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Auf den Feldern herrschen rosa Zeiten

Bald liegen wieder pink verpackte Siloballen auf den Feldern. Dahinter steckt eine ganz bestimmte Botschaft, die Lukas Holderegger und seine Lebenspartnerin verbreiten wollen.

Wie riesige Marshmallows liegen die Pinkballen von Lukas Holderegger auf dem Feld. Lebenspartnerin Angela Gunsch hatte die Idee.
Wie riesige Marshmallows liegen die Pinkballen von Lukas Holderegger auf dem Feld. Lebenspartnerin Angela Gunsch hatte die Idee.
Johanna Bossart

Auf die Idee, pink verpackte Heuballen zu pressen und auf die Felder seiner Kunden im Weinland zu legen, kam Lukas Holderegger nicht selbst. «Das war meine Lebenspartnerin», sagt der 26-jährige Jungunternehmer aus Dorf. Seine Lebensgefährtin Angie, die zum Nachnamen Gunsch heisst, hat vor zwei Jahren ein Bild auf Facebook gesehen, das sie sogleich liken musste. Das Foto, das ihr so gut gefiel, zeigte lauter pinkfarbene Siloballen und stammte vom Schweizer Agrarfolienimporteur Aemisegger-Agro aus Lutzenberg AR. Er warb damit für eine Kampagne zur Krebsvorsorge auf dem Lande. «Ich habe Lukas vorgeschlagen, sich an der Aktion zu beteiligen», erzählt Angela Gunsch, die für das kleine Lohnunternehmen ihres Freundes mit dem Namen Holdi GmbH die Administration erledigt.

Dass sie diese Idee unterstützenswert fand, war nicht zufällig: Vor vier Jahren hatte sie selbst die schwere Diagnose erhalten, dass sie einen Krebs im zentralen Nervensystem hatte. «Es war eine grosse Kunst, diesen Tumor herauszuholen», sagt sie in Anerkennung der guten medizinischen Betreuung, die sie bei der Krebsbehandlung erfahren hat. «Irgendwoher muss die Krebsforschung ihr Geld erhalten.» Je früher man Krebs erkenne, desto grösser seien die Heilungschancen. Seit der Operation kann Angela Gunsch ihre Beine nicht mehr hundertprozentig fühlen, aber sonst gehe es ihr heute sehr gut, sagt die 33-Jährige.

Versuch mit Fragezeichen

Lukas Holderegger, der einerseits auf dem Rütihof, dem Landwirtschaftsbetrieb des Vaters, arbeitet und andererseits als selbstständiger Lohnunternehmer mit Dienstleistungen von Winterdienst bis Säen und Holzarbeiten unterwegs ist, fand die Idee gut. Mit der Rolle Pinkfolie, die etwas teurer ist als die herkömmlichen weissen oder grünen Folien, kann er etwa 30 Siloballen wickeln. Einzige Unbekannte waren seine Kunden. Wie würden sie reagieren, wenn er ihnen pinkfarbene Siloballen aufs Feld bringen würde? Auf dem Land ist man nicht zimperlich. Am Anfang, als er die Pinkballen ins Spiel brachte, musste er allerlei Bemerkungen anhören, erzählt der Lohnunternehmer. «Ein Bauer fragte mich zum Beispiel, ob ich meine weibliche Seite entdeckt habe.» Die pinkfarbenen Siloballen auf den Feldern gaben zu reden. Das konnte dem diplomierten Landwirt, der mit den rosa Heuballen ein Zeichen setzen wollte, gerade recht sein. «Plötzlich entstanden auch mit meinen Kunden Gespräche, die wir vorher nicht hatten.»

Zwei Drittel machen mit

Die Brustkrebskampagne stiess zu seiner grossen Überraschung bei vielen Bauern im Flaachtal und bis Neftenbach und Andelfingen auf offene Ohren. Von seinen über hundert Kunden machen laut Holderegger zwei Drittel bei der Aktion mit. «Auch solche, die zunächst wegen der Farbe dagegen waren, änderten ihre Meinung, als sie vom guten Zweck der pink Siloballen erfuhren.»

Es hat sich herumgesprochen

Den meisten Kunden müsse er inzwischen nicht einmal mehr anbieten, die Siloballen in Pink zu wickeln, so Lukas Holderegger. Viele Bauern würden schon bei der telefonischen Bestellung auf Wunsch ihrer Frau die pink Variante verlangen. «Viele kennen Lukas, er ist für das Pressen der Pinkballen ein richtiges Sprachrohr geworden», schwärmt seine Lebenspartnerin.

«Die Pinkfolie ist qualitativ sehr gut und erfüllt ihre Zwecke wie die anderen Farbfolien auch», sagt Holderegger. Doch bei der Arbeit mit Traktor und Wickler koste sie ab und zu richtig Nerven. Bei warmen Temperaturen bestehe die Gefahr, dass die rosa Folie öfters reisse. «Ich muss dann jedes Mal von der Landmaschine absteigen und sie hinten auf dem Wickler wieder anbringen.» Doch dann denke er an den guten Zweck und beisse auf die Zähne, sagt der junge Landwirt.

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