Sessionsinterview

«An vorderster Front mitzuentscheiden ist schon ein Privileg»

SVP-Nationalrätin Therese Schläpfer aus Hagenbuch freut sich auf die Nacht der langen Messer.

Im Juni nachgerückt, im Oktober wiedergewählt: SVP-Nationalrätin Therese Schläpfer, Gemeindepräsidentin von Hagenbuch.

Im Juni nachgerückt, im Oktober wiedergewählt: SVP-Nationalrätin Therese Schläpfer, Gemeindepräsidentin von Hagenbuch. Bild: PD

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Therese Schläpfer, Sie haben die erste Woche der ersten Session Ihrer ersten «richtigen» Amtszeit im Nationalrat hinter sich. Wie lief’s?
Am ersten Tag ging es vor allem um die Vereidigung der neuen Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Das fand ich schön. Dann ging es los mit den Geschäften und Abstimmungen. Speziell ist, dass immer mal wieder neu Gewählte die erste Abstimmung verpassen, weil sie noch mit ihren Angehörigen feiern.

Sie haben also ihre erste Abstimmung verpasst.
Nein! (lacht) Ich sitze ja bereits seit Juni im Nationalrat und wusste darum schon, wie es läuft.

Welches Geschäft hat Ihnen in der ersten Woche so richtig den Ärmel reingenommen?
Bisher noch keines. Natürlich haben wir schon über das Budget diskutiert. Dort ist es halt so, dass die Ratsrechte lieber sparen möchte, um den Schuldenberg abzubauen. Die Linken sind natürlich dafür, mehr Geld auszugeben.

Dort wurde also schon gekämpft. Für welches Geschäft werden Sie sich besonders einsetzen?
Am Dienstag wird über den Pilotversuch zur kontrollierten Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken entschieden. Dabei überbringe ich die Botschaft der SVP-Fraktion. Das Thema birgt natürlich Zündstoff.

 «Es dünkt mich sogar, dass die Kommissionssitzungen fast noch wichtiger sind als die Debatten im Ratssaal.»

Sie stellen sich auf eine lebhafte Diskussion ein.
Cannabis ist in der Gesellschaft ein Thema. Aber entsprechende Studien wurden schon im Ausland gemacht, da müssen wir nicht auch noch ein zehnjähriges Projekt durchführen. Ich habe zudem mit Polizisten über die Thematik gesprochen, die befürworten auch keine legale Abgabe. In der Fraktion haben wir uns einstimmig dagegen ausgesprochen.

In der laufenden Session werden gleich zwei gewichtige Geschäfte behandelt. Eines davon ist die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge. Wie fühlt es sich an, solche Entscheide mitgestalten zu dürfen?
Das ist schon ein Privileg, wenn man an vorderster Front mitentscheiden kann. Ich kann mich wirklich in der Fraktion einbringen, meine Meinung äussern und so versuchen, etwas zu beeinflussen. Dasselbe natürlich in den Kommissionen. Es dünkt mich sogar, dass die Kommissionssitzungen fast noch wichtiger sind als die Debatten im Ratssaal. Denn dort sind die Meinungen eigentlich schon gemacht.

«Die Verbindung von Gemeindepräsidentin und Nationalrätin ist Gold wert.»

Das zweite grosse Traktandum ist die Bundesratswahl. Mit den auf Angriff gebürsteten Grünen könnte der zum Krimi werden. Wie schauen Sie auf Ihre erste Nacht der langen Messer?
(lacht) Auf die freue ich mich schon lange. Es ist immer spannend, wenn ein Sitz angegriffen wird. Aber ich denke, es wird alles beim Alten bleiben. Trotzdem finde ich es ein wenig befremdlich, dass eine Grüne Bernerin auf Kosten eines Tessiners in den Bundesrat möchte, obwohl da bereits eine Bernerin sitzt. Die Grünen argumentieren sonst immer mit der Ausgewogenheit der Sprachregionen und der Geschlechter.

In der öffentlichen Wahrnehmung scheinen die Bundesratswahlen ein breit diskutiertes Thema zu sein. Wie sieht das in der Wandelhalle aus, dominieren die Wahlen die Pausengespräche?
Nicht überwiegend, nein. Sicher gibt man mal einen Kommentar dazu ab, aber es ist kein dominierendes Thema. Das zeigt eigentlich, dass der Ausgang schon jetzt ziemlich klar sein dürfte.

Sie sind auch Gemeindepräsidentin von Hagenbuch. Können sie nach der ersten Sessionswoche einschätzen, wie sich das mit dem nationalen Politbetrieb verträgt?
Das funktioniert sehr gut. Die Verbindung von Gemeindepräsidentin und Nationalrätin ist Gold wert. Ich weiss, wo bei den Gemeinden der Schuh drückt, welche Kosten vom Bund auf die Gemeinden abgewälzt werden. Vielen anderen ist das gar nicht bewusst. Ich kann zwar nicht alle Termine in meiner Gemeinde wahrnehmen, weil die Session Vorrang hat. Aber weil wir eine kleine Gemeinde sind, habe ich einen grossen Einfluss auf die Terminsetzung, etwa bei den Sitzungen des Gemeinderats oder der Gemeindeversammlung.

Erstellt: 09.12.2019, 15:56 Uhr

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