Zell

«Auf dem Land feiert man besser»

Fürs 16. Tösstaler Sommernachtsfest strömte das halbe Tal zum Tobelhof in Rikon. Gut 3000 Feierlustige starten in drei dekorierten Einstellhallen mit Schlager, Shots und Live-Bands in die Sommerferien.

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Warum sie am Sommernachtsfest sind? «Weil alle, die wir kennen hier sind», sagt Corinnne Kunz aus Wald. Schon zum dritten Mal ist die 20-jährige da, ihre Cousine Shelley (19) zum ersten Mal. «Ich komme, weil man hier Bauern trifft», sagt sie. Sie ist selbst angehende Bäuerin. Am Sonntagmorgen um 5.30 Uhr klingelt der Wecker und sie muss zu den Kühen – früh heimgehen will hier trotzdem keiner, das Sommernachtsfest dauert solange es dauert. «Ausgang auf dem Land ist ganz anders als in der Stadt», ist sich das sechsköpfige Grüppchen einig. «Viel entspannter.»

Es ist kurz nach neun Uhr abends, das Areal der Firma BG Bieri in Rikon füllt sich allmählich. «Die meisten kommen zwischen zehn Uhr und Mitternacht», hatte Michel Zbinden gesagt. Der 18-jährige ist einer der Platzanweiser, die in Leuchtweste auf einer der zwei abgemähten Wiesen die Autos aufkolonieren, Dächlikappe auf dem Kopf, Zigarillo zwischen den Lippen.

Vereine bewirten Besucher

Drei überhohe Einstellhallen für Forstmaschinen, Maishäcksler und ähnliches schweres Gerät verwandeln sich einmal im Jahr in Festhütten. Anderthalb Wochen dauern die Vorbereitungen, erst muss der Maschinenpark ausquartiert werden, dann wird geputzt und die offenen Wände der Hallen mit schwarzer Kunststofffolie verpackt. Zuletzt stellen die diversen Vereine ihre Bars und Festwirtschaften auf. Allein in der Tanzhalle sind es sechs Bars, betrieben von zwei Turnvereinen, dem Feuerwehrverein und dem Schwingclub Winterthur. Die Vereine sind auch im Publikum präsent – viele Partygänger haben sich für den Abend zwar in Schale geworfen, aber auch das Jäckchen vom Turnverein ist eine absolut valable Variante.

Laute Tanzmusik bis morgens um fünf – an dieser Lage kein Problem. Der Tobelhof liegt fast einen Kilometer vom Dorfrand weg, die nächsten Nachbarn sind die Mönche im Tibet-Kloster. Die tibetische Kultur ist, in kulinarischer Form, auch am Fest vertreten: Gelek Dakhyel und seine Familie rollen in einem grünen Zelt frische Momos. «Wir sind so lange offen, wie die Leute hungrig sind», verspricht Herr Dakhyel, der hauptberuflich in der Kuhn-Pfannenfabrik arbeitet. Der Gewinn aus dem Momo-Verkauf geht an Projekte für die tibetischen Gemeinden in Indien.

Feiernd in den Sommer starten

Natürlich bekommt man auch Bratwürste, eine der Einstellhallen ist zur Festbeiz dekoriert. Auf der Bühne spielen in Karohemden und Lederhosen «Die Schilcher», eine Stimmungsband aus dem Dorf. Der Altersschnitt ist hier höher, die Stimmung fröhlich-familiär. In der Halle nebenan spielt das Quartett «Beinhart» Deutschrock von Wolfgang Petry bis Spider Murphy Gang.

Die Jugendlichen von vorhin sind wegen der dritten Halle da. Dort wird Mallorca-Sound gespielt, Schlager und ein paar Oldies, die jeder mitsingen kann. «Was man halt hören will», sagt Shelley Kunz. Einer der Jungs bietet Schnupftabak an. Zurück nach Wald kommt man später mit dem Auto, zwei der Mädels bleiben nüchtern. Doch vorher gilt es, mit gut 3000 anderen in den Sommer zu feiern – für viele ist es auch gleich der Start in die Sommerferien.

Erstellt: 14.07.2019, 15:30 Uhr

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