Bauma

Wo Männeraugen zu glänzen beginnen

Wer sich dieses Wochenende an der Verkaufsausstellung in Bauma umsieht, ist im Herzen ein Bub geblieben, der Eisenbahnen liebt.

Die Ausstellung in Bauma erfreut jeden Modelleisenbahn-Liebhaber.
Video: David Gonzalez

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Für einen, der als Kind gern Fal­ler-Häuschen zusammenleimte und dem Bruder zudiente, der die Weichen stellte und die Züge fahren liess, ist die Ausstellung in Bauma eine wahre Freude. Da könnte er sich, hätte er noch die Eisenbahnanlage von damals im Keller, eindecken mit Kleinmaterial wie Schotter in allen Formen und Farben, mit grünem Pulver für die Wiesen, mit einem Abfallcontainer (12 Franken) oder mit weiss was für Detailstücken, die das Modellbauerherz erfreuen.

Doch das alles ist bloss das Beigemüse. Die wahren Schätze stehen hinter Glas und kosten 800 Franken oder 1000 und, wenn ein Motor drin ist, auch mal 2500. «Die meisten der 3000 Besucher, die wir erwarten, sind Sammler, die als Kind mit Modelleisenbahnen in Kontakt kamen und jetzt besondere Stücke suchen», sagt Roland Born. Der 62-Jährige ist studierter Architekt, verdient aber seit 30 Jahren sein Geld mit dem Bau von Eisenbahnmodellen. Er hat in Rapperswil eine Werkstatt mit Laden und ist Initiant der «Plattform der Kleinserie», die er mit einem Team nun zum 17. Mal durchführt.

«Man wird fast zum Archäologen»

Hansruedi Meier aus Wila ist seit rund 20 Jahren im Geschäft, seine Spezialität sind Loks und Wagen der Tösstalbahn, die 1875 zu fahren begann und 1918 in den SBB aufging. Meier baut die Wagen und Loks von Grund auf selber, recherchiert die technischen Details, sucht Bilder und alte Konstruktionspläne, die aber oft nicht sehr aufschlussreich seien. «Man wird fast zum Archäologen», sagt er. Holz und Messing, das sind die Materialien, die er braucht, rund 25 Stunden Arbeit stecken in jedem Wagen, wenn dann mal die Grundlagen erarbeitet sind. Für die kleinen Gussteile, die er benötigt, schickt er eine 3-D-Datei an seinen Giesser. Kleinserien von fünf bis fünfzehn Exemplaren stellt er auf diese Weise her, «mehrheitlich für Vitrinensammler».

«Ich baue jeweils fünf bis fünfzehn Exemplare – mehrheitlich für Vitrinensammler.»Hansruedi Meier?(71), Modellbauer aus Wila

Schon eher zum Gebrauch sind die Spur-0-Blechmodelle der Firma Buco. Buco war ab 1930 eine bekannte Schweizer Spielzeugmarke, die mit Holzspielsachen begann, dann auch Modelleisenbahnen baute und 1957 in Konkurs ging. Heute sind die Rechte am Traditionsnamen, die alten Maschinen und Werkzeuge von damals sowie eine grosse Menge Einzelteile im Besitz zweier Baumer. Gemeindepräsident Andreas Sudler ist der eine, der 76-jährige derzeitige Gemeinderatskandidat Fritz Grotz der andere. Zum Team gehören auch Max Stahel, Gilbert Weber und – Achtung! – Priska Sigg. Sie produziert heute die Buco-Modelle. Sie stanzt und prägt die Bleche, sie spritzt und bedruckt sie und macht auch die Endmontage. «Ich kam per Zufall zu der Stelle, arbeite pro Woche ein bis zwei Tage und bin begeistert.»

Mit Charme und Geschichte

Auch das Produkt begeistert: ein Blechspielzeug mit Charme und Geschichte, das zwar kostet, aber nicht unerschwinglich ist. Wagen sind ab 120 Franken zu haben, teurere für 250, Loks kosten deutlich mehr. Schöne Teile allesamt, auch die Profilschienen aus Messing. Hat Priska Sigg schon eine von ihr selber gebaute Buco-Bahn zu Hause? «Noch nicht, mein Enkel ist erst zweieinhalb. Aber später vielleicht...»

«Plattform der Kleinserie», heute, 9.30 bis 18 Uhr, Sonntag, 9.30 bis 17 Uhr, Schulhaus Altlandenberg und Zentrum Grosswis, Bauma.

Erstellt: 12.10.2019, 09:24 Uhr

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