Zell

Auch die Postverteilstelle schliesst

Gemeindepräsident Martin Lüdin ärgert sich, dass in Rikon nach der Poststelle auch das Verteilzentrum schliesst. Er fühlt sich von der Post verschaukelt. Diese hält dagegen: Die Ausgangslage habe sich verändert.

Die Post verlegt die Postverteilstelle von Rikon nach Turbenthal. Die Postfächer (rechts im Bild) verschwinden dabei ebenfalls.

Die Post verlegt die Postverteilstelle von Rikon nach Turbenthal. Die Postfächer (rechts im Bild) verschwinden dabei ebenfalls. Bild: Johanna Bossart

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Martin Lüdin ist seit acht Jahren Gemeindepräsident in Zell und hatte in dieser Zeit öfter unerfreuliche Gespräche mit der Post, denn meistens ging es um Leistungsabbau. Dennoch hat ihn keines so verärgert wie der jüngste Kontakt mit der Post: Man teilte dem Gemeindepräsidenten erst mündlich und dann auf Wunsch auch schriftlich mit, dass am 1. Oktober 2018 die Postverteilstelle in Rikon schliessen wird. Auch die im Gebäude integrierten Postfächer würden dabei aufgehoben. Für die Gemeinde und Firmen bedeute das einen Mehraufwand, sagt Lüdin. Ein Mitarbeiter müsse die Briefe aus dem Postfach neu jeweils in Turbenthal abholen. Zudem gingen sieben bis acht Arbeitsplätze in der Gemeinde verloren.

Das Vorgehen der Post wirft bei Lüdin darüber hinaus grundsätzliche Fragen auf: «Ist die Post noch ein verlässlicher Partner?» Aus seiner Sicht hat sie ihr Wort mehrfach nicht gehalten. Schon seit Jahren setze sich der Gemeinderat dafür ein, dass in Rikon das Postangebot erhalten bleibe. Mit gutem Grund: Der Ortsteil ist Verwaltungssitz der Gemeinde, entwickelt sich stark und liegt zentral. Von den Zeller Dörfern Kollbrunn, Langenhard, Rämismühle und Zell ist Rikon rasch erreichbar.

Immer weniger Briefe

Trotz des Widerstands des Gemeinderats schloss die Post im Herbst 2017 schon die Poststelle in Rikon und eröffnete stattdessen im Volg eine Postagentur. Im Vorfeld der Schliessung habe die Post der Gemeinde zugesichert, dass immerhin die Verteilstelle dem Dorf erhalten bleibe, sagt Lüdin. Und trotzdem verschwindet nun auch diese.

«Wenn ich könnte, würde ich den  Anbieter wechseln.»Martin Lüdin, Gemeindepräsident Zell

Die Post widerspricht dem nicht. Seit den Gesprächen im Jahr 2015 habe sich aber eine neue Ausgangslage ergeben, sagt Post-Sprecher Markus Werner. Der negative Trend beim Briefvolumen habe sich seither weiter verstärkt. «Aufgrund der digitalen Kommunikationsmittel geht das Volumen der adressierten Briefe seit Jahren kontinuierlich zurück.» Die Post müsse auf diese Entwicklung reagieren und die Prozesse effizienter gestalten. «Zum Beispiel, indem wir Zustellstellen zusammenführen.» Deshalb habe sich die Post entschieden, jene von Turbenthal und Rikon zusammenzuführen. Die Post habe in Turbenthal die Möglichkeit, in einem Industriegebiet an der St. Gallerstrasse eine neue, moderne Zustellstelle zu realisieren. Dadurch würden die Lärmemissionen bei Zu- und Wegfahrten für die Bevölkerung auf ein Minimum reduziert. Die Zusammenführung der Zustellstellen habe keine Auswirkungen auf die Qualität der Hauszustellung, sagt Markus Werner weiter.

Martin Lüdin kann den Entscheid der Post dennoch nicht nachvollziehen. «Ich erwarte einen gewissen Service von der Post. Wenn ich könnte, würde ich den Anbieter wechseln.» Ihn ärgert vor allem, dass die Post in all den Jahren nicht auf die Anliegen der Gemeinde eingegangen sei. «Ich fühle mich verschaukelt.»

So habe sich der Gemeinderat 2013 etwa dafür eingesetzt, dass die Poststelle in Kollbrunn in Bahnhofnähe bleibe, da das Gebiet insgesamt aufgewertet werden sollte. Die Post verlegte diese dann trotzdem in den damals neuen Coop an die Tösstalstrasse.

Dort wird sie bis auf weiteres auch bleiben. Das verspricht die Post zumindest bis «mindestens 2020». (Landbote)

Erstellt: 30.05.2018, 15:44 Uhr

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