Seuzach

Altes Gemüse und Obst neu entdeckt

Julia Müller aus Seuzach und Franziska Neugebauer aus Zürich wollen vergessene und alte Gemüsesorten wieder aufleben lassen – mit einem Tages-Abreisskalender. Für ihr Projekt sammeln sie Geld.

Franziska Neugebauer und Julia Müller (v. l.) besprechen Ideen für weitere Kalenderblätter.

Franziska Neugebauer und Julia Müller (v. l.) besprechen Ideen für weitere Kalenderblätter. Bild: elo

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer noch nie etwas von Stachys gehört hat und denkt, dass die Felsenbirne eine Birne ist, der gehört womöglich zum Schweizer Durchschnitt. Ersteres ist ein Wurzelgemüse, hat im Winter Saison und stammt ursprünglich aus Asien. Und bei Zweiterem handelt es sich um eine erbsengrosse, purpurrote bis bläulich schwarze süsse Frucht.

«Wir regen uns darüber auf, dass die Leute importiertes Gemüse oder Obst kaufen und eigentlich gar nicht wissen, was hierzulande gerade wächst»

Sie ist Anfang Sommer reif. Zwei Sorten, die kaum jemand kennt, geschweige denn damit kocht. Dem wollen die gebürtige Seuzacherin Julia Müller und Franziska Neugebauer aus Zürich entgegenwirken. Die 33- und die 38-Jährige arbeiten an einem kulinarischen Tages-Abreisskalender im A6-Format fürs kommende Jahr, der Mitte Oktober herauskommen soll.

«Wir regen uns oft darüber auf, dass die Leute importiertes Gemüse oder Obst kaufen und eigentlich gar nicht wissen, was hierzulande gerade wächst», sagt Müller. «Dabei bietet uns die Natur das ganze Jahr über etwas an, man müsste es nur wissen.»

Bei Zeitschrift kennen gelernt

Kennen gelernt haben sich die beiden bei einem gemeinsamen Arbeitgeber: bei «Marmite», der Schweizer Zeitschrift für Ess- und Trinkkultur. «Wir haben uns sehr gut verstanden, die Zusammenarbeit hat bestens funktioniert», erzählt Neugebauer.

Später wollten beide eigene Projekte verwirklichen. Im Januar trafen sie sich zufällig und beschlossen, auch ein gemeinsames umzusetzen. «Es war schnell klar, dass es etwas Kulinarisches sein sollte», sagt Müller. Denn die beiden kochen sehr gerne, ernähren sich gesund und mögen eben saisonale und regionale Produkte. So setzten sie sich hin und begannen zu zeichnen und zu texten. «Und irgendwann konnten wir nicht mehr zurück», sagt die Seuzacherin. Mittlerweile arbeiten sie fast täglich an ihrem Projekt. Nur etwa 50 Kalenderseiten fehlen ihnen noch.

«Mit der Zeit wurden wir immer kreativer und frecher»

Müller hat an der ZHAW Kommunikation studiert. Sie schreibt, titelt und porträtiert. Franziska Neugebauer ist in der Nähe von Freiburg im Breisgau geboren, hat Kommunikationsdesign studiert, lebt seit zwölf Jahren in der Schweiz und ist selbstständige Grafikerin. Sie ist für den gestalterischen Teil zuständig, zeichnet, illustriert und layoutet die einzelnen Kalenderblätter.

Die Kalenderblätter von Neugebauer und Müller beschreiben Gemüse und eigene Rezepte.

Jeder Monat beginnt mit einer Beschreibung des Gemüses, das gerade aktuell ist. Dann folgen Rezepte, Tipps zum Anbau und Porträts von Produzenten. Bei der Suche nach seltenen Sorten sind sie etwa auf die Brüder Simon und Christoph Räss aus Benken gestossen. Die beiden Bioproduzenten bauen Nischenprodukte wie Goji-, Aronia- und eben auch Felsenbirnen an.

Seit diesem Frühling gärtnern die beiden Frauen auch im eigenen Schrebergarten. «Wir hatten einfach Lust, mit den Händen zu arbeiten und die Natur zu spüren», sagt Müller. Einige der Kalenderblätter enthalten deshalb auch Tipps fürs Aussäen oder Anpflanzen und beruhen auf eigenen Erfahrungen.

Für die Rezepte haben sie sich bei Familienmitgliedern, etwa ihren Eltern, umgehört oder auch eigene kreiert. Sie haben die Gerichte selbst gekocht, dokumentiert, arrangiert und fotografiert. «Mit der Zeit wurden wir immer kreativer und frecher», sagt Neugebauer.

Die Beschreibungen auf den Rezepten sind so gehalten, dass sie auch Ungeübte nachkochen können. Und die einzelnen Kalenderblätter lassen sich dank ihres Formats auch zum Einkaufen mitnehmen.

Noch 40 Tage

Um das Ganze zu finanzieren, haben die beiden Hobbyköchinnen vor 40 Tagen auf der Website 100-days.net unter dem Titel «365 Grad kulinarisch» ein Crowdfunding gestartet. Für ihr Projekt benötigen sie 20 000 Franken. Damit decken sie vor allem Druck- und Materialkosten und ein wenig ihrer Arbeit.

Bis gestern hatten sie gut 13 000 Franken beisammen. Während 40 weiterer Tage kann man das Projekt unterstützen oder einen Kalender vorbestellen. «Wir sind zuversichtlich, dass wir es schaffen», sagt Müller. Und wenn nicht? Dann erhalten die Spender ihr bereits zugesagtes Geld zurück. Und die beiden Frauen hoffen, den Kalender trotzdem verkaufen zu können.

Weitere Informationen: www.100-days.net/365-grad-kulinarisch. (Der Landbote)

Erstellt: 28.08.2018, 14:51 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!