Brütten

«Absolut desolater Zustand»

So ruhig die Versammlung der Politischen Gemeinde in Brütten über die Bühne ging, so brisant war die der Kirche. Kirchenfenster drohen bald einzustürzen.

Die Kirche in Brütten gab Anlass für Diskussionen.

Die Kirche in Brütten gab Anlass für Diskussionen. Bild: tru

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Kirchenfenster, die jeden Moment auf die Köpfe der Betenden einstürzen könnten, und eine Liegenschaft in Kirchenbesitz, deren Gebälk verfault – Kirchgemeindepräsident Martin Egli hatte am Montagabend keine guten Meldungen für die Besucher der Gemeindeversammlung. Beides muss behoben werden, beide ­Sanierungsarbeiten beziffert Egli auf jeweils rund 100 000 Franken.

«Wir müssen prompt reagieren»

Das Wöschhüsli, das auf dem Areal der reformierten Kirche und des Pfarrhauses steht, darf die Kirchgemeinde für mindestens 150 000 Franken verkaufen. Dem haben die Anwesenden am Montag zugestimmt. Deutlich dringlicher als seine faulen Balken sind offenbar aber die Kirchenfenster: «Sie sind in einem absolut desolaten Zustand», so Egli. «Wir müssen prompt reagieren».

Gesagt, getan: Noch für diese Woche hat er Handwerker aufgeboten, die als Sofortmassnahme Verstrebungen anbringen. Er könne nicht verantworten, dass an Weihnachten Menschen in der Kirche sässen, die akut unfallgefährdet seien. Es sei über die Festtage einiges an Veranstaltungen geplant in der Kirche.

Die Bleiverglasungen gehen auf das Jahr 1908 zurück, der Entwurf im Art-déco-Stil entstammt der Feder eines Pariser Künstlers. Dass es mit den Fenstern ein Problem gibt, wusste auch Egli vor einer Woche noch nicht. Es sind die Aussenfenster aus den 70er-Jahren, die undicht wurden und überprüft werden mussten. Die Einschätzung des Experten: Problematisch sind die inneren, die alten Fenster.

«Vom Hauptfenster geht eine wesentliche Gefahr für Kirchenbesucher aus.»

In einem Bericht schreibt dieser, die obere Metallkonstruktion sei lose. Die ganze Bleiverglasung inklusive Metallrahmen habe einen Überhang von rund fünfzehn Zentimetern. Die Botschaft: «Vom Hauptfenster geht eine wesentliche Gefahr für Kirchenbesucher aus.» Wann welche Fenster saniert werden und wie weiter mit dem Wöschhüsli verfahren wird, ist gemäss Egli eine finanzielle Frage. Es werde wohl 2019, bis ­alles behoben sei.

Eine Million Plus

Deutlich bessere Nachrichten überbrachte am Montagabend Gemeindepräsident Ruedi Bosshart anlässlich der Versammlung der Politischen Gemeinde, an der 93 Brüttemer teilnahmen. Das Budget, das er präsentierte, schliesst in einem Plus von rund einer Million Franken. «Mich freut der solide und sorgfältige Umgang mit unseren Steuer­geldern», hiess es aus den Reihen, es sei eben doch gut, dass man dem Steuersatz von 89 Prozent treu geblieben sei, man ziehe gute Steuerzahler an.

Bosshart relativierte: Der gute Abschluss sei neben einer nachhaltigen Finanzpolitik auch der gemeindeeigenen Liegenschaft an der Unterdorfstrasse zu verdanken, zu deren Veräusserung zum Preis von 1,71 Millionen Franken das Stimmvolk vor zwei Wochen deutlich Ja sagte.

Der Rest der langen Traktandenliste betraf Anpassungen in Zusammenhang mit dem neuen Gemeindegesetz und verschiedene Sanierungskredite. Auch Letztere gaben kaum zu diskutieren, mit grosser Deutlichkeit gingen alle Traktanden durch.

(Der Landbote)

Erstellt: 06.12.2017, 10:11 Uhr

Wird nicht gehandelt, ist an Heiligabend keiner sicher: Das Hauptfenster der Kirche in Brütten hängt fünfzehn Zentimeter in den Raum. (Bild: Johanna Bossart)

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