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Abermals in tiefroten Zahlen

Das Ergebnis der Gemeinde Seuzach wurde 2016 gegenüber dem Budget um 2,4 Millionen verfehlt. Schuld sind die Steuern früherer Jahre.

Schreibt erneut rote Zahlen: Seuzach.
Schreibt erneut rote Zahlen: Seuzach.
Madeleine Schoder

Es klingt fast gleich wie das Jahr zuvor: Es ist in erster Linie der Einbruch bei den Steuern früherer Jahre, der den Seuzacher 32-Millionen-Haushalt 2016 erneut in die tiefroten Zahlen fallen liess. Dieses Mal nur stärker. Finanzvorstand Marcel Fritz (SVP) teilt mit, dass die Jahresrechnung 2016 der Gemeinde Seuzach anstelle des budgetierten Defizits von 1,7 Millionen Franken ein ­Minus von 4,1 Millionen Franken aufweist.

2015 betrug das Defizit knappe 3,4 Millionen Franken.«Das ist ein unerfreuliches ­Resultat», räumt Fritz an der Präsentation der Weisung für die Gemeindeversammlung vom 12. Juni ein. Im Sinne der Transparenz, kündigt er an, werde auch die ­gesamte Jahresrechnung bald auf die Webseite der Gemeinde gestellt. Diese liegt gerade bei der Rechnungsprüfungskommission.

Kein einmaliges Phänomen

Vor gut einem Jahr ging Fritz bezüglich des Rückgangs der Steuern früherer Jahre noch von einem «einmaligen Gewitter am Finanzhimmel» aus. Inzwischen, nachdem 2016 erneut 1,3 Millionen Franken weniger Nachsteuern in die Gemeindekasse geflossen sind, müsse man von einer strukturellen Veränderung aus­gehen, räumt er ein.

«Das ist ein unerfreuliches ­Resultat»

Marcel Fritz (SVP), Finanzvorsteher von Seuzach

Die Differenz rühre aber nicht von einer missglückten Budgetierung her. Die ordentlichen Steuern seien mit 14,8 Millionen Franken praktisch punktgenau budgetiert worden. Ähnlich die Grundstücksgewinnsteuern.

Bei den Steuern früherer Jahre wie auch bei den Steuerausscheidungen und Quellensteuern sei man aber vom kantonalen Steueramt abhängig. Ende 2016 waren dort laut Weisung 35 aktive Steuerausscheidungen pendent, also Fälle, wo jemand an mehreren Orten steuerpflichtig ist.

Generell nicht rosig

Doch auch im Nichtsteuer­bereich sieht die Situation nicht rosig aus. Dort schnitt die Rechnung 2016 um 730 000 Franken schlechter ab als im Budget und fiel um 683 000 Franken schlechter aus als ihre Vorgängerin.

Sehr stark belasten die Bereiche Pflegefinanzierung und Sozialhilfe den Haushalt. Bei den Pflegeleistungen inklusive Spitex verzeichnete Seuzach einen ­unkalkulierbaren Mehraufwand von rund 700 000 Franken. Fritz erklärt das unter anderem mit dem hohen Bevölkerungsanteil an über 65-Jährigen und den auffällig vielen Einpersonenhaushalten (30,6 Prozent). Dadurch entstünden tendenziell höhere Pflege- und Betreuungskosten.

Hohe Sozialhilfequote

Die Sozialhilfe kostete die Gemeinde letztes Jahr 500 000 Franken mehr als budgetiert. Seuzach weise mit 2,3 Prozent eine hohe Sozialhilfequote auf, die deutlich über den Werten von Nachbargemeinden wie zum Beispiel Wiesendangen (0,6 Prozent) liege. «Das ist erstaunlich», findet Fritz. Zu Buche schlagen hier laut Weisung unter anderem auch die Kosten, die der Gemeinde durch die Asylpolitik von Bund und Kanton erwachsen.

«Ob wir den Steuerfuss nochmals gegen oben anpassen müssen, können wir noch nicht sagen»

Weiter belastend fällt die jährliche Abschreibung des renovierten Schwimmbades von 750 000 Franken ins Gewicht. Diese soll sich laut Fritz ab 2019 mit Einführung der neuen Rechnungslegung um zwei Drittel reduzieren. Die umfassende Renovation des Schwimmbads sei auch aus heutiger Sicht noch richtig, betont ­Gemeindepräsidentin Katharina Weibel (FDP). Der Souverän habe dem Kredit von 7,6 Millionen seiner­zeit überaus deutlich zu­gestimmt.

Weitere Steuererhöhung?

Selbstkritisch wird in der Weisung eingeräumt, der Gemeinderat habe sich zwar stets dafür ausgesprochen, keine Steuern auf Vorrat zu erheben. Die notwendige Steuererhöhung für dieses Jahr um acht Prozentpunkte sei nun aber «etwas spät» erfolgt. «Ob wir den Steuerfuss nochmals gegen oben anpassen müssen, können wir noch nicht sagen», erklärt Fritz. Diese Frage sei Gegenstand von Modellrechnungen, die derzeit zur Beurteilung der künftigen Finanzsituation angestellt würden. Eine Steuerfusserhöhung gelte aber als letzte Option.

Durch das Defizit vermindert sich Seuzachs Eigenkapital auf knapp 10,5 Millionen Franken. Das Nettovermögen beträgt –7,4 Millionen Franken gegenüber –0,85 Millionen im Vorjahr. Der Verzehr des Nettovermögens komme nicht überraschend, sondern sei Teil der Legislaturplanung, betont Fritz. «Aber in dieser Stärke war der Abbau nicht vorgesehen.»

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