Endlager

Atomare Anlage im Kopf macht mehr Angst

Eine neue Studie ist zu einem Ergebnis gekommen, das so manch einen erstaunen mag. So ist die Ablehnung von atomaren Anlagen in jenen Regionen grösser, wo es gar keine solchen Anlagen gibt. Gelassener sind die Leute daher im Aargau.

Wohnen direkt neben dem Kernkraftwerk Gösgen: Auch daran kann man sich offenbar gewöhnen.

Wohnen direkt neben dem Kernkraftwerk Gösgen: Auch daran kann man sich offenbar gewöhnen. Bild: Keystone

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Die Suche nach dem geeigneten Standort für das Endlager wird von den Naturwissenschaften dominiert. Verständlich, geht es ja im Kern um die Frage, wo der Atommüll für Abertausende von Jahren sicher gelagert und wie das Lager im Gestein gebaut werden kann.Doch an den möglichen Standorten wohnen Menschen mit Meinungen und Ängsten. Mit diesen beschäftigen sich die Sozialwissenschaften. «Wie würden Sie es beurteilen, wenn sich ein Atomendlager in Ihrer Nähe befinden würde?»: Diese Frage hat das Bundesamt für Energie (BFE) im Rahmen einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung erneut untersuchen lassen. Nun sind die Resultate der Befragung veröffentlicht worden, die dritte nach 2012 und 2014.

Negative Voten abgenommen

Ob Auto- und Eisenbahnen, Atomkraftwerke, Flughäfen, Hochspannungsleitungen, Kehrichtverbrennungs- oder Industrieanlagen, Mobilfunkantennen oder Zwischen- und Endlager für Atommüll: In der Studie wurden die Haltungen der Deutschschweizer Bevölkerung zu verschiedenen Infrastrukturanlagen erhoben und miteinander verglichen. Das BFE als Auftraggeberin der Studie sprach gestern in seinem Blog «energeiaplus» von «interessanten Ergebnissen».

Wenig überraschend ist, dass atomare Anlagen von allen Infrastrukturanlagen als am negativsten empfunden werden. Die hypothetische, also mögliche Nähe eines Kernkraftwerks, Zwischen- oder Endlagers wird zwar noch immer von rund 80 Prozent der Befragten als negativ beurteilt. Doch seit der ersten Befragung 2012 hat die negative Einschätzung abgenommen.

«Markante Unterschiede»

Jura Ost (Bözberg), Jura Südfuss, Nördlich Lägern, Südranden, Wellenberg oder Zürich Nordost (Weinland): In der Schweiz gibt es sechs Standortregionen, in denen sich die Nagra den Bau des Endlagers vorstellen kann. Diese sechs Regionen wurden in der Studie auch untersucht. Und das Ergebnis mag auf den ersten Blick überraschen: «In den Standortregionen werden mögliche Atomanlagen etwas weniger negativ beurteilt als in der Deutschschweiz insgesamt», schreibt Stefan Kreis, Fachspezialist Projekte Tiefenlager, im BFE-Blog weiter. Die potenzielle Betroffenheit beim Bau und Betrieb des Endlagers würden das gegenteilige Ergebnis erwarten lassen.

«In den Standortregionen werden mögliche Atomanlagen etwas weniger negativ beurteilt als in der Deutschschweiz insgesamt.»

Stefan Kreis, 
Bundesamt für Energie

Doch gegen diese Erwartung steht auch ein weiterer Befund der Studie. «Interessant», so Kreis, sei der «markante Unterschied» zwischen der tatsächlichen und der möglichen hypothetischen Nähe solcher Infrastrukturanlagen. «Wer bereits in der Nähe von Kernkraftwerken wohnt, schätzt diese gar nicht so negativ ein.» Umgekehrt fällt die Antwort auf die hypothetische Frage «viel negativer» aus, wie man denn neue Anlagen in der Wohnumgebung beurteilen würde.

«Besser gestimmt» im Aargau

In der Studie werden auch die möglichen Endlager-Regionen miteinander verglichen. In der Standortregion Jura Ost (Bözberg), wo das Zwischenlager und mehrere Kernkraftwerke liegen, sind die Bewohner «wesentlich besser gegenüber solchen Anlagen gestimmt», heisst es im BFE-Bericht zu den Studienresultaten.

Würenlingen wächst wie wild

In der aargauischen Gemeinde Würenlingen, direkt neben der Aare und über dem Grundwasser, steht das Zwischenlager (Zwilag) für radioaktive Abfälle. Dort werden also die verbrauchten Brennstäbe der Schweizer Atomkraftwerke so lange oberirdisch zwischengelagert, bis ein Endlager gebaut ist. Ginge man von der Angst vor Radioaktivität als treibende Kraft aus, so müsste in dieser Gemeinde eine Abwanderung stattfinden. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Zwischen 1990 und 2015 ist die Zahl der Einwohner in Würenlingen von 3082 auf 4572 gestiegen – ein Plus von 48,3 Prozent. Der Durchschnitt aller aargauischen Gemeinden beträgt bloss 29,5 Prozent.

(Der Landbote)

Erstellt: 22.12.2016, 16:06 Uhr

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