten diese auf ihrem Bett, klebten ihren Mund zu und erbeuteten rund 85 000 Franken. Das Bezirksgericht hat beide zu einer Haftstrafe verurteilt.

Eine Frau wurde im Schlaf überwältigt gefesselt (Symbolbild).

Eine Frau wurde im Schlaf überwältigt gefesselt (Symbolbild). Bild: Madeleine Schoder

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Einer sagt, er habe Geld gebraucht. Die 20 000 Euro Schulden aus Casinobesuchen sind ihm über den Kopf gewachsen. Der andere sieht sich eher als Tourist, er habe doch eigentlich nur Zürich sehen wollen. Plötzlich habe er sich in diesem Haus wiedergefunden, vor einer Frau, die er selbst geknebelt hatte. Mittwochmorgen im Bezirksgericht Winterthur: Zwei Männer aus Albanien werden in Handschellen einzeln dem Bezirksgerichtspräsidenten vorgeführt. Es sind Komplizen in einem Einbruch, die sich vor dem Gericht unterschiedlich präsentieren.

Einbruch nach Casinobesuch

Geständig sind beide, entsprechend abgekürzt ist ihr Verfahren. Die Nacht vom 16. März 2016 haben sie aber unterschiedlich erlebt. Was damals geschah: Gemeinsam sind sie aus Deutschland in die Schweiz gefahren. Nach einem Casinobesuch begaben sie sich auf die Rückfahrt, ihr Weg führte sie um halb sieben Uhr morgens über Pfungen, vorbei an einem Einfamilienhaus, aus dem ein Junge kam, wie beide berichten. Dem Einen schien dies Grund zur Annahme, dass das Haus leer stand.

Auf der Flucht verhaftet

Das Haus war aber nicht leer. Eine Frau lag in ihrem Schlafzimmer. Die beiden fesselten die Schlafende auf ihrem Bett, Klebeband für Hände, Füsse, Mund und ein zusätzliches Ladekabel für die Hände. Sie drohten der Frau, sie und ihren Sohn zu verletzen, wenn sie sich nicht kooperativ zeigen würde.

«Was Sie ihr angetan haben, das ist der  Albtraum jeder Frau.»

Richter 

Dann suchte einer: Er fand unter anderem über 6000 Franken Bargeld, drei Uhren der Marke Breitling, einen Ehering. Alles in allem fuhren die beiden weiter mit einer Beute im Wert von rund 85 000 Franken. Es war inzwischen zwanzig nach sieben. Sie kamen bis nach Singen, wo sie von der Polizei angehalten, kontrolliert und festgenommen wurden.

Zwei frühere Einbrüche

Vor dem Richter sagt der Beschuldigte A, er sei nicht so einer. Wären da nur nicht die Schulden im Casino: «Die Glücksspiele sind Schuld an allem.» Dem Beschuldigten konnten über seine DNA zwei weitere Einbrüche zugeordnet werden: Einer in Killwangen im Aargau, einer in Oetwil an der Limmat im Kanton Zürich. Vorbestraft ist er in der Schweiz nicht, da war einzig ein Verfahren in Italien wegen illegalen Aufenthaltes.

Nun wolle er zurück in die Heimat, zu seiner Frau und seinen beiden Kindern, denen er nichts von seiner Untersuchungshaft in Winterthur erzählen könne, da er sie nicht verlieren wolle. Er besitze ein kleines Auto, wolle sich nun als Taxifahrer versuchen.

«Sie bat um eine Zigarette»

Auch der Beschuldigte B sagt, er sei nicht so einer. Er sagt es unter Tränen, mehrfach. Er habe sich plötzlich in einer Situation wiedergefunden, in der er unter Schock gestanden habe.

«Ich kenne mich nicht aus mit Diebstahl, ich war schläfrig im Auto und wusste nicht, wie mir geschah.» «Aber Sie wissen doch, was ein Raub ist?», fragt der Richter. Und: «Was Sie ihr angetan haben, das ist der Albtraum jeder Frau. Überfallen zu werden im Schlaf, im eigenen Bett, da, wo man sich sicher und geborgen fühlen darf.»

«Die Glücksspiele sind Schuld an all dem.»

Angeklagter A 

Der Beschuldigte B erwidert, er habe sich derart unwohl gefühlt, dass er die Frau immerzu versucht habe zu beruhigen, habe sie ihn doch an seine Mutter erinnert. Eine Decke habe er ihr über die Schulter gelegt, der Geknebelten, dami t sie nicht friere. «Sie bat um eine Zigarette, nachdem ich ihren Mund vom Klebband befreit hatte, leider hatte ich keine. Was hätte ich tun sollen?» «Zum Beispiel gehen», so der Richter.

Der Schuldspruch

B, in einem Asylverfahren in Deutschland, sagt, er habe seinen herzkranken Vater seit drei Jahren nicht gesehen, er wolle zu seiner Verlobten, eine Familie gründen. Er habe ihr gegenüber gestanden, warum er im Gefängnis sitze. Er wolle neu beginnen.

Der Richter hält sich in beiden Fällen an den Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft: Im Fall A 28 Monate Haft, davon zehn Monate unbedingt, dazu eine Probezeit von drei Jahren. Im Fall B zwei Jahre bedingte Haft und eine Probezeit von zwei Jahren. Hinzu kommen Geldstrafen und eine Überweisung ans Migrationsamt, wo die beiden mit einer Einreisesperre in die Schweiz zu rechnen hätten.

Beide Beschuldigten sassen während 336 Tagen in Untersuchungshaft, also länger, als dies die unbedingte Strafe von A vorsieht. Hier gilt die unbedingte Strafe: Wenn diese einen längeren Zeitraum umfasst, als die beschuldigte Person in Untersuchungshaft sass, kann diese keine Entschädigung geltend machen, wie die Gerichtsschreiberin auf Anfrage erklärt. Sonst kann eine solche geltend gemacht werden.

(Der Landbote)

Erstellt: 17.02.2017, 12:44 Uhr

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