Dägerlen

Altes Pfarrhaus schützen, aber wie?

Die Besitzer wollen das alte Pfarrhaus in Rutschwil verkaufen. Deshalb liess die Gemeinde dessen Schutzwürdigkeit abklären. Einigkeit konnte bisher nicht erzielt werden.

Das ehemalige Pfarrhaus in Rutschwil soll laut Gemeinderat nicht zuletzt wegen des Ortsbildschutzes erhalten bleiben.

Das ehemalige Pfarrhaus in Rutschwil soll laut Gemeinderat nicht zuletzt wegen des Ortsbildschutzes erhalten bleiben. Bild: Madeleine Schoder

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Am Trottenweg 22 in Rutschwil steht ein stattliches Haus. Man ahnt, dass es seinerzeit für eine wichtige Person gebaut worden sein muss: genau gesagt in den Jahren 1639 und 1640 für Pfarrer Martin Spleiss (1617 bis 1662).

Das sogenannte alte Pfarrhaus, das recht weit von der Kirche Dägerlen entfernt liegt, umfasst drei Geschosse. Laut Architekt Johann Frei, der im Auftrag der Gemeinde ein Gutachten über dessen Schutzwürdigkeit erstellt hat, ist das in dieser Gegend einzigartig. «Das Haus hat vom Ortsbild her einen grossen Stellenwert.»

«Das Haus hat vom Ortsbild her einen grossen Stellenwert.»

Als schützenswert erachtet Frei unter anderem den «sehr schönen Dachstock». Aber auch der Aufbau des Gebäudes, das auf allen drei Stockwerken über einen breiten Mittelgang verfüge, welcher das Haus praktisch zweiteile, sei wertvoll.

Schutzwürdig seien auch primäre Konstruktionen wie etwa Statik, Fachwerkwände oder Anordung und Gestaltung der Fenster mit Sandsteinfassung sowie Mauern mit Natursteinelementen. «Unter dem Verputz befindet sich ein sehr schmuckes Riegelhaus», resümiert der Winterthurer Architekt.

Besitzer wollen verkaufen

Das alte Pfarrhaus befindet sich seit bald hundert Jahren in den Händen der Familie, die es heute noch besitzt und auch immer wieder renoviert hat. Die Erbengemeinschaft will das Haus nun verkaufen, weshalb die Gemeinde vor zwei Jahren besagtes Gutachten vom Architekturbüro Frei erstellen liess.

Dieses kommt kurz gesagt zum Schluss, dass das Gebäudevolumen, die charakteristischen Teile des ursprünglichen äusseren Erscheinungsbildes sowie die originalen Dachkonstruktionen zu erhalten seien. Die stattliche Liste des Schutzumfangs kann derzeit auf der Gemeindeverwaltung öffentlich eingesehen werden.

«Der Gemeinderat sah sich gezwungen, eine Verfügung zur Unterschutzstellung zu erlassen.»

Die Gemeinde setzte daraufhin einen Schutzvertrag auf, den sie den Besitzern unterbreitete. «Wir hofften darauf, uns mit der Erbengemeinschaft einigen zu können», sagt Markus Kyburz, Gemeindepräsident von Dägerlen. Doch dies sei bis heute nicht möglich gewesen. Erschwerend kam offenbar hinzu, dass der Anwalt der Familie eine Zeitlang wegen Krankheit nicht zur Verfügung stand, weshalb Fristen unbeantwortet verstrichen seien.

«Wir sind aber zeitlich gebunden», erklärt Kyburz. Das zürcherische Bau- und Planungsgesetz verlange, dass der Entscheid über die Schutzwürdigkeit spätestens ein Jahr nach Anordnung der Überprüfung erfolgen müsse. Die Frist könne um höchstens ein weiteres Jahr erstreckt werden, was sie in diesem Fall auch wurde.

Der Entscheid über die Schutzwürdigkeit des alten Pfarrhauses muss bis spätestens Anfang Oktober erfolgt sein. «Der Gemeinderat sah sich deshalb gezwungen, eine Verfügung zur Unterschutzstellung zu erlassen», erklärt Kyburz.

Rekurs erhoben

Die Erbengemeinschaft respektive ihr Anwalt waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar respektive wollten sich nicht dazu äussern. Soviel war aber zu erfahren: Auf die Verfügung sei bereits Rekurs eingelegt worden.

(Der Landbote)

Erstellt: 05.09.2018, 18:29 Uhr

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