Elgg

«Wir haben wild drauflos gebraut»

In einem Elgger Hinterhof brauen Bruno Hediger und Tobias Berger Bier. Ihre drei Sorten kommen so gut an, dass sie oft ausverkauft sind. Trotzdem möchten sie ihr «Nachbarbräu» noch etwas bekannter machen.

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Womit klebt man eine Bieretikette am besten auf die Flasche? Mit Milch. «Der Milchzucker machts. Sogar wenn die Flasche im Kühlschrank feucht wird, hält das Papier», sagt Bruno Hediger, Zimmermann aus Elgg.

Die Idee stammt von seinem Geschäftspartner Tobias Berger, der an der Kantonsschule Rychenberg in Winterthur Bildnerisches Gestalten unterrichtet. Berger ist auch derjenige, der sich ums Aufkleben der Etiketten kümmert und das Logo für ihre gemeinsame Biermarke entworfen hat: das Elgger Nachbarbräu.

«Schampar gutes Bier»

Kennengelernt haben sich die beiden am Grilltag der Krabbelgruppe ihrer Kinder, der in Hedigers Garten stattfand. Sie witzelten über ein Schlittelrennen, das man in Elgg auf die Beine stellen sollte. Dazu kam es nie, der Hopfen, der dem Garten als Sichtschutz dient, brachte sie auf andere Gedanken.

Vor drei Jahren stellten sie ein erstes «Bier-Probiererli» her. «Wir haben es schampar gut gefunden», sagt Berger. «Und jedes nachfolgende war noch besser», sagt Hediger und beide lachen. Es war klar, dass sie das neu gefundene Hobby so schnell nicht wieder aufgeben würden.

«Es läuft sehr gut, dass darf man schon sagen»

Hediger hatte bereits einige Bierseminare besucht und die beiden machten sich daran, ihre Rezepte zu verfeinern und die Abläufe zu verbessern. «Wir stellten fest, dass das erste Bier vielleicht doch noch nicht so gut gewesen ist», sagt Berger. Heute ist die Kleinbrauerei in Hedigers Hinterhof eingemietet.

Nebst glänzenden Stahltöpfen, Flaschenbäumen und Reihen von Harassen steht dort auch eine Abwaschmaschine, um die Glasflaschen zu reinigen. «Ich finde es eine Unart, dass so viel immer weggeworfen wird», sagt Hediger. Die Flaschen lassen sie sich deshalb retour bringen. Bis vor kurzem spülten sie jede von Hand aus.

Seit Anfang Jahr findet immer am Freitagabend ein Rampenverkauf statt. «Es läuft sehr gut, dass darf man schon sagen», urteilt Berger. «Wir sind sogar oft ausverkauft», ergänzt Hediger. Man habe sich bereits eine kleine Stammkundschaft aufgebaut. Ein- bis zweimal im Monat brauen sie neues Bier und füllen jeweils 200 Halbliterflaschen, die sie für 4,50 Franken anbieten.

Frischling, Keiler, Bache

Drei Sorten Bier gibt es vom Elgger Nachbarbräu: den «Frischling», ein Helles, an Pilsener angelehnt, den «Keiler», ein Amber und die «Bache», ein dunkles Ur-Alt. «Wir wollten eine Bierfamilie haben», sagt Berger. «Das Wildschwein ist hier präsent, wenn auch nicht sehr beliebt», sagt Hediger und schmunzelt.

Ausserdem habe es gepasst, weil sie beide einfach «wild» drauflos gebraut hätten. Mit der Jagd haben sie nichts zu tun. Die Etiketten könne man aber auch nach Kundenwünschen gestalten, sagt Berger. «Falls jemand zum Geburtstag gern ein eigenes Bier hätte.»

«Die drei Sorten sind unsere Bierfamilie.»

Auf den Namen Nachbarbräu sei man gekommen, bevor das erste Bier gebraut gewesen sei, erzählt Hediger, nämlich beim Hopfenlesen. Die Nachbarn hätten sofort wissen wollen, was sie denn vorhätten, und riefen sich über den Hinterhof zu: «Die machen Nachbarbier!»

Das soll es denn auch bleiben: Ein Bier von und für Elgg. «Es wäre schön, wenn es sich hier im Ort noch etwas weiter herumsprechen würde», sagt Hediger. Ernsthafte Ambitionen hätten sie bis jetzt aber nicht. Nebst dem Rampenverkauf findet man das Nachbarbräu im Angebot des Bistros Bechandra und der Schneckenfarm.

Noch kein Verdienst

Verdienen tun die Familienväter an ihrem Hobby noch nichts. «Der Betrieb soll vor allem selbsttragend sein. Vielleicht können wir uns irgendwann die Investitionen retour zahlen», sagt Hediger. Pro Monat arbeiteten sie zusammen rund 25 Stunden, meist an Wochenenden. «Ich finde es noch entspannend», sagt Berger, fügt aber so gleich an: «Auf jeden Fall muss man unsere Frauen erwähnen. Ohne ihre Rückendeckung wäre das nicht möglich.»

Der 40-Jährige ist Vater von vier Kindern, Hediger, 42, Vater von drei. Der Nachwuchs habe bereits angekündigt, die Brauerei dann eines Tages weiterführen zu wollen, erzählen die beiden und müssen wieder lachen.

Rampenverkauf jeden Freitag, Vordergasse 19, 18 bis 19.30 Uhr www.elggernachbarbraeu.ch (Der Landbote)

Erstellt: 04.08.2017, 16:00 Uhr

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